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Wer behauptet, ein 0:0 sei langweilig, war am Montagabend offensichtlich nicht im Old Trafford. 52.910 Zuschauer sahen, wie die Manchester Devils und der FC Millwall ein torloses, aber keineswegs ereignisloses Feuerwerk der vergebenen Chancen abbrannten. "Wenn das ein Nullspiel war, dann war’s wenigstens ein lautes", grinste Devils-Trainer Ronnie Ekström nach dem Abpfiff - halb erleichtert, halb entnervt. Schon in den ersten Minuten wurde klar: Millwall war nicht zum Sightseeing gekommen. Joseph Lockwood prüfte Devils-Keeper Amram Hanegbi nach nur 60 Sekunden erstmals - und das so scharf, dass die Tribüne kurz kollektiv nach Luft schnappte. Daniel Darabont legte nach, zweimal innerhalb von vier Minuten, als wolle er demonstrieren, dass man auch ohne Ballbesitz (Millwall kam auf satte 60 Prozent) munter aufs Tor schießen kann. Doch Manchester antwortete - mit Wucht und einem Hauch Chaos. Innenverteidiger Timofej Tertyschny, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, versuchte sich gleich zweimal (7. und 12. Minute) als Torjäger. "Ich dachte, ich probier’s mal, bevor die Stürmer wieder alles daneben setzen", witzelte er später. Jean-Pierre Bettencourt und Asen Christow sorgten auf den Flügeln für Wirbel, aber die Präzision fehlte. "Wir haben so oft geschossen, dass ich den Ball irgendwann siezen wollte", knurrte Bettencourt. 18 Torschüsse zählte die Statistik am Ende für die Devils, 11 für Millwall - und dennoch kein einziger Treffer. Die erste Halbzeit endete, wie sie begonnen hatte: mit Chancen im Minutentakt, aber ohne Konsequenz. Millwalls Trainer Sonny Crocket, in seinem weißen Mantel eine Art retro-cooler Kontrast zur brodelnden Bank, blieb stoisch: "Wir wollten kompakt stehen, und das haben wir getan. Dass meine Jungs dabei ständig aufs Tor ballern, war nicht Teil des Plans, aber ich beschwere mich nicht." Nach der Pause änderte sich wenig - außer, dass die Devils jetzt mit offenem Visier stürmten. Logan Nolan hatte zwischen der 49. und 75. Minute gleich vier Riesenchancen, doch Millwalls junger Keeper Ethan Caviness wuchs über sich hinaus. Die Paraden des 24-Jährigen wurden zum Sinnbild des Abends: akrobatisch, unerschütterlich, fast schon übermenschlich. "Ich wollte einfach nicht, dass Mika Kuqi heute jubelt. Der Typ grinst immer so breit", erklärte Caviness später schmunzelnd. Kuqi selbst nahm’s mit Humor: "Ich hab alles versucht - links, rechts, geradeaus. Vielleicht sollte ich mal rückwärts schießen." In der 67. Minute brachte Ekström frischen Schwung: Jamie Kirwan kam für den müde gelaufenen Manuel Pastorino. Eine Minute später folgte Rafet Kisa für den ebenfalls erschöpften Christow. Kisa, bekannt für seine Sprintqualitäten, brachte noch einmal Tempo ins Spiel, jagte in der 87. Minute den Ball aber aus fünf Metern über das Tor - sinnbildlich für den Abend der Devils. Millwall blieb giftig in den Kontern, besonders Darabont, der gefühlt in jeder zweiten Szene auftauchte. Doch auch er scheiterte, meistens an Hanegbi oder am eigenen Mut. In der 92. Minute dann der letzte Aufreger: Millwalls Rechtsverteidiger Bradley Crichton sah Gelb, nachdem er Nolan an der Seitenlinie unsanft in die Werbebande geschoben hatte. "Ich wollte nur den Ball treffen", beteuerte er, "aber der Ball war schneller." Als Schiedsrichter Atkinson kurz darauf abpfiff, standen alle elf Devils im gegnerischen Strafraum - und alle elf Millwaller davor. Die Zuschauer applaudierten, manche lachten, manche fluchten, aber niemand ging enttäuscht nach Hause. Statistisch gesehen war Millwall das kontrolliertere Team: mehr Ballbesitz, weniger Chaos, aber auch weniger Risiko. Manchester dagegen rannte, kämpfte, presste - besonders in der Schlussphase mit "vollem Einsatz", wie Coach Ekström betonte. "Wenn wir so weiterspielen, trifft irgendwann auch mal einer", sagte er trocken. Millwalls Sonny Crocket konterte charmant: "Ich nehme den Punkt und meine Frisur mit. Beides sitzt noch." Fazit: Ein torloses Duell, das eher an ein Actiondrama als an ein Schachspiel erinnerte. Zwei Mannschaften, die sich nichts schenkten, aber dem Tor zu freundlich gesinnt blieben. Und ein Publikum, das trotz Nullnummer bestens unterhalten wurde. Oder wie ein älterer Fan beim Rausgehen murmelte: "Kein Tor, aber zehn Herzinfarkte - das ist doch auch was." 08.12.643996 07:20 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat