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Nullnummer mit Leidenschaft: Waterford Reds und Gela trennen sich 0:0

Es war ein Abend für Taktikliebhaber, Statistikfreunde - und alle, die Spaß an gepflegter Torlosigkeit haben. Die Waterford Reds und Gela trennten sich im Champions-League-Gruppenspiel am 3. Spieltag mit einem braven 0:0, das allerdings mehr Pfeffer hatte, als das Ergebnis vermuten lässt. 43.500 Zuschauer sahen im Waterford-Stadion 21 Torschüsse, zwei Gelbe Karten, drei Auswechslungen und reichlich vergebene Chancen - kurz: ein Spiel, das man noch am Heimweg mit einem Schulterzucken kommentierte: "Kann man so machen."

Schon in der dritten Minute legte Billy Baker los, als wolle er das Spiel im Alleingang entscheiden. Sein Schuss aus spitzem Winkel landete irgendwo zwischen Torwarthandschuh und Werbebande. "Ich hab’s gesehen und gedacht: Der geht rein", erzählte Trainer Costa Brava nach dem Spiel mit einem Grinsen. "Dann ist mir eingefallen: Das ist Billy - der braucht erst fünf Versuche zum Warmwerden." Brava lag nicht ganz falsch: Baker schoss im Verlauf des Spiels noch sechs weitere Male aufs Tor, alle Male ohne Happy End.

Gela, trainiert von Michael Müller, begann verhalten. Erst ab Minute 18 meldeten sich die Gäste mit zwei Distanzschüssen von Javier Vazques und Charlie Smith, die Waterfords Keeper Archie Miller elegant entschärfte. Müller kommentierte das nach dem Spiel trocken: "Wir wollten den Ball zuerst mal kennenlernen, bevor wir ihn Richtung Tor schicken."

Das Mittelfeld war ein wahres Schlachtfeld der Geduld. Mirko Conte, Waterfords zentraler Antreiber, verteilte die Bälle mit der Präzision eines Uhrmachers - bis er in der 65. Minute Gelb sah, nachdem er Gela-Kapitän Smith ein taktisches Bein stellte. "Ich wollte nur kurz Hallo sagen", erklärte Conte später mit einem Zwinkern. Zwei Minuten später nahm ihn Brava vom Platz und brachte Charles Seton, der prompt die Ordnung im Zentrum wiederherstellte.

Gela reagierte auf seine Weise. Müller wechselte in der 56. Minute Filipe Semedo für den angeschlagenen Jeno Lisztes ein - eine Maßnahme, die die linke Seite stabilisierte, aber offensiv kaum Wirkung zeigte. Später, in der 70. Minute, durfte der junge Niels Wegener für den müden Smith ran. "Ich hab ihm gesagt, er soll sich austoben", meinte Müller. "Er hat’s wörtlich genommen - drei Fouls in zehn Minuten."

Zumindest kämpferisch war es eine Partie auf Augenhöhe. Waterford hatte mit 14 Torschüssen doppelt so viele Abschlüsse wie Gela, dafür aber minimal weniger Ballbesitz (48,8 zu 51,2 Prozent). Statistisch also ein Paradebeispiel für das, was Kommentatoren gern "ein ausgeglichenes Spiel" nennen, wenn sie eigentlich "nichts passiert" meinen.

In der Schlussphase wurde es dann doch noch hektisch. Zwischen der 80. und 89. Minute prüften die Reds noch dreimal Gelas Torhüter Pattrick Gabriel - unter anderem durch den unermüdlichen Baker, der in der 89. Minute aus 12 Metern abzog. Gabriel riss die Fäuste hoch, der Ball prallte ab, und das Stadion stöhnte kollektiv auf. "Ich dachte schon, der Ball will heute einfach nicht", sagte Waterfords junger Linksaußen Alfie Kelly, der selbst in der 82. Minute knapp am Pfosten vorbeizog.

Auch Gela hatte in der 81. ein letztes Aufbäumen: Lucas Cochran zog nach schöner Vorarbeit von Vazques ab, doch Miller im Tor der Reds war wieder zur Stelle. "Ich mag Nullnummern", witzelte der Keeper später. "Da kann man wenigstens behaupten, man war fehlerfrei."

Am Ende blieb es beim 0:0, einem Resultat, das beide Trainer mit leicht unterschiedlichen Gefühlslagen quittierten. Costa Brava meinte: "Wir haben gezeigt, dass wir vorne gefährlich sein können - theoretisch zumindest." Michael Müller sah’s pragmatischer: "Auswärts einen Punkt, kein Gegentor, zwei Gelbe - das ist in der Champions League fast schon Poesie."

Für die Fans war’s ein Abend mit allem, was dazugehört: Spannung ohne Belohnung, Körpereinsatz ohne Eskalation, und ein Billy Baker, der sich für sein Engagement wohl einen eigenen Fanclub der "Fast-Torschützen" verdient hat.

Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen in seinen Schal murmelte: "War gar nicht so schlecht - nur ohne Tore halt."

Ein Satz, der dieses Spiel wohl besser zusammenfasst als jede Statistik.

07.03.643994 01:48
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