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Ein 0:0 kann vieles sein: langweilig, taktisch geprägt, nervenaufreibend oder schlicht eine verpasste Gelegenheit. Die 1779 Zuschauer in Esens am Samstagabend bekamen ein bisschen von allem. TuS Esens und der SV Wilhelmshaven trennten sich torlos, aber nicht tatenlos - es war ein Spiel voller Einsatz, Emotionen und, wie man so schön sagt, vergeblicher Liebesmüh. Schon in der ersten Minute donnerte Herbert Jung den Ball Richtung Gästetor, als wolle er die Flutlichtanlage prüfen. Die Wilhelmshavener Abwehr sah sich da noch beim Einlaufen, und Keeper Luis Hummel musste gleich zeigen, dass er nicht zum Kaffeetrinken angereist war. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber da kam der Jung wie aus dem Nichts", grinste Hummel nach dem Abpfiff. TuS-Trainer Henry Bergheim hatte seine Mannschaft auf Konter eingestellt - langes Passspiel, hohe Aggressivität, aber kein Pressing. Entsprechend sah man viele lange Bälle in Richtung der Flügel, wo Swen Becker und Herbert Jung ihre Kilometer abspulten. Wilhelmshaven dagegen kontrollierter: mehr Ballbesitz (54,6 Prozent), ruhiger Aufbau, aber kaum zwingendere Aktionen. Nach einer Viertelstunde war klar: Das wird kein Spiel für Feinschmecker, sondern für Freunde des rustikalen Rasensports. Schon in Minute fünf kassierte Esens-Verteidiger Venediktos Karras Gelb, weil er meinte, der Ball und der Gegner seien eine Einheit. Später, in der Nachspielzeit, sollte genau dieser Eifer zum Verhängnis werden: Gelb-Rot, Feierabend. "Ich hab nur den Ball getroffen - also fast", verteidigte sich Karras mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Schuldbewusstsein und Stolz lag. In der 19. Minute prüfte Wilhelmshavens Luka Kern den Esenser Keeper Daniel Langer mit einem satten Flachschuss. Langer, 34, reagierte wie ein Mann, der schon alles gesehen hat - kurz gezuckt, sicher gehalten, und dann mit einem Kopfnicken Richtung Abwehr: "Jungs, sowas bitte nicht öfter." Es war bezeichnend für das Spiel: Die Defensive stand, das Offensivspiel blieb Stückwerk. Zur Pause herrschte gemischte Stimmung. Die Bratwurst gut, das Ergebnis mäßig. "Da geht noch was", raunte ein älterer Herr auf der Tribüne, "aber wahrscheinlich nicht viel." Wie recht er behalten sollte. Nach dem Seitenwechsel blieben beide Teams bemüht. Swen Becker hatte in der 50. und 55. Minute gleich zwei ordentliche Chancen - beide Male fehlten Zentimeter oder das Glück, das bekanntlich nur trifft, wer aufs Tor schießt. Wilhelmshaven antwortete prompt, Patrick Schmid legte sich den Ball in Minute 46 zurecht, hämmerte - und fand in Langer seinen persönlichen Albtraum. "Wenn wir den machen, kippt das Spiel", meinte Wilhelmshavens Offensivmann Heinz Maurer später. "Aber heute war irgendwie der Wurm drin. Oder der Torwart zu gut." Die Statistik lügt nicht: 11 Torschüsse Esens, 9 Wilhelmshaven, ausgeglichene Zweikampfquote, kein Team mit dem entscheidenden Punch. Es war, als hätten beide Seiten einen stillen Nichtangriffspakt geschlossen - nur um ihn dann doch mit beherzten, aber erfolglosen Aktionen zu brechen. In der 78. Minute dann kurz Aufregung: Wilhelmshavens Otto Jahn sah Gelb, nachdem er Becker an der Seitenlinie ummähte, als wolle er den Rasen mitplanieren. Schiedsrichterin Anja Scholz blieb souverän, zeigte Fingerspitzengefühl und ließ das Spiel trotz hitziger Stimmen weiterlaufen. Die letzten Minuten wurden zum offenen Schlagabtausch - oder besser gesagt, zu einem Versuch davon. Becker feuerte in der 83. Minute noch einmal aus der Distanz, Hummel lenkte den Ball über die Latte. Danach war mehr Emotion als Präzision auf dem Platz, bis Karras in der 93. Minute endgültig zu viel Herzblut zeigte und mit Gelb-Rot vom Feld stapfte. "Er wollte halt noch ein Zeichen setzen", kommentierte Coach Bergheim trocken. Nach 94 Minuten pfiff Scholz ab. 0:0 - aber keiner ging unzufrieden nach Hause. "Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Bergheim, "wir haben gekämpft, gebrannt und immerhin nichts verloren." Sein Gegenüber aus Wilhelmshaven nickte zustimmend: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und immerhin hat keiner den Ball in die Nordsee geschossen." So endete ein Abend, der kein Feuerwerk bot, aber ehrlichen Fußball - mit Kratzspuren, Schweiß und einem Hauch von Ironie. Manchmal reicht das, um 1779 Menschen zufrieden in die Nacht zu schicken. Und wer weiß: Vielleicht ist ein 0:0 ja die lauteste Art zu sagen - wir leben noch. 13.06.644000 12:07 |
Sprücheklopfer
Die Vögel haben noch nicht gezwitschert, als ich gegangen bin.
Mario Basler nach einer Geburtstagfeier von Didi Hamann, die er erst um 3.00 Uhr früh verließ