Gazeta Sportowy
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Nullnummer mit Stil - BKS Gdansk und GKS Tychy trennen sich 0:0

Ein Sommerabend an der Ostsee, 34.926 Zuschauer im Stadion von Gdansk und ein Spiel, das alles hatte - außer Toren. BKS Gdansk und GKS Tychy lieferten sich am 8. Spieltag der 1. Liga Polen ein Duell, das die Statistikfreunde glücklich machte, aber die Fans mit einem ratlosen "Wie ging das denn bitte nicht rein?" nach Hause schickte.

Von Beginn an war klar: Hier wollte keiner nur verwalten. Schon nach fünf Minuten prüfte der junge Wladimir Jelen von der linken Seite die Reaktionsfähigkeit des Tychy-Keepers Sebastian Ratajczyk. Der flog so spektakulär, dass man ihm am liebsten Noten vergeben hätte - 9,5 in der B-Note, aber das Ergebnis blieb 0:0. "Ich hab den Ball kommen sehen und dachte: den erwisch ich doch nie - aber irgendwie klebte er an meiner Hand", grinste Ratajczyk nach Abpfiff.

GKS Tychy antwortete umgehend. Jesse Leweling, der quirlige Linksaußen, prüfte in der 9. Minute den Gdansk-Keeper Logan Poe. Der wiederum entschied sich für eine artistische Parade im Stil einer Möwe, die über die Mole segelt - schön anzusehen, aber ohne Folgen für den Spielstand.

Die erste Halbzeit war ein munteres Hin und Her. Marcel Bak (10.) und Jacek Majewski (12.) verfehlten das Tor knapp, auf der anderen Seite wirbelten Leweling, Brandon Prentiss und der junge Leon Goretzka (39.) durch die Abwehrreihen. Doch wo andere Netze zappeln lassen, sah man hier höchstens das Tornetz leicht im Wind wippen.

Trainer Mike Matt von BKS Gdansk gestikulierte unermüdlich an der Seitenlinie, als wolle er selbst eingewechselt werden. "Wir haben alles versucht, nur das Runde wollte nicht ins Eckige. Vielleicht war’s einfach ein ästhetischer Protest gegen den Torjubel", sagte er später mit einem Augenzwinkern.

Tychy-Coach Christian Reuss analysierte etwas nüchterner: "13 Torschüsse, kein Treffer - das ist Effizienz auf nordpolnischem Niveau." Immerhin: Seine Mannschaft zeigte eine stabile Struktur, 49 Prozent Ballbesitz und eine leicht bessere Zweikampfquote (51,6 Prozent).

Nach der Pause blieb das Muster gleich: viel Einsatz, wenig Ertrag. Der Schiedsrichter notierte drei Gelbe Karten für die Gäste - John Ross (49.), Domenik Szamotulski (54.) und Heinrich DeBrosse (68.) - was darauf hindeutete, dass Tychy zwar fair, aber nicht zimperlich zu Werke ging. "Ja, ich war ein bisschen spät dran", gab Ross schmunzelnd zu, "aber der Ball war einfach zu schön, um ihn den anderen zu überlassen."

In der 60. Minute reagierte Matt und brachte frische Kräfte: der 18-jährige Jerzy Klose kam für Majewski, Severin Kosowski ersetzte den müden Wladimir Jelen. Vom Namen her klang Klose nach Toren - vom Spiel her blieb er beim Familiennamen, aber ohne die Torquote. Dennoch sorgte er für frischen Wind: zwei gefährliche Abschlüsse (79. und 83. Minute) zwangen Ratajczyk zu Glanzparaden.

Auch Reuss wechselte fleißig: DeBrosse, Niculescu und der junge Bartilomiej Piechniczek kamen in die Partie. Letzterer hatte gleich drei gute Szenen (73., 82., 86.), die allesamt am glänzend aufgelegten Logan Poe scheiterten. Der Torwart von Gdansk wurde letztendlich zum stillen Helden des Abends. "Ich hatte irgendwann das Gefühl, die Tychy-Spieler wollten mich einfach testen - wie viele Schüsse erträgt ein Mensch?", lachte Poe nach dem Spiel.

Taktisch blieb alles in der Waage - beide Teams agierten im ausgewogenen System, kein extremes Pressing, kein blindes Anrennen. Gdansk spielte mit aggressiverer Note, Tychy kontrollierter, aber der Unterschied war so minimal wie der Abstand zwischen Ball und Torlinie bei Prentiss’ Versuch in der 66. Minute.

Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierte das Publikum trotzdem. Vielleicht, weil man das Gefühl hatte, ein Spiel gesehen zu haben, in dem sich beide Mannschaften gegenseitig neutralisierten - auf hohem Niveau, aber ohne den entscheidenden Stich.

"Ein 0:0 mit Charakter", nannte es Coach Matt. Reuss hingegen meinte trocken: "Wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald eine Torversicherung."

Und so ging ein torloser Abend zu Ende, der doch reich war an Geschichten: an Paraden, Chancen, Gelben Karten und ehrlichem Einsatz. Kein Spektakel für die Highlight-Clips, aber ein Beweis, dass Fußball manchmal auch ohne Tore spannend sein kann - zumindest, wenn man ihn mit einer Prise Selbstironie betrachtet.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen treffend sagte: "Na gut, wenigstens war das Bier kalt."

18.01.644003 10:24
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