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Nullnummer der Extraklasse: Eindhoven und die Devils schießen sich müde

Manchmal erzählt ein 0:0 mehr über ein Spiel als jedes Torfestival - so geschehen am Donnerstagabend in Eindhoven. 43.500 Zuschauer im ausverkauften Stadion sahen ein Achtelfinal-Rückspiel der Conference League, das so intensiv war, dass selbst der Rasen am Ende erschöpft wirkte. PVC Eindhoven und die Manchester Devils trennten sich torlos, aber keineswegs tatenlos. 25 Torschüsse insgesamt, ein verletzter Außenverteidiger, eine gelbe Karte, viel Drama - und am Ende das, was Trainer Markus Frey trocken "eine Fußballschlacht ohne Sieger" nannte.

Schon nach zwei Minuten feuerte Logan Nolan den ersten Schuss auf das Tor von PVC-Keeper Fotios Siontis ab. Der Grieche im niederländischen Kasten ahnte da wohl schon, dass dies ein langer Abend werden würde. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft sie auf mich geschossen haben", grinste er später, während er sich demonstrativ auf sein Eisbad freute.

Die Devils begannen mit einer tiefstehenden, konternden Defensive - ganz nach der Handschrift ihres Trainers Ronnie Ekström. Eindhoven dagegen agierte offensiv, anfangs mit breiten Flügelangriffen über Tonel und Sandoval. Die Taktik war klar: Flanken, Tempo, Risiko. Nur mit dem Treffen klappte es nicht. Giuseppe Romagnoli, der erfahrene Mittelstürmer, hatte in der 21. Minute eine Riesenchance, verzog aber aus kurzer Distanz.

Dann die Szene, die den ersten Bruch brachte: In der 35. Minute blieb der linke Verteidiger Lars Cure nach einem Zweikampf liegen. Muskelverletzung, das sah man sofort. Ersatzmann Garritt van Schoonhoven, gerade einmal 20 Jahre alt, kam rein - und spielte, als wolle er sein Bewerbungsschreiben direkt beim Nationaltrainer abgeben. "Er war nervös, aber mutig", lobte Coach Frey später. "Ich sagte ihm: Junge, du hast nichts zu verlieren - und das war wohl das Beste, was ich sagen konnte."

Die Devils blieben gefährlich, vor allem durch den quirlig-aufmüpfigen Asen Christow. Der Bulgare prüfte Siontis gleich dreimal - in der 38., 59. und 60. Minute - und verzog jedes Mal um Millimeter. "Ich schwöre, der Ball wollte einfach nicht rein", murmelte er nach Abpfiff und reckte die Hände gen Himmel, als wolle er den Fußballgott um eine Wiederholung bitten.

Auch Eindhoven hatte seine Phasen. Zwischen der 66. und 71. Minute brannte es mehrfach im Strafraum der Gäste. Romagnoli scheiterte gleich dreimal in Folge, Sandoval drosch den Ball über das Stadiondach - eine fliegende Erinnerung für die Zuschauer in der oberen Reihe. "Wenn wir den Ball schon nicht ins Tor bringen, dann wenigstens in die Umlaufbahn", witzelte Tonel später.

Kurz darauf die einzige Karte des Abends: Harold Putnam, der rechte Verteidiger der Gastgeber, sah in der 69. Minute Gelb, nachdem er Christow etwas unsanft daran erinnerte, dass es sich um einen Kontaktsport handelt. "Ich wollte nur den Ball", verteidigte sich Putnam, "aber der Ball war gerade woanders."

Ekström reagierte auf die wachsende Druckphase mit gleich drei Wechseln in wenigen Minuten - frisches Blut, frische Beine, alte Taktik. "Wir wollten das 0:0 halten. Manchmal ist das auch eine Kunst", sagte der Schwede, dessen Team mit 50 Prozent Ballbesitz und 12 Torschüssen statistisch ebenbürtig war.

Die letzten Minuten gehörten wieder Eindhoven, die alles nach vorn warfen. In der Nachspielzeit schoss Azmi Ramon aus der zweiten Reihe - ein Strahl, der über die Latte pfiff und vom Publikum mit einem kollektiven "Oooh!" begleitet wurde, das lauter war als so manches Torjubel.

Nach 94 Minuten pfiff der Schiedsrichter ab, und beide Teams fielen sich erschöpft, aber erleichtert in die Arme. Kein Sieger, keine Tore, aber eine Menge Geschichten.

"Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Frey. "Wir haben alles reingeworfen, sogar den Ersatz-Linksverteidiger." Ekström konterte mit seinem typischen Understatement: "Wir haben das gemacht, was man auswärts machen muss - nichts falsch."

Und so endete ein Abend, der kein Ergebnis brachte, aber reichlich Gesprächsstoff. Eindhoven hatte mehr Drang, Manchester mehr Disziplin. Am Ende hatten beide vor allem eines: Respekt füreinander - und vielleicht auch ein bisschen Mitleid mit den Fans, die ein Tor verdient gehabt hätten.

Fazit eines Zuschauers auf der Tribüne, den man mit Bierbecher und Schal zittern sah: "Ich hab 90 Minuten gehofft und 90 Minuten geflucht. Aber schön war’s trotzdem."

Manchmal ist eben auch ein 0:0 ein kleines Fußballwunder - nur ohne Happy End.

22.10.643996 20:35
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Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen.
Josef Hickersberger, österreichischer Nationaltrainer
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