Außenseiter
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OSC Bremerhaven ringt Weiden nieder - späte Erlösung in der Nachspielzeit

Ein Freitagabend an der Nordsee, Flutlicht, Wind, Pommesgeruch - und 3536 Zuschauer, die sich im Nordsee-Stadion warm klatschten. Das 3:2 (1:1) des OSC Bremerhaven gegen die SpVgg Weiden am 12. Spieltag der Oberliga D war nichts für schwache Nerven, aber alles für Freunde des gepflegten Herzklopfens.

Schon nach zwölf Minuten ging’s los: Noah Grossmann, der Mann mit der Schuhgröße 46 und dem Torriecher eines Trüffelschweins, verwertete eine butterweiche Flanke von Günter Grimm zum 1:0. "Ich hab’ einfach draufgehauen, der Ball wollte halt auch rein", grinste Grossmann hinterher, während er sich den Schweiß aus den Augen wischte. Trainer Rafael Benitez, sonst eher für taktische Vorträge bekannt, hob tatsächlich beide Daumen: "Das war fast so schön wie in Liverpool - na gut, fast."

Doch Bremerhavens Freude hielt nicht lange. In der 19. Minute tauchte Mike Hammer - nomen est omen - nach einer Ecke auf und wuchtete das Leder mit seinem Schädel in die Maschen. Der Innenverteidiger aus Weiden, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, zeigte plötzlich Torjägerqualitäten. "Ich hab’s einfach mal probiert. Wenn man nicht schießt, kann man auch nicht treffen", philosophierte Hammer später, als hätte er gerade den Ballon d’Or gewonnen.

Bis zur Pause ging es hin und her, Bremerhaven mit leichtem Ballbesitzvorteil (52,7 Prozent) und satten 18 Torschüssen insgesamt - doch Kay Conrad im Weidener Tor hatte einen dieser Abende, an denen man fast Mitleid bekommt. Nur fast.

Nach dem Seitenwechsel wurde’s ruppiger: Fünf Gelbe Karten für Weiden, eine für Bremerhaven - und jede davon mit diskussionswürdigem Unterhaltungswert. Besonders Mike Hammer, inzwischen gelb vorgewarnt, brüllte nach einem Zweikampf mit Noah Grossmann: "Der fällt ja schon, wenn der Wind pfeift!" Der Schiedsrichter reagierte mit einem Blick, der Bände sprach, aber ohne weitere Karte - Nordsee-Fairness eben.

In der 64. Minute dann der nächste Tiefschlag für die Heimfans. Wieder war es Mike Hammer, der nach einer Flanke von Günter Vogt völlig frei stand und das 2:1 für Weiden erzielte. Der Stadionsprecher verkündete das Tor mit hörbarem Schluckauf - die OSC-Fans schauten sich fassungslos an. "Da hinten hat kurz keiner aufgepasst", murmelte OSC-Kapitän Ralf Jones später, "und Hammer hat halt… naja, gehämmert."

Doch Bremerhaven wäre nicht Bremerhaven, wenn sie sich so leicht geschlagen gäben. Sechs Minuten später wieder Grossmann - wieder Grimm mit der Vorlage - und schon stand es 2:2. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch: Flanke, Kopfball, Netz, Jubel. "Wir haben das einstudiert", sagte Benitez nach dem Spiel trocken. "Nur nicht ganz so spät."

Und dann kam die Nachspielzeit. 93. Minute. Ecke für den OSC. Grossmann steigt hoch, verlängert, und wer steht da? Ausgerechnet Ralf Jones, der Innenverteidiger mit der Frisur eines Matrosen und dem Torriecher eines Stürmers. Volley, Tor, 3:2! Das Stadion explodierte. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", lachte Jones später, während Benitez an der Seitenlinie wie ein wilder Dirigent fuchtelte.

Weiden versuchte noch einmal alles, doch OSC-Keeper Olav Max pflückte eine letzte Flanke herunter und klatschte den Ball demonstrativ an sich. Schlusspfiff. Sieg. Erleichterung.

Statistisch gesehen war’s ein verdienter Erfolg: mehr Torschüsse, mehr Ballbesitz, mehr Nerven. Aber Weiden hielt gut dagegen, bissig, unermüdlich - und mit einem Doppeltorschützen, der wohl noch immer nicht versteht, warum er als Innenverteidiger nicht vorne bleiben darf.

"Wenn du in der 93. Minute gewinnst, schmeckt das Bier doppelt so gut", zwinkerte Grossmann in der Mixed Zone. Und Benitez? Der seufzte, grinste und meinte: "Ich wollte eigentlich früh ins Bett. Aber meine Mannschaft hat andere Pläne."

Ein Abend, der wieder einmal zeigte: Fußball in der Oberliga D ist keine Wissenschaft - es ist ehrlicher, schöner Wahnsinn. Und in Bremerhaven darf man jetzt wieder träumen - zumindest bis zum nächsten Freitag, wenn die Nordsee wieder bebt.

29.03.643994 04:24
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