Noticiero VeneVision
+++ Sportzeitung für Venezuela +++

Nullnummer mit Drama: Tachira beißt sich an Larense die Zähne aus

Ein torloses Unentschieden kann vieles sein - langweilig, gerecht, oder wie im Falle von UD Tachira gegen Guaro Larense: ein kurioses Schauspiel zwischen jugendlichem Übermut, vergebener Chancenflut und einer roten Karte, die das halbe Stadion zum kollektiven Keuchen brachte. 50.308 Zuschauer im Estadio Pueblo Nuevo sahen am Freitagabend einen 0:0-Auftakt, der alles hatte - außer eben Tore.

Von Beginn an legten die Gastgeber los, als gäbe es eine Prämie pro Torschuss. Bailey Hennessy, der 23-jährige Mittelstürmer der Gelb-Schwarzen, prüfte den gegnerischen Keeper Bernardo Teixeira gleich dreimal in den ersten zwanzig Minuten. Doch der junge Larense-Schlussmann hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend unbezwingbar zu sein. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball auf mich zuflog", grinste Teixeira nach Abpfiff - und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Henning Gran und Ricardo Lope flankten, dribbelten, schossen - manchmal in Richtung Tor, manchmal auch in Richtung Tribüne. Trainer Peter Silie stand bereits in der 30. Minute mit ausgebreiteten Armen an der Seitenlinie und rief: "Jungs, das ist kein Rugby!" - ein Satz, der es vermutlich in die nächste Kabinenwandgravur schaffen wird.

Dann der erste Schreckmoment: In der 36. Minute blieb der junge Mittelfeldmann Agemar Pinto nach einem Zweikampf liegen - Diagnose: Zerrung, Spielende. "Er hat sich wohl mehr über die Grasnarbe als über den Gegner geärgert", meinte Silie trocken. Emil Musiala kam für ihn und brachte frischen Wind, doch auch er fand keine Lücke in der dicht gestaffelten Defensive der Gäste.

Zur Halbzeit rauften sich die Heimfans die Haare. 10:3 Torschüsse für Tachira, 48 Prozent Ballbesitz, aber kein Treffer. Guaro Larense spielte das, was man in Venezuela wohl als taktische Zen-Meditation bezeichnen würde: ruhig, kontrolliert, und ohne jede Lust auf Risiko. "Wir wollten das Spiel beruhigen", erklärte Gästecoach Jan Ost später. "Und ehrlich gesagt: Es hat funktioniert."

Nach dem Seitenwechsel ging’s weiter im gleichen Stil. Tachira drückte, Larense verteidigte. Hennessy schoss in der 46. Minute erneut - vorbei. Jaime Sancho versuchte es in der 50. und 56. Minute - wieder kein Glück. Der Ballbesitz blieb nahezu ausgeglichen (48,7 zu 51,2 Prozent), doch die Statistik erzählte nur die halbe Wahrheit: Tachira wollte, Larense wartete.

Dann, in der 80. Minute, der Moment, der das Spiel endgültig überschattete: Waldemar Anton, gerade einmal 18, sah nach einem rustikalen Einsteigen die Rote Karte. Der Schiedsrichter zückte sie ohne Zögern - und Anton stand da mit dem Ausdruck eines Schülers, der gerade erfahren hat, dass die Klassenfahrt gestrichen ist. "Ich hab den Ball gespielt", beteuerte er später. "Nur dass der Ball zufällig die Beine von Barros trug."

In Unterzahl verteidigte Tachira mit Herz und Hektik. Larense witterte plötzlich die Chance auf den Lucky Punch - Guillermo Assis zog in der 70. Minute zweimal gefährlich ab, doch auch er scheiterte an Keeper Marcio Hernan. Auf der anderen Seite rannte Hennessy bis zur 89. Minute, als wolle er mit purer Willenskraft ein Loch ins Tornetz brennen. Der letzte Schuss kam von Ricardo Lope - und landete, sinnbildlich für den Abend, in den Armen des Torwarts.

Nach dem Abpfiff wirkte Trainer Silie erstaunlich gefasst: "Wenn man 15 Mal aufs Tor schießt und keiner rein will, dann war’s wohl einfach nicht unser Tag. Oder der Ball hatte andere Pläne." Sein Gegenüber Ost blieb nüchtern: "Ein Punkt ist ein Punkt. Und wir sind noch ungeschlagen."

Die Fans pfiffen, lachten, klatschten - irgendwie alles gleichzeitig. Vielleicht, weil sie wussten: So ein 0:0 wird man nicht so schnell vergessen. Es war kein Spektakel im klassischen Sinne, aber ein Abend voller kleiner Geschichten - von Youngster Pinto über den fliegenden Teixeira bis zum tragischen Helden Anton.

Am Ende blieb nur die Erkenntnis: Fußball ist manchmal wie ein Roman ohne Ende - spannend, emotional, aber das letzte Kapitel fehlt. Und UD Tachira wird sich fragen müssen, wie man aus 15 Torschüssen keinen einzigen Treffer zaubert. Vielleicht hilft ja ein Blick auf die Horoskope oder einfach ein bisschen Zielwasser im nächsten Training.

Eines ist sicher: Wenn sie so weiterspielen, wird der erste Sieg nicht lange auf sich warten lassen - aber bitte ohne rote Karte, ohne Zerrung und mit etwas mehr Fortune im Abschluss. Und falls nicht, hat Trainer Silie schon einen Plan B: "Dann spielen wir eben bis Mitternacht - irgendwann muss der Ball ja mal rein."

11.08.644000 15:31
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