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Ein 0:0 kann vieles sein: langweilig, taktisch, gerecht - oder einfach absurd. Das Duell zwischen Mlados Sjenica und Crno Belgrad am 15. Spieltag der 1. Liga Serbien fiel wohl in die letzte Kategorie. 34.444 Zuschauer im Stadion von Sjenica sahen ein Spiel, das mehr Fragen als Tore bot - aber immerhin genug Stoff für den Stammtisch. Von Beginn an war klar: Crno Belgrad wollte, Sjenica ließ. Bereits in der ersten Minute prüfte Innenverteidiger Petar Zdravkovic den Heimkeeper Patrik Bruhn mit einem Distanzschuss, der so überraschend kam, dass selbst Trainer Cevo Icvic aufsprang. "Ich dachte kurz, Petar hätte vergessen, dass er Innenverteidiger ist", grinste der Coach später. Der Ball segelte über die Latte - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte: viel Druck von Crno Belgrad, kaum Ertrag. Sjenica dagegen begann verhalten - und das ist noch freundlich formuliert. Trainer James Dean (nein, kein Scherz, er heißt wirklich so) hatte seine Elf anscheinend mit der Anweisung aufs Feld geschickt, möglichst unauffällig zu wirken. 48 Prozent Ballbesitz, drei Torschüsse - das sind Werte, bei denen man von einer "defensiven Meisterleistung" sprechen könnte, wenn man höflich ist. In der 19. Minute wachte das Heimteam kurz auf: Valter Abelson, der rechte Mittelfeldmann mit dem Namen eines Jazzmusikers, zog einfach mal ab - und zwang Ljuboslaw Kolew im Tor der Gäste zu einer Parade, die das Publikum jubeln ließ, als hätte man gerade die Meisterschaft gewonnen. "Der Ball hat mich fast überrascht", gab Kolew nach dem Spiel zu, "ich dachte, die schießen heute gar nicht." Danach übernahm wieder Crno Belgrad das Kommando. Tomas Bejbl, Goran Vucicevic und der quirlige Slobodan Stevic versuchten es aus allen Lagen - insgesamt 14 Mal feuerten die Gäste Richtung Tor. Doch Sjenicas Abwehr, angeführt vom robusten Ranisav Ivanovic, hielt stand. Einmal drosch Ivanovic den Ball so weit aus der Gefahrenzone, dass man ihn vermutlich noch in Novi Pazar suchte. Trainer Icvic reagierte in der Pause mit einem Doppelwechsel - Marko Jovanovic kam für den glücklosen Nemanja Drulic, und Filip Ergic ersetzte den müden Zoran Sarac. "Wir wollten mehr Frische und Flügelspiel", erklärte Icvic. Und tatsächlich: Belgrad drückte, kombinierte, flankte - und scheiterte weiter. Zwischen der 49. und 57. Minute hagelte es Chancen: Vucicevic, Stevic, Jovanovic, Despotovic - einer nach dem anderen probierte sich, doch Bruhn im Tor von Sjenica wuchs über sich hinaus. Besonders sehenswert sein Reflex in der 54. Minute, als Jovanovic aus spitzem Winkel abzog und der Keeper den Ball mit den Fingerspitzen an den Pfosten lenkte. Der Stadionsprecher kommentierte trocken: "Bruhn, der Mann mit den Magnetfingern." Sjenica selbst blieb offensiv harmlos, beschäftigte sich aber tapfer mit Defensivarbeit. "Wir wollten die Null halten - und das ist uns gelungen", sagte Trainer Dean stoisch. Ob das Spiel so geplant war? "Plan klingt zu aktiv", schmunzelte er. Zum Ende hin wurde es ruppig: Miralem Milosevic sah in der 84. Minute Gelb, kurz darauf folgte Ermin Despotovic (89.). Der Schiedsrichter hatte alle Hände voll zu tun, während Dean an der Seitenlinie mit den Händen in den Taschen stand und aussah, als würde er über das Abendessen nachdenken. Die Nachspielzeit brachte noch einmal Nervenkitzel: Gojko Ilic, Belgrads erfahrener Flügelspieler, zog in der 92. Minute ab - wieder parierte Bruhn. Danach war Schluss, und die Null stand wie eine Mauer aus Beton und Schweiß. Statistisch gesehen hätte Crno Belgrad das Spiel gewinnen müssen: 14:3 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, bessere Zweikampfquote. Aber Fußball ist bekanntlich kein Wunschkonzert. "Wir hätten drei Spiele gewinnen können - leider war nur eins erlaubt", seufzte Icvic nach Abpfiff. Die Fans von Mlados Sjenica feierten das 0:0 trotzdem wie einen Sieg. Vielleicht, weil man gegen einen überlegenen Gegner einen Punkt erkämpft hatte. Vielleicht auch, weil man wusste: So ein Abend wird nicht so schnell vergessen. Und während die Spieler langsam in der Kabine verschwanden, hörte man Torhüter Bruhn noch sagen: "Manchmal ist ein 0:0 das schönste Ergebnis der Welt - vor allem, wenn man 14 Schüsse überlebt hat." Fazit: Kein Tor, aber jede Menge Geschichten. Und wer weiß - vielleicht hat James Dean ja doch einen Plan. Nur eben einen, den niemand sonst versteht. 19.11.643999 17:06 |
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