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Basel erlebte an diesem Maiabend einen jener Fußballabende, die Geschichten schreiben - oder wenigstens Kneipengespräche bis zum nächsten Frühjahr garantieren. 59.000 Zuschauer im prall gefüllten Stadion sahen, wie die Old Boys Basel im Viertelfinal‑Rückspiel der Champions League Pivara Celarevo mit 6:2 (4:2) vom Platz fegten. Und mittendrin: ein junger Mann namens Samuel Stanton, der gleich dreimal traf und dabei so sorglos wirkte, als ginge es um ein lockeres Trainingsspiel im Park. Dabei begann alles mit einem Schock. Schon in der 9. Minute traf Celarevos Adam Ross nach Vorlage von Jose Conceicao - eiskalt, flach ins Eck, und Basels Torhüter Otto Dietz war noch dabei, die Handschuhe richtig zu schließen. Drei Minuten später legte Christiano Deco nach, nach cleverem Pass von Ognjen Ristic. 0:2 nach zwölf Minuten - und auf der Basler Bank blätterte Trainer André Marsmann nervös im Notizblock. "Da habe ich kurz überlegt, ob wir überhaupt den richtigen Platz erwischt haben", scherzte er später. Doch dann erwachte der Basler Fußballgeist, und zwar in Person von Samuel Stanton. Der 22‑jährige Flügelflitzer schoss in der 25. und 26. Minute zwei Tore in Serie - eines nach feiner Flanke von Pablo Futre, das andere einfach aus eigenem Antrieb. "Ich wollte einfach, dass es wieder Spaß macht", grinste Stanton nach dem Spiel, "und Tore machen hilft bekanntlich." Ab diesem Moment kippte das Spiel komplett. Pivara Celarevo, das zu Beginn aggressiv presste und mit starker Offensive auftrat, verlor die Ordnung. Basel drückte, kombinierte und spielte sich in einen Rausch. In der 37. Minute war es wieder Stanton, diesmal nach einer Ecke und Kopfballverlängerung von Innenverteidiger Yossi Lawon - 3:2, die Basler Führung. Und weil der Fußballgott an diesem Abend offenbar Gelb‑Schwarz trug, erhöhte Shefki Hyypiä kurz vor der Pause auf 4:2, nach schöner Vorarbeit von Olivier Duchesne. "Wir waren einfach nicht mehr auf dem Platz", gestand Celarevo‑Coach Andreas Go. "Nach dem zweiten Gegentor haben einige meiner Spieler wohl innerlich schon den Rückflug gebucht." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte - mit einem Tor für Basel. Nur eine Minute nach Wiederanpfiff schob Miguel Albentosa cool ins kurze Eck ein, vorbereitet von Rechtsverteidiger Alfred Obitz, der später selbst noch Gelb sah, offenbar um wenigstens einmal im Spielbericht zu stehen. 5:2, und die Old Boys hatten den Gegner endgültig zerlegt. Celarevo versuchte es noch mit frischem Personal - Kezman kam für MacLean, später der 18‑jährige Markovic für Melunovic -, aber es half nichts. Basel kontrollierte Ball und Gegner, 51,5 Prozent Ballbesitz und 21 Schüsse aufs Tor sprechen eine deutliche Sprache. Connor Maxwell setzte in der 56. Minute den Schlusspunkt zum 6:2, nach Vorarbeit von Hyypiä. Danach wurde nur noch gezaubert, gelacht und gewechselt. In der 70. Minute kam Alexander Almond für Penew, und kurz darauf durfte auch Vincent Beto noch ein paar Minuten Champions‑League‑Luft schnuppern. "Ich wollte nur, dass keiner meiner Jungs beleidigt ist", erklärte Marsmann mit einem Augenzwinkern. Pivara Celarevo dagegen verlor auch die Contenance: Jamie MacLean sah in der 43. Minute Gelb, weil er den Ball aus Frust auf die Tribüne drosch. Der Rest war Schadensbegrenzung - und vielleicht das stille Gebet, dass die Heimreise schnell vergeht. "Wir haben Lehrgeld gezahlt", sagte Go nach dem Spiel. "Basel hat uns gezeigt, wie man aus wenigen Ballgewinnen sechs Tore macht." Und tatsächlich: Die Effizienz der Schweizer war beeindruckend. Jeder Schuss ein Treffer? Nicht ganz, aber fast. Im Stadion feierten die Fans minutenlang, während Stanton sich von den Fotografen fast genervt die Schuhe binden ließ. "Ich bin froh, dass ich helfen konnte", meinte er bescheiden - und grinste dann doch, als jemand "Ballon d’Or!" rief. Statistisch betrachtet war es ein offenes Spiel - Celarevo hatte immerhin 10 Torschüsse, fast gleich viel Ballbesitz und eine Tacklingquote von 46 Prozent. Doch auf der Anzeigetafel stand am Ende ein Resultat, das deutlicher nicht hätte sein können. Basel im Halbfinale, Celarevo raus - und wer dieses Spiel gesehen hat, weiß: Es war nicht nur ein Ergebnis, sondern eine Demonstration. "Wir wollten zeigen, dass wir mehr sind als Old Boys", sagte Marsmann zum Abschied. "Heute waren wir Very Young Gods." Und irgendwo auf der Ersatzbank nickte Samuel Stanton still - wahrscheinlich schon mit Gedanken beim nächsten Gegner. Oder einfach bei der Frage, ob man einen Hattrick eigentlich auch patentieren lassen kann. 09.05.644000 23:37 |
Sprücheklopfer
Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief's ganz flüssig.
Paul Breitner