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Nullnummer mit Stil - Zürich beißt sich an Fribourg die Zähne aus

Ein lauer Maiabend, 28 271 Zuschauer im Letzigrund, Flutlicht, Fahnen, Vorfreude - und am Ende? Eine Nullnummer. Rot-Weiss Zürich und der SV Fribourg trennten sich 0:0, und doch war es eines dieser Spiele, bei denen man sich am Ende fragt, wie zum Henker eigentlich kein Tor gefallen ist.

Rot-Weiss-Trainer Ha Luncke fasste es nach Abpfiff trocken zusammen: "Wir hätten heute noch zwei Stunden spielen können - der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen." Ein Satz, der ebenso resigniert wie wahr klang, denn seine Mannschaft rannte, spielte, schoss - und scheiterte wieder und wieder. Ganze elf Torschüsse verzeichneten die Zürcher, doppelt so viele wie die Gäste. Doch Fribourg-Keeper Caio Semedo hatte offenbar beschlossen, an diesem Samstagabend unüberwindbar zu bleiben.

Schon in der 13. Minute zischte der Ball erstmals gefährlich durch den Fribourger Strafraum, als Nael Ramiro aus spitzem Winkel draufhielt. Semedo streckte sich, kratzte das Leder aus dem kurzen Eck und brüllte etwas, das klang wie ein portugiesisches Gebet oder ein Fluch - vielleicht beides. Drei Minuten später antwortete Fribourg durch Sedat Kas, dessen Distanzschuss Hugo Coelho im Zürcher Tor souverän parierte.

Die restliche erste Hälfte verlief nach bekanntem Muster: Zürich rannte an, Fribourg stand tief. Vicente Cercas prüfte den Torwart in der 35. Minute, Roger Guillory zog zwei Minuten später aus 20 Metern ab - wieder nichts. "Wir wussten, dass Zürich über die Flügel kommt", erklärte Fribourg-Coach Dario Rota später und grinste verschmitzt. "Also haben wir die Flügel einfach zugemacht. Ganz einfach eigentlich."

Nach der Pause änderte sich das Bild kaum. Luncke ließ offensiv ausrichten, McGeady und Mocana wirbelten, doch der Ball wollte nicht ins Netz. In der 53. Minute rauschte Mocanas Flachschuss nur Zentimeter am Pfosten vorbei, in der 65. Minute scheiterte er erneut an Semedo. Spätestens da begann das Publikum, kollektiv zu seufzen - ein Laut, irgendwo zwischen Verzweiflung und Faszination.

Fribourg seinerseits blieb stoisch defensiv, die Taktik "DEFENSIVE - BALANCED - NO PRESSING" aus dem Lehrbuch der Mauermeister. Und doch tauchten sie gelegentlich gefährlich auf: Kas zwang Coelho in der 90. Minute noch einmal zu einer Parade, bevor der Schiedsrichter die Geduldsprobe beendete.

Einziger Farbtupfer des Abends: die Gelbe Karte für Fribourgs Harvey Leclair in der 73. Minute, der Roger Guillory mit einem rustikalen Grätschen an die guten alten 90er erinnerte. "Ich wollte nur den Ball", behauptete Leclair nach dem Spiel mit einem Grinsen, das Gegenteiliges vermuten ließ.

Beim SV Fribourg war man dennoch zufrieden. "Ein Punkt in Zürich ist wie ein Gratisdessert - man bestellt es nicht, aber man nimmt es gern", sagte Rota mit schelmischem Blick. Seine Elf hatte sich mit Disziplin und einer Prise Glück den Zähler verdient.

Zürich dagegen haderte. Kian McGeady, der in der 94. Minute den letzten Torschuss abgab, sprach von "einem dieser Spiele, wo du alles machst und trotzdem nichts passiert". Trainer Luncke zeigte Verständnis, aber auch Frust: "Wenn ich die Statistik sehe - 54 Prozent Ballbesitz, 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe, elf Schüsse aufs Tor - dann weißt du, dass du eigentlich alles richtig gemacht hast. Nur das Netz hat gefehlt."

Vielleicht war es einfach einer dieser Abende, an denen das Tor wie vernagelt scheint. Der Ball rollte, das Publikum fieberte, die Spieler rannten, und am Ende stand da diese unscheinbare Null. Ein 0:0, das man entweder als taktische Meisterleistung oder als tragikomische Farce lesen konnte - je nach Brille.

Und so verabschiedeten sich 28 271 Menschen in die Zürcher Nacht, einige murrend, andere lächelnd. Ein älterer Fan sagte beim Hinausgehen: "Früher haben wir wenigstens noch verloren mit Stil. Heute remisieren wir mit Stil." Vielleicht war das das treffendste Fazit des Abends.

Denn ja, Tore gab’s keine. Aber es gab Spannung, Leidenschaft und den Beweis, dass selbst ein torloses Spiel eine Geschichte erzählen kann - wenn man nur genau hinschaut. Oder, wie Luncke es am Ende lakonisch ausdrückte: "Manchmal ist 0:0 eben das ehrlichste Ergebnis im Fußball."

14.03.644000 07:46
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