Tuttosport
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Nullnummer mit Stil - Como schießt, Cuoio Cappiano hält dicht

Ein Abend am Comer See, Flutlicht, 31.318 Zuschauer, und die 2. Liga Italiens präsentiert ein Paradebeispiel dafür, dass Fußball auch ohne Tore unterhaltsam sein kann - sofern man Sarkasmus als Unterhaltungsform begreift. Como und Cuoio Cappiano trennten sich 0:0, doch das Ergebnis erzählt nur die halbe Wahrheit: die Gastgeber schossen, schossen - und schossen noch ein bisschen mehr. 17 Mal auf das Tor, um genau zu sein. Die Gäste? Kein einziger Versuch. Nicht einer. Kein Scherz.

Schon nach drei Minuten ließ Innenverteidiger Sebastien Marley den ersten Warnschuss vom Stapel. Trainer Peter Hess rieb sich die Hände, als wollte er sagen: "Wenn sogar der Innenverteidiger anfängt zu ballern, kann das ja nur gut werden." Doch Cuoio Cappianos Keeper Finn Kraft hatte einen jener Abende, an denen Torhüter plötzlich wie aus Gummi und Stahl zugleich zu bestehen scheinen. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", grinste Kraft nach dem Spiel, "aber ich glaube, ich hatte mehr Ballkontakte als unser Mittelstürmer."

Karel Plisek, der rechte Flügelstürmer Comos, war der unglücklichste Held des Abends. Fünf seiner Schüsse fanden den Weg aufs Tor - keiner hinein. Einmal rauschte der Ball so knapp vorbei, dass selbst der Linienrichter für einen Moment den Atem anhielt. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", gab Plisek später zu, "aber vielleicht war das nur der Wind, der mich veräppelt hat."

Cuoio Cappiano hingegen zeigte, dass man auch mit 46 Prozent Ballbesitz und null Torschüssen einen Punkt holen kann. Eine defensive Lehrstunde im Überleben. Die Mannschaft stand tief, so tief, dass man im Stadion kurz überlegte, ob sie vielleicht den Bus mit aufs Spielfeld genommen hatten. Ihr Trainer, der sich nach dem Spiel hinter einem Espresso versteckte, kommentierte trocken: "Wir wollten das Spiel kontrollieren - ohne Ball."

Como dominierte, kontrollierte, kombinierte - und verzweifelte. Jörn Bendtsen und Esteban Ibano zogen im Mittelfeld die Fäden, während Alfred Sztani von der linken Seite gefährliche Flanken schlug. In der 20. Minute zirkelte er einen Ball aufs lange Eck, doch Kraft fischte das Ding mit einem Hechtsprung, der wohl in jedem Torwart-Lehrbuch ein eigenes Kapitel verdient hätte.

Kurz vor der Halbzeit tobte das Publikum, als Plisek erneut abzog - diesmal aus 18 Metern. Wieder Kraft. Wieder nichts. Trainer Hess, der ohnehin selten ruhig sitzt, sprang auf und brüllte: "Das war der 37. Versuch!", nur um dann vom vierten Offiziellen belehrt zu werden, dass es erst der achte war.

Die zweite Hälfte begann, wie die erste aufgehört hatte: Como im Vorwärtsgang, Cuoio Cappiano im Belagerungszustand. Ivan Jertec prüfte Kraft zweimal (49. und 59. Minute), Bendtsen zog aus der Distanz ab (63. und 83.), und als der junge Gianfranco Fuscaldo in der 89. Minute eingewechselt wurde, schien der Fußballgott kurz ein Einsehen zu haben - doch auch sein Versuch prallte an Krafts Schulter ab.

Währenddessen erlebte Como-Torhüter Daniel Brady einen der ruhigsten Abende seiner Karriere. "Ich hätte fast ein Buch gelesen", witzelte er nach Abpfiff, "aber ich wollte die Konzentration nicht verlieren." Seine Handschuhe sahen nach 90 Minuten noch aus wie frisch aus der Verpackung.

Taktisch blieb Como bis zum Schluss offensiv - in der letzten Phase gar mit langer-Ball-Philosophie, die eher an englischen Novemberregen als an italienische Eleganz erinnerte. Cuoio Cappiano hingegen blieb unbeirrt auf "Offensive" eingestellt, zumindest auf dem Papier. Auf dem Rasen allerdings sah man davon so wenig wie Schnee im August.

Trainer Hess versuchte nach Abpfiff Optimismus zu verbreiten: "Wenn man 17 Mal aufs Tor schießt, ist das ja eigentlich gut. Nur das mit dem Treffen müssen wir noch üben." Sein Gegenüber nickte höflich und fügte hinzu: "Manchmal ist kein Tor auch ein Tor - für die Moral."

Ein 0:0 also, das in den Statistiken klar Comos Überlegenheit dokumentiert: 53 Prozent Ballbesitz, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 17 Torschüsse - aber null Tore. Und Cuoio Cappiano? 0 Torschüsse, 1 Punkt, 100 Prozent Effizienz.

"Das war wie ein Date, bei dem alles perfekt läuft - bis man merkt, dass man vergessen hat, den Namen zu fragen", fasste ein Fan beim Verlassen des Stadions zusammen. Treffender kann man dieses Spiel kaum beschreiben.

Und so bleibt Como mit einem bittersüßen Gefühl zurück: ungeschlagen, aber unbefriedigt. Vielleicht tröstet der Blick auf den See - der hat wenigstens Tiefgang.

08.12.643996 02:00
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