L’Equipe
+++ Sportzeitung für Frankreich +++

Nullnummer mit Unterhaltungswert - Niort und Wasquehal teilen sich die Punkte

Ein 0:0 kann vieles sein: langweilig, taktisch geprägt oder schlicht ein Abend, an dem der Ball einfach nicht ins Tor will. Beim sechsten Spieltag der französischen Ligue 1 zwischen Chamois Niortais und dem FC Wasquehal war es wohl eine Mischung aus allem - mit einer Prise jugendlichem Übermut und altgedienter Vorsicht. 25 298 Zuschauer im Stade Réné Gaillard sahen am 3. Juni 2026 ein torloses Remis, das trotz fehlender Treffer erstaunlich viel Gesprächsstoff bot.

"Wenn man neunmal aufs Tor schießt und der Ball trotzdem nicht rein will, dann hat man entweder Pech - oder Emilio Dominguez im gegnerischen Kasten", sagte Niorts Trainer Roman Eder nach dem Abpfiff und grinste gequält. Der 33-jährige Wasquehal-Schlussmann war tatsächlich einer der Hauptdarsteller: sicher bei Flanken, reaktionsschnell bei Distanzschüssen, und in der 80. Minute sogar mit einem spektakulären Hechtsprung, der den Schuss von Raul Gorritxategi entschärfte - ein Moment, der das Publikum kurz aus der Lethargie riss.

Dabei hatte Niort eigentlich mehr für das Spiel getan. Zwar lag der Ballbesitz mit 42,7 Prozent klar auf Seiten der Gäste, doch die Gastgeber waren zielstrebiger: neun Torschüsse gegen vier von Wasquehal, und vor allem in der zweiten Halbzeit ein echtes Powerplay. Der junge Daniel Besson, gerade einmal 21, prüfte in der 70. und 75. Minute den Gästetorwart gleich doppelt - beide Male aus spitzem Winkel, beide Male ohne Fortune. "Ich schwöre, einer der beiden war drin!", rief Besson lachend in Richtung der Journalisten, als er vom Platz ging. Der VAR hätte ihm wohl widersprochen.

Roman Eder setzte zur Stunde auf frischen Wind und brachte nach einer Stunde gleich zwei Neue: Raul Gorritxategi und Daniel Delmas mussten runter, für sie kamen der erfahrene David Galisteo und Nachwuchsmann Julien Auch. "Wir wollten noch mehr über die rechte Seite kommen", erklärte Eder später. Tatsächlich sorgte der 19-jährige Auch für Betrieb, auch wenn seine Flanken meist in den Händen von Wasquehals Innenverteidiger Zoltan Kristofik landeten.

Wasquehal wiederum verlegte sich auf cleveres Ballhalten. Mit fast 57 Prozent Ballbesitz wirkte das Team von Coach Jean-Luc Moreau (der an der Seitenlinie unermüdlich dirigierte und gelegentlich den vierten Offiziellen zur Weißglut brachte) kontrolliert, aber harmlos. Josef Amir, der 34-jährige Routinier im Sturm, hatte drei der vier Wasquehal-Torschüsse - der gefährlichste in der 89. Minute, als er aus dem Nichts abzog und Niorts junger Keeper Vincent Billet mit den Fingerspitzen zur Ecke klärte.

"Das war der Moment, in dem mein Herz kurz stehen blieb", gestand Billet nach Abpfiff. "Aber hey, zu null ist zu null." Recht hat er. Der Nachwuchskeeper überzeugte mit Ruhe und klarer Ansprache - bemerkenswert für einen 19‑Jährigen, der erst vor wenigen Wochen sein Debüt gab.

Taktisch blieb alles erstaunlich ausgeglichen: Beide Teams starteten mit einer balancierten Ausrichtung, hielten sich an ihr fest und schalteten erst in den Schlussminuten ein wenig offensiver. Pressing? Nur auf dem Papier. Niort zog es erst ab der 90. Minute an, Wasquehal blieb lieber in Sicherheit. Der geneigte Zuschauer hatte also viel Raum für Diskussionen und wenig für Jubel.

Im Stadion kursierte nach dem Schlusspfiff ein augenzwinkernder Dialog zwischen zwei Fans: "Warum sind wir eigentlich gekommen?" - "Weil Netflix keine Luft nach Elfmetern riechen kann." Ein Satz, der das Spiel wohl am besten beschreibt.

Auch Gästecoach Moreau zeigte sich mit dem 0:0 zufrieden: "Ein Punkt auswärts, kein Gegentor - das ist in dieser Liga Gold wert. Außerdem, wenn man so viele junge Beine auf dem Platz sieht, spürt man, dass der Fußball lebt."

Am Ende blieb ein Abend der kleinen Geschichten: ein 17-jähriger Marcel Gramont, der mutig in der 9. Minute den ersten Torschuss wagte; ein erfahrener Dominguez, der alles hielt; und ein Publikum, das trotz Torflaute applaudierte.

Der Reporter in der Pressetribüne notierte: "Ein Spiel ohne Sieger, aber mit Charakter." Vielleicht war das ja die eigentliche Pointe. Und wer weiß - beim nächsten Mal landet einer dieser neun Niorter Schüsse nicht in den Armen des Torwarts, sondern im Netz. Bis dahin bleibt nur der Trost, dass auch ein 0:0 manchmal spannend sein kann - wenn man genau hinsieht.

16.12.644002 09:07
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