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Ein 0:0 kann langweilig sein - muss es aber nicht. Das Duell zwischen Feira de Santana und CF Flamengo am 7. Spieltag der 1. Liga Brasilien war das beste Beispiel dafür, wie spektakulär Torlosigkeit aussehen kann: 32.000 Zuschauer im Estádio Alberto Oliveira sahen 23 Torschüsse, zwei Gelbe Karten, drei Auswechslungen, unzählige Schweißperlen - und keinen Treffer. Von Beginn an hatte Flamengo das Gaspedal durchgedrückt. Schon in der dritten Minute zwang Klaus Reiter mit einem satten Distanzschuss den Santana-Keeper Vicente de Freitas zu einer Glanzparade. Eine Minute später probierte es Innenverteidiger Nebojsa Rakic - offenbar in der festen Überzeugung, dass Stürmer überbewertet sind. "Wir wollten früh zeigen, dass wir hier Chef im Ring sind", erklärte der 21-jährige Serbe später mit trotzigem Grinsen. Und tatsächlich: Die Gäste aus Rio kombinierten, drückten, flankten - nur das Toreschießen blieb ihnen fremd. Ob Caio Eusebio, der junge Wirbelwind auf der rechten Seite (allein fünf Torschüsse!), oder Julio Hierro, der sich in Minute 33 und 43 als Dauergast im Strafraum versuchte - sie alle scheiterten an der Mauer namens de Freitas. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball auf mich zuflog", lachte der Keeper nach dem Schlusspfiff. "Vielleicht sollte ich mir Handschuhe mit Magneten besorgen." Feira de Santana dagegen spielte den unaufgeregten Gastgeber: 52 Prozent Ballbesitz, viele Querpässe, wenig Risiko. Wenn sie mal nach vorne kamen, dann blitzte etwas auf - etwa als Paulo Bermudez in der 10. Minute einen Schlenzer knapp am Angel vorbeisetzte. Oder als Marco Rocha in der 87. Minute plötzlich allein vor Marcio Vaz auftauchte, aber am glänzend reagierenden Flamengo-Torwart scheiterte. "Ich wollte ihn tunneln", verriet Rocha mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Charme und Selbstironie lag. "Dummerweise hat er das wohl geahnt." In der zweiten Halbzeit drückte Flamengo noch stärker. Trainer Dino Ma gestikulierte an der Seitenlinie, als wolle er seine Spieler per Telekinese ins Tor befördern. "Wir haben alles versucht - Flanken, Schüsse, Gebete", sagte er später seufzend. "Aber wenn der Ball nicht rein will, dann hilft auch kein Yoga." Seine Mannschaft feuerte weiter: Mathias Gulbrandsen prüfte den Keeper in der 59. Minute, Fernando Coelho zog in der 61. ab, ehe er kurz darauf Gelb sah und ersetzt wurde. Dann kam der 19-jährige Domingo Moutinho für Hierro - jung, frech, voller Energie. Drei Torschüsse in 20 Minuten, aber auch er blieb den Beweis schuldig, dass Jugend automatisch Effizienz bedeutet. Feira de Santana dagegen verteidigte mit Leidenschaft und einer Prise Pragmatismus. Trainer Dimas Quaresma (der Spielertrainer, der sich selbst lieber auf der Bank sah) brüllte in der 75. Minute: "Wenn wir das 0:0 halten, ist das wie ein Sieg!" Seine Spieler nahmen das offenbar wörtlich. Statt wilder Konter gab es sicheres Passspiel in der eigenen Hälfte - was das Publikum mit einer Mischung aus Nervosität und Applaus quittierte. Die Statistik sprach am Ende Bände: 18 Torschüsse für Flamengo, nur fünf für Feira, dazu eine Zweikampfquote von 56 Prozent zugunsten der Gäste. Doch was nützen Zahlen, wenn das Netz still bleibt? "Wir hätten noch zwei Stunden weiterspielen können", meinte Flamengos Kapitän Vicente Varela achselzuckend. "Dann hätten wir wahrscheinlich 30 Torschüsse gehabt - und immer noch null Tore." Als Schiedsrichter Correa die Partie abpfiff, sank Dino Ma auf die Trainerbank, während Quaresma seinen Spielern zuraunte: "Männer, das war Defensive Deluxe." Man hatte fast den Eindruck, Santana feiere diesen Punkt wie einen Pokalsieg - und wer wollte es ihnen verdenken? So blieb es bei einer Nullnummer, die eigentlich keine war: voller Tempo, Emotionen und einem Torwart, der zum Helden wurde. Vielleicht war das schönste Zitat des Abends jenes eines anonymen Fans auf der Tribüne: "Wenn 0:0 so aussieht, komm ich gern wieder." Und genau das fasst diesen Abend zusammen - kein Tor, aber jede Menge Geschichte. 30.05.643997 16:01 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum