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37052 Zuschauer im Stadion von Hull sahen am Freitagabend ein Lehrstück darüber, wie man 90 Minuten lang verteidigt - und trotzdem keine Freunde des schönen Spiels gewinnt. Die Hull Tigers und der FC Millwall trennten sich 0:0, ein Ergebnis, das wohl nur einem Team schmeckt: den Gastgebern. Denn wer mit einem einzigen Torschuss durchs Spiel kommt und trotzdem einen Punkt mitnimmt, darf sich getrost als taktischer Minimalist bezeichnen. Von Beginn an war klar, wer hier den Ball wollte - und wer lieber den Gegner laufen ließ. Millwall, trainiert vom passionierten Dauerbrüller Sonny Crocket, dominierte Ball und Raum, während Mathias Oergels Tigers tief in der eigenen Hälfte kauerten, als ginge es um die letzten Konserven im Katastrophenschutzlager. 56 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse, aber kein Tor - Millwall spielte, Hull blockte, grätschte und betete. Bereits in der 16. Minute setzte Christopher Thackeray, der rechte Wirbelwind der Londoner, den ersten Warnschuss ab. Wenig später versuchte sich Daniel Darabont mit jugendlichem Übermut - drüber. Und so ging es weiter: Thackeray, Darabont, Charpentier - alle durften mal. Hulls Torwart Joel Eliot, 22 Jahre jung und mit einer Konzentrationsspanne, die man sonst nur bei Schachspielern findet, pflückte jeden Ball mit stoischer Ruhe herunter. "Ich hatte irgendwann das Gefühl, die schießen nur, damit ich wach bleibe", grinste Eliot nach dem Abpfiff. Millwalls Trainer Crocket sah das naturgemäß anders: "Wir haben Chancen kreiert, aber der Ball wollte einfach nicht rein. Vielleicht war das Tor heute kleiner als sonst." Ein Reporter fragte, ob er den Rasen verantwortlich mache. "Nein", antwortete Crocket trocken, "das wäre unfair - der Rasen war heute unser bester Mann." Die Tigers sahen offensiv lange Zeit aus, als hätten sie das Toreschießen verlernt. Einziger nennenswerter Versuch: Billy Chamberlain in der 67. Minute, aus der Distanz, halb Schuss, halb Stoßgebet - gehalten. Der Rest war viel Kampf, noch mehr Krampf und gelegentlich etwas Gelb: Chamberlain sah seine Verwarnung schon in der 43. Minute, später folgten Hoskins (78.) auf Seiten der Tigers sowie Bloomfield (72.), Marshal (77.) und Satchmore (79.) bei Millwall. Die Statistik der Verwarnungen passte zum Spiel: robust, aber selten elegant. Trainer Oergel zeigte sich nach der Partie zufrieden, wenn auch mit leicht ironischem Unterton. "Wir hatten unseren Plan - und der ging auf. Ich habe den Jungs gesagt: Wenn wir kein Tor schießen, dann bitte wenigstens auch keines kassieren. Und das haben sie wunderbar umgesetzt." Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er hinzufügte: "Vielleicht üben wir nächste Woche das andere Tor." Taktisch blieb Hull über die gesamten 90 Minuten "balanciert", was in diesem Fall bedeutete: defensiv, tief und vorsichtig. Kein Pressing, kein Risiko, viel Geduld. Millwall dagegen startete defensiv ausgerichtet, wurde aber mit zunehmender Spieldauer immer drängender. Gegen Ende der Partie stellte Crocket auf aktives Pressing um - und prompt kam Hull kaum noch über die Mittellinie. Doch selbst diese späte Offensive verpuffte wirkungslos. Die Schüsse von Joseph Lockwood in der 87. und 88. Minute klatschten sinnbildlich an die hullsche Betonwand. Ein besonderes Schmankerl bot die Halbzeitpause: Während Oergel seinen Spielern offenbar eine Meditation über Gelassenheit verordnete, wechselte Crocket gleich doppelt - John Bancroft und Aaron Marshal kamen für die müden Fairchild und Clancy. "Wir wollten frischen Wind bringen", erklärte Crocket, "bekommen haben wir dann eher ein laues Lüftchen." Der Satz brachte sogar seinen Kapitän Thackeray zum Schmunzeln. Für die Zuschauer war es ein Abend der verpassten Gelegenheiten, der zähen Defensivarbeit und der stillen Helden. Torwart Eliot wurde zurecht zum Mann des Spiels gewählt - nicht, weil er spektakulär hielt, sondern weil er sich nicht beirren ließ, als Millwall aus jeder erdenklichen Lage abdrückte. Im Gegensatz dazu musste Millwalls Keeper Ethan Caviness kaum einen Ball anfassen - der eine Schuss von Chamberlain dürfte ihm wie ein Gruß aus einer anderen Welt erschienen sein. Am Ende blieb das Gefühl, dass Millwall hier zwei Punkte liegen ließ und Hull einen gewann. "Ein Punkt ist ein Punkt", meinte Oergel lakonisch, "und manchmal ist das schon mehr, als man verdient." Crocket hingegen stapfte wortlos vom Platz, die Hände tief in den Taschen, als suchte er dort nach dem verlorenen Sieg. Fazit: Millwall war klar besser, Hull war cleverer - und das Publikum erlebte ein 0:0, das so lautlos endete, wie es begonnen hatte. Nur der Torwart von Hull dürfte heute Nacht ruhig schlafen. Seine Kollegen dagegen träumen wohl noch von Darabonts Schüssen, die alle das gleiche Ziel hatten - nur leider nie trafen. 23.01.643997 09:45 |
Sprücheklopfer
Wir sind nur Underducks.
Rainer Calmund