Gazeta Sportowy
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Nullnummer mit Unterhaltungswert - Gdansk verzweifelt an Van Dongen

Ein 0:0 kann langweilig sein - muss aber nicht. Und was die 33.000 Fans am Montagabend im Stadion von BKS Gdansk sahen, war alles andere als einschläfernd: Es war ein Sturmlauf, ein Einbahnstraßenfußball, ein Festival der vergebenen Chancen. Nur, dass am Ende eben kein Ball im Netz landete. Die Gäste von Bielsko‑Biala nahmen das torlose Remis mit, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen - und das lag in erster Linie an einem 19‑jährigen Torhüter namens Nathan Van Dongen.

Schon nach neun Minuten setzte Gdansks Mittelfeldmotor Herman Kraft das erste Ausrufezeichen. 20 Meter, halbe Höhe, Wucht - aber Van Dongen lenkte das Ding seelenruhig über die Latte. Zwei Minuten später dasselbe Spiel: Adam Wichniarek durch, Schuss aus spitzem Winkel, wieder Van Dongen. Der Belgier (oder ist er doch Holländer? So genau weiß das keiner) grinste danach in die Kameras: "Ich mag es, wenn sie glauben, sie hätten mich überrascht."

Trainer Mike Matt an der Seitenlinie raufte sich schon früh die Haare. "Wir haben offensiv gespielt, offensiver geht’s kaum. Irgendwann hätte einer reingehen müssen", sagte er später mit einem bitteren Lächeln. Seine Mannschaft hatte 14 Torschüsse - Bielsko‑Biala ganze einen. Ballbesitz? 54 Prozent für Gdansk. Tacklingquote? Ebenfalls vorn. Das Problem: Tore zählen immer noch mehr als Statistiken.

Das Spiel folgte einem Muster: Gdansk rannte an, Bielsko‑Biala verteidigte tief, hoffte auf Konter und vertraute auf Van Dongen. Der junge Keeper wurde von seinen Mitspielern nach Abpfiff gefeiert, als hätte er den Pokal geholt. Ioakim Fotilas, der Innenverteidiger mit der Gelben Karte (50.), meinte trocken: "Ich musste ihn ja irgendwann foulen - sonst hätte er uns noch allein gerettet."

Besonders auffällig war Gdansks Teenager‑Stürmer Arthur Kajrys. Gerade mal 17, aber mit einer Selbstverständlichkeit, als spiele er schon zehn Jahre in der Liga. Minute 32, 70, 77, 80 - viermal schoss er aufs Tor, viermal scheiterte er an Van Dongen oder am eigenen Nervenkostüm. Nach Abpfiff stand er noch lange auf dem Rasen, die Hände in die Hüften gestemmt. "Ich habe den Ball gesehen, ich habe das Tor gesehen, und dann war da irgendein Handschuh dazwischen", murmelte er kopfschüttelnd.

Auch Jacek Majewski, der flinke Linksaußen, versuchte es mehrfach (46., 54., 81.), scheiterte aber ebenso. "Wir hätten bis Mitternacht spielen können - der Ball wollte einfach nicht rein", sagte er und grinste schief. Sein Mitspieler Wladimir Burkhardt feuerte in der 89. Minute noch einen letzten Versuch ab - eine Mischung aus Verzweiflung und Hoffnung. Es war sinnbildlich für diesen Abend.

Während Gdansk mit einer offensiven Grundordnung (Trainer Matt ließ permanent mit vollem Risiko spielen) den Sieg suchte, blieb Bielsko‑Biala bei einer ausgewogenen, fast stoischen Spielweise. Pressing? Fehlanzeige. Dafür viel Disziplin und erstaunliche Ruhe trotz Dauerbeschuss. Trainer Piotr Nowak (der offiziell gar nicht erwähnt wurde, aber natürlich an der Linie stand) sagte schmunzelnd: "Wenn du nur einmal aufs Tor schießt und 0:0 spielst, hast du alles richtig gemacht."

Die Zuschauer honorierten die Bemühungen der Hausherren trotzdem mit Applaus. 33.527 Menschen gingen nach 90 Minuten ohne Tor, aber mit Geschichten nach Hause. Etwa der ältere Herr auf der Haupttribüne, der in der 75. Minute laut rief: "Vielleicht sollten sie’s mal mit einem Weitschuss versuchen!" - Sekunden später zog Herman Kraft aus 25 Metern ab. Leider wieder nur Van Dongen.

In der Nachspielzeit blickte Trainer Matt auf seine Uhr, dann zum Himmel. "Vielleicht kriegen wir ja einen Elfmeter vom lieben Gott", witzelte er später. Der Pfiff blieb aus, das 0:0 stand - und Gdansk musste sich mit einem Punkt begnügen, der sich anfühlte wie eine Niederlage.

Statistisch betrachtet war es ein Klassenunterschied: 14 Torschüsse zu 1, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 54 Prozent Ballbesitz. Aber Fußball ist eben kein Rechenspiel. Und so ging dieser Abend in Danzig als Paradebeispiel für vergebliche Mühe in die Annalen ein.

Vielleicht tröstet sich Mike Matt mit dem Gedanken, dass sein junges Sturmduo Kajrys und Majewski noch lernen wird, wie man aus Chancen Tore macht. "Wir haben den Gegner dominiert, aber nicht besiegt", sagte er. "Das ist bitter - aber auch ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Und Nathan Van Dongen? Der lächelte beim Verlassen des Platzes und meinte nur: "Ich glaube, ich schlaf heute mit den Handschuhen an."

Ein 0:0, das keiner so schnell vergisst - und das beweist, dass selbst ohne Tore ein Fußballspiel richtig Spaß machen kann.

26.06.644000 10:45
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