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Wenn man 17 Mal aufs Tor schießt und trotzdem keinen Treffer erzielt, darf man sich schon fragen, ob der Fußballgott eine Dauerkarte für die Gästetribüne hat. Beim 0:0 zwischen dem Oldenburger SV und dem TSV Pansdorf am Mittwochabend vor 2107 Zuschauern war genau das der Fall: Ein Spiel, das statistisch klar für die Gastgeber sprach, aber auf der Anzeigetafel so leer blieb wie der Kühlschrank nach einer Mannschaftsfeier. Schon nach vier Minuten zischte der erste Schuss von Peter Schramm knapp über die Latte. "Ich dachte, der Ball sei drin - zumindest fühlte es sich so an", grinste der 34-jährige Rechtsaußen nach dem Abpfiff leicht gequält. Nur eine Minute später durfte sein Sturmpartner Jesus Steffen aus halblinker Position abziehen, doch auch er fand in Pansdorfs Keeper Günter Probst seinen persönlichen Endgegner. Der war an diesem Abend ohnehin der Mann des Spiels - und das in einem Duell, das kaum jemand so erwartet hatte. Oldenburgs Trainer, der an der Seitenlinie fast schon synchron mit jedem Schuss zuckte, hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt. "Wir wollten mutig nach vorne spielen", erklärte er hinterher, während er nervös an seiner Wasserflasche nippte. "Das hat man, glaube ich, gesehen. Nur das Tor wollte halt nicht." Gesehen hat man tatsächlich einiges: Schüsse aus allen Lagen, Flankenläufe, Ecken, Verzweiflung. Und Pansdorf? Die Gäste verteidigten mit der Ruhe eines Yoga-Kurses und beschränkten sich auf das Nötigste. Ein einziger Torschuss in 90 Minuten - das sagt alles über die Rollenverteilung. In der 29. Minute probierte es Alexander Wendt aus der Distanz, zwei Minuten später Linksverteidiger Leon Benz - und jedes Mal rauschte der Ball knapp vorbei oder in die Arme des überragenden Probst. Die Oldenburger hatten 56 Prozent Ballbesitz, gewannen fast 60 Prozent der Zweikämpfe, aber Tore schießen ist eben kein Statistikfach. Kurz vor der Pause setzte Dieter Haupt noch zwei wuchtige Schüsse ab, und die Fans auf der Tribüne riefen schon "Tor!", ehe der Ball einmal mehr im Fangnetz zappelte - von außen. Ein älterer Herr auf der Haupttribüne brachte es auf den Punkt: "Wenn’s heute ein Tor gibt, dann wahrscheinlich aus Versehen." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Oldenburg rannte an, Pansdorf stand tief. Rodriguez prüfte in der 51. Minute erneut den Gästetorwart, und als Johannes Römer auf der Gegenseite in der 59. Minute den einzigen gefährlichen Versuch der Pansdorfer wagte, raunte das Publikum fast überrascht. Torwart Stanislaw Wasilewski musste überhaupt nur diesen einen Ball abwehren - und tat das mit einer lässigen Parade, die eher an ein Warm-up erinnerte. Dann kam die 65. Minute, und erneut hatte Jesus Steffen die Führung auf dem Fuß. Doch wieder flog der Ball, als wolle er den Mond treffen. "Vielleicht war’s zu viel Zielwasser gestern beim Abendessen", witzelte Linus Sander nach dem Spiel. Der Mittelstürmer selbst hatte zwei starke Möglichkeiten, in der 36. und 66. Minute, aber auch er scheiterte an Probst oder an sich selbst. Kurz vor Schluss wurde’s dann noch einmal hitzig: Peter Schramm sah in der 84. Minute Gelb, nachdem er nach einem nicht gegebenen Freistoß zu laut "Das kann doch nicht dein Ernst sein!" in Richtung des Schiedsrichters rief. "War ja auch nicht sein Ernst", murmelte er später schmunzelnd. Pansdorfs Verteidiger Kurt Günther, der in der 55. Minute ebenfalls Gelb sah, nahm’s sportlich: "Wir wussten, dass wir heute nur mit einer Mauer und viel Gebet bestehen können. Hat ja funktioniert." Als der Abpfiff kam, war das kollektive Stöhnen im Stadion fast lauter als alle Torschüsse zusammen. 17 Chancen, kein Tor - das ist Fußball in seiner grausamsten Form. Oldenburg bleibt damit zwar ungeschlagen, aber auch unbefriedigt. "So ein Spiel verlierst du normalerweise 1:0 durch einen Sonntagsschuss", meinte Trainer Oldenburg halb erleichtert, halb frustriert. "Heute hat uns wenigstens niemand bestraft - außer vielleicht unsere eigenen Nerven." Und so endete ein Abend, an dem der Ball einfach nicht ins Tor wollte, mit einem Ergebnis, das keiner so recht feiern konnte. Die Zuschauer gingen kopfschüttelnd heim, manche murmelten was von "Torwart-Gott Probst", andere bestellten wohl schon Trostbier. Vielleicht bringt das nächste Heimspiel mehr Glück - oder wenigstens ein Eigentor. Irgendwas muss ja mal reingehen. 09.05.644000 21:23 |
Sprücheklopfer
Früher passten seine Freunde in einen Eisenbahnwaggon, heute in ein Goggomobil.
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