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Wenn ein Fußballspiel 0:0 endet, ist das meist kein Grund für Begeisterungsstürme. Doch das, was sich am Freitagabend im kleinen Stade du Pays de Couillet abspielte, war immerhin das, was man unter einem "unterhaltsamen Remis" verbuchen kann - jedenfalls, wenn man es mit den Hausherren von RACS Couillet hält. KVV Turnhout dagegen dürfte sich noch Tage lang fragen, wie man 18 Torschüsse abgeben kann, ohne dass einer davon den Weg ins Netz findet. 4.500 Zuschauer hatten sich zum 2. Spieltag der 3. Liga Belgien eingefunden, viele mit einer Tüte Pommes in der Hand und der Hoffnung auf ein Torfestival. Stattdessen bekamen sie ein taktisch diszipliniertes, aber torloses Duell serviert - die eine Mannschaft bissig verteidigend, die andere verzweifelt an ihrer eigenen Abschlussschwäche. Schon nach zwei Minuten hätte Couillet die Begegnung in eine andere Richtung lenken können: Sergej Semjonow, der bullige Linksaußen, hämmerte den Ball aus 20 Metern aufs Tor - doch Turnhout-Keeper Hugo Tortosa lenkte die Kugel spektakulär über die Latte. Das Publikum raunte, die Hoffnung war da. Danach allerdings übernahmen die Gäste. Turnhout spielte, Couillet lief - und zwar viel. Daan Schaelles eröffnete den Reigen der vergebenen Chancen in der 12. Minute, als er nach einem feinen Zuspiel von Niels Van Kerckhove nur den Pfosten traf. "Wenn der Ball heute ein bisschen kleiner gewesen wäre, hätten wir wohl gewonnen", witzelte Schaelles später in der Mixed Zone. Sein Trainer hingegen hatte weniger Humor: "Wir haben sauber kombiniert, aber der letzte Pass, der letzte Gedanke - alles zu kompliziert", knurrte er. Zwischen der 25. und 45. Minute rollte Angriff auf Angriff auf das Tor von Igor Magnani. Der 22-jährige Couillet-Keeper wuchs über sich hinaus, fischte einen Schuss nach dem anderen aus dem Winkel und feuerte seine Vorderleute immer wieder an: "Kommt schon, Jungs, ich kann das nicht ewig machen!" - ob er es wirklich rief, bleibt unklar, aber seine Gestik sprach Bände. Mit einem Ballbesitz von 56 Prozent und einer Zweikampfquote von knapp 56 Prozent dominierten die Gäste statistisch alles - außer eben die wichtigste Kategorie. Couillet beschränkte sich auf das, was man in Belgien wohl "kontrollierte Panik" nennt: hinten dicht, vorne hoffen. Ruben Santoy versuchte es in der 18. und 68. Minute mit beherzten Schüssen, doch auch er fand seinen Meister in Tortosa. Nach der Pause dasselbe Bild. Turnhout kombinierte, Couillet verteidigte. In der 60. Minute hatte erneut Schaelles die Führung auf dem Fuß, doch Magnani reagierte blitzschnell. "Ich habe einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass es mich trifft", grinste der Keeper später. Die Fans feierten ihn wie einen Helden - und er genoss es sichtlich. Ab der 75. Minute wurde es dann fast slapstickhaft. Erst jagte Van der Elst den Ball in die Wolken, dann traf Lisabeth in der 83. Minute erneut nur die Arme des überragenden Torwarts. Als der Schlusspfiff ertönte, standen 18 Torschüsse für Turnhout zu Buche - und null Tore. Couillet verzeichnete deren vier, was immerhin für den Eindruck reichte, man sei jederzeit gefährlich gewesen. Trainer von RACS Couillet, ein Mann, der offenbar den Pragmatismus erfunden hat, brachte es auf den Punkt: "Ein Punkt ist ein Punkt. Wir haben nicht schön gespielt, aber schön ist ja auch relativ." Und tatsächlich: Für ein Team, das 43 Prozent Ballbesitz hatte und kaum über die Mittellinie kam, fühlte sich dieses 0:0 fast wie ein Sieg an. Im Gästeblock hingegen herrschte betretenes Schweigen. "Wir hätten noch drei Stunden spielen können, da wäre nichts reingegangen", murmelte Van Kerckhove, während er seine Trinkflasche auf den Boden warf. So blieb es bei einem torlosen, aber keineswegs ereignislosen Abend in Couillet - einem dieser Spiele, bei denen man sich fragt, wie Fußball gleichzeitig so frustrierend und so faszinierend sein kann. Und während die Zuschauer mit einem Achselzucken das Stadion verließen, schien einer ganz besonders zufrieden: Igor Magnani, der Mann des Abends, der den Gästen mit seinen Paraden den letzten Nerv raubte. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Kein Tor, aber wenigstens ein Herzinfarkt weniger." Manchmal ist das ja auch was wert. 12.04.643997 17:07 |
Sprücheklopfer
Das interessiert mich wie eine geplatzte Currywurst im ostfriesischen Wattenmeer.
Dieter Eilts