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Ein milder Sommerabend in Lissabon, 25.154 Zuschauer im Estádio José Alvalade, und eigentlich war alles angerichtet für einen gemütlichen Pflichtsieg des SC Lissabon. Doch Oliveira Bairro, jenes unscheinbare Team aus dem Landesinneren, hatte andere Pläne - und eine gehörige Portion Frechheit im Gepäck. Am Ende stand ein 1:2 aus Sicht des Favoriten, und mancher Lissabonner Fan dürfte sich noch immer fragen, ob das gerade wirklich passiert ist. Dabei begann alles nach Drehbuch. Jungspund Jacob Clancy, gerade einmal 19 und mit mehr Mut als Bartwuchs, traf in der 6. Minute nach Vorarbeit von Olivier Cort zum 1:0. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Clancy später, "aber dann hab ich einfach draufgehalten. War wohl keine so schlechte Idee." Trainer Knuppi Puppi, der Mann mit dem wohl musikalischsten Namen der Liga, wirkte da noch entspannt an der Seitenlinie. Lissabon dominierte in dieser Phase Ball und Gegner - 52 Prozent Ballbesitz, zwölf Torschüsse insgesamt, das sah gut aus. Doch Oliveira Bairro ließ sich nicht beirren. Ihre Antwort kam genau zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt für die Gastgeber: 45. Minute, kurz vor der Pause, als alle schon an die Halbzeit-Orangen dachten. Rechtsverteidiger Jozef Hubnik, sonst eher damit beschäftigt, gegnerische Flanken abzufangen, nahm sich ein Herz und drosch den Ball nach Vorlage von Nael Simao unhaltbar unter die Latte - 1:1. "Ich hab einfach mal geschossen. Normalerweise geht der auf die Tribüne", lachte Hubnik nach dem Spiel und konnte sein Glück kaum fassen. Der Pausenpfiff kam für Lissabon wie eine Rettung, denn plötzlich wackelte die bis dahin so sichere Defensive. In der Kabine muss Trainer Puppi wohl deutliche Worte gefunden haben - jedenfalls sah man ihn beim Wiederanpfiff wild gestikulieren. Doch kaum vier Minuten nach Wiederbeginn der nächste Nackenschlag: Srdan Paunovic, der 31-jährige Routinier aus Serbien, verwandelte nach feiner Vorarbeit von Jurek Kobylanski zum 1:2 (49.). Puppi raufte sich die Haare, während Paunovic auf die Knie sank und gen Himmel deutete. "Wir wussten, dass sie Druck machen würden. Aber ehrlich gesagt - so viel Platz hatte ich selten in Lissabon", sagte Paunovic. Und Platz hatten die Gäste wirklich: Lissabons Abwehr stand plötzlich so breit wie der Tejo bei Hochwasser, und der Rückwärtsgang schien eingerostet. In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Heinemann prüfte den gegnerischen Keeper Mascarenhas mehrfach (67., 70., 76.), doch der Schlussmann von Oliveira Bairro wuchs über sich hinaus. "Ich hab einfach gehofft, dass mich der Ball trifft", grinste er später - und manchmal tat er das tatsächlich, spektakulär an Schulter, Knie oder Fingerspitze. Lissabon kämpfte, hatte aber Pech im Abschluss. Oliveira Bairro verteidigte mit Leidenschaft, gelegentlich auch mit gelber Karte - Nael Simao sah früh Gelb (3.), Andre Lydersen später (81.). Doch es reichte. Selbst die Zuschauer, die in der 85. Minute schon wieder Hoffnung schöpften, als Badham knapp verzog, mussten am Ende anerkennen: Der Außenseiter hatte den größeren Willen. "Es ist kein Weltuntergang", meinte SC-Trainer Puppi mit betont ruhiger Stimme auf der Pressekonferenz, "aber wir haben uns selbst geschlagen. Und wahrscheinlich auch ein bisschen überrascht." Sein Gegenüber, Oliveira-Coach - der sich mit stoischer Miene an den Rand seines Stuhls klammerte - entgegnete trocken: "Wir sind hierhergekommen, um das Unmögliche zu tun. Manchmal klappt’s auch." Die Statistik spricht zwar leicht für Lissabon - mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote -, aber Fußball ist bekanntlich kein Schönheitswettbewerb. Oliveira Bairro spielte pragmatisch, konzentriert und nutzte die Chancen, die sich boten. Kurz vor Abpfiff flogen auf der Tribüne noch ein paar Papiertaschentücher, manche in Verzweiflung, manche in Respekt. "Das war Fußball, wie er sein soll", sagte ein älterer Fan im grünen Trikot beim Hinausgehen, "nur halt mit dem falschen Sieger." Und vielleicht war genau das der Charme dieses Abends: ein Spiel, das zeigte, dass selbst in einer Liga der Routiniers immer noch Platz für kleine Sensationen bleibt. Fazit? SC Lissabon hat sich an diesem 12. Spieltag selbst ein Bein gestellt - Oliveira Bairro hat es dankend angenommen. Und wer weiß: Vielleicht wird in ein paar Jahren jemand sagen, hier habe der Aufstieg der kleinen Sensation aus Bairro begonnen. Bis dahin bleibt es einfach die Geschichte eines Abends, an dem Fußball wieder einmal bewiesen hat, dass er keine Logik braucht - nur Mut, Glück und einen Hubnik, der plötzlich trifft. 05.03.644003 19:07 |
Sprücheklopfer
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