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Ein 0:0 kann manchmal lauter sprechen als ein Torfestival. Am Freitagabend im Stadion von FK Lazarevac erlebten 38.845 Zuschauer genau das: ein torloses, aber keineswegs trostloses Duell zwischen zwei Teams, die sich 90 Minuten lang gegenseitig prüften - und die Latte, den Torwart oder schlicht das eigene Nervenflattern als härtesten Gegner entdeckten. Trainer Klaus Bock hatte seine Lazarevacer wie gewohnt offensiv ausgerichtet, "Wir wollten früh Druck machen, aber der Ball wollte heute nicht", murmelte er später mit einem Grinsen, das zwischen Selbstironie und Verzweiflung pendelte. Seine Mannschaft schoss satte 14-mal aufs Tor, während FK Srem mit fünf Versuchen das Minimalistenprogramm ablieferte - doch am Ende stand auf der Anzeigetafel das hübsch-symmetrische 0:0 (0:0). Schon in der dritten Minute machte der 18-jährige Goran Melunovic klar, dass er keine Angst vor großen Bühnen hat. Sein Schlenzer zwang Srems Torwart Amaury Triguero zu einer Glanzparade, die man getrost als Bewerbungsvideo für die "Tor des Monats"-Kategorie der Torhüter einreichen könnte. "Wenn der reingeht, reden wir anders über das Spiel", sagte Melunovic später, während er sich lächelnd die Schweißperlen von der Stirn wischte. Srem antwortete in der 14. Minute durch Nenad Basta, doch Lazarevacs Keeper Salvador Gama war auf dem Posten. Der 33-jährige Portugiese, der das Wort "Routinier" wahrscheinlich schon als Tattoo trägt, pflückte den Ball aus der Luft, als wäre es ein überreifer Apfel. Die erste Halbzeit war geprägt von Lazarevacs Angriffslust, aber auch von Srems unerschütterlicher Gelassenheit. Zwei frühe Gelbe Karten für die Gäste - Isidor Dobrin (2.) und Luigi Cerzeto (52.) - sorgten immerhin für ein bisschen Farbe im sonst torlosen Abend. "Ich wollte nur höflich nachfragen, ob der Schiedsrichter überhaupt noch da ist", witzelte Dobrin über seine Verwarnung. Nach der Pause änderte sich das Bild kaum. Lazarevac blieb offensiv, Srem blieb cool. Karolos Sisinis prüfte Triguero gleich zweimal (45. und 49.), Zoran Trkulja hämmerte den Ball in der 62. Minute ans Außennetz, und als sein Bruder Dorde (ja, tatsächlich ein Brüderpaar auf dem Platz) in der 75. Minute knapp drüberzog, stand das Publikum auf - und setzte sich wieder. Die Gäste aus Srem agierten taktisch ausgewogen, fast stoisch. Ihr Trainer - dessen Name in den offiziellen Unterlagen nicht auftauchte, aber dessen Hände während des Spiels mehr redeten als sein Mund - ließ sein Team diszipliniert stehen. "Wir wussten, dass Lazarevac viel Raum will. Den haben wir nicht gegeben", meinte er nach Abpfiff trocken. In den letzten zehn Minuten roch es kurz nach einem späten Siegtreffer. Jan Gecov, der 33-jährige Dauerläufer auf der linken Seite, zog in Minute 90 noch einmal ab - Triguero lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Der Torwart aus Valencia wurde von seinen Mitspielern gefeiert, als hätte er den Titel gerettet. Statistisch war Lazarevac das bessere Team: 14 zu 5 Torschüsse, fast ausgeglichener Ballbesitz (49,9 zu 50,1 Prozent) und eine ordentliche Zweikampfquote von 55 Prozent. Doch Fußball bleibt eine Laune des Moments, und an diesem Abend blies Fortuna offenbar zum Feierabend, bevor sie sich für eine Seite entscheiden konnte. "Wenn du so viele Chancen hast und keiner rein will, dann fehlt vielleicht das kleine Quäntchen - oder der große Hammer", sagte Trainer Bock nach dem Spiel und lachte kurz auf, als er hörte, dass seine Mannschaft laut Statistik mehr Kilometer gelaufen war als jede andere am 3. Spieltag. "Na wenigstens Kondition haben wir." Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus und einem Hauch von Ungeduld. Denn wer so viel Druck macht, will irgendwann auch belohnt werden. Trotzdem: Die jungen Wilden wie Melunovic und Komljenovic machten Lust auf mehr - und der Punkt gegen ein abgezocktes Srem-Team könnte sich am Ende der Saison noch als wertvoll herausstellen. "0:0, aber nicht 08/15", fasste ein Zuschauer beim Hinausgehen zusammen. Und tatsächlich: Es war eines jener Spiele, die man nicht wegen der Tore, sondern wegen der 90 kleinen Geschichten dazwischen in Erinnerung behält - vom verzweifelten Blick eines Stürmers bis zum triumphalen Fäustenheben eines Torwarts. Vielleicht war es kein Abend für die Ergebnisstatistik, aber ganz sicher einer für das Fußballherz. 14.04.643997 10:41 |
Sprücheklopfer
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