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Wenn ein Fußballspiel schon in der ersten Minute mit einem Tor beginnt, ahnt man: Das wird kein gemütlicher Abend. Hajduk Osijek empfing am 33. Spieltag der 1. Liga Kroatien Medimurje Cakovec - und schickte die Gäste mit einem 4:1 (4:0) nach Hause. 29.202 Zuschauer sahen ein Spiel, das zur Pause bereits entschieden war, und das in der zweiten Hälfte eher an ein Trainingsspiel erinnerte. Es dauerte ganze 47 Sekunden, bis der Ball zum ersten Mal im Netz zappelte. Srdan Maric flankte von rechts, Marino Vrucina rauschte heran und vollendete - 1:0. Trainer Tommek Dee grinste später: "Ich hatte noch nicht einmal meinen Kaffee abgestellt, da stand’s schon 1:0. Das ist mir in 20 Jahren noch nicht passiert." Und Osijek machte weiter, als wollte man alle Zweifel an der eigenen Offensivkraft mit einem Feuerwerk beseitigen. In der 11. Minute erhöhte der 19-jährige Dimas Chalana nach feiner Vorarbeit von Rechtsverteidiger Ivica Boban auf 2:0. Elf Minuten später wieder Vrucina - wieder flankte Maric, wieder zappelte das Tornetz. "Wir haben dieselbe Kombination im Training hundertmal geübt", sagte Maric später und grinste: "Und Marino trifft halt, wenn’s zählt." Als Chalana in der 41. Minute erneut zuschlug, diesmal nach Vorarbeit - natürlich - von Maric, war das Spiel im Grunde entschieden. 4:0 zur Pause, 14 Torschüsse insgesamt, 56 Prozent Ballbesitz - das war ein Klassenunterschied. Gästecoach Rocky Pet stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, sein Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Fassungslosigkeit und Galgenhumor. "Wir hatten eigentlich vor, selbst offensiv zu spielen", sagte er später. "Aber Osijek hat das Konzept ’Offensiv’ offenbar etwas ernster genommen als wir." Die zweite Halbzeit begann mit einem Dreifachwechsel bei Osijek. Der 17-jährige Vladimir Krizanac ersetzte den Doppeltorschützen Chalana, im Tor durfte der junge Josip Kovacevic ran - wohl, um auch ihm ein bisschen Erstligaluft zu gönnen. Der Rest des Spiels plätscherte dahin. Osijek verwaltete, Cakovec kämpfte um Schadensbegrenzung. Einziger Lichtblick für die Gäste: Arnau Prieto traf in der 69. Minute nach Pass von Vincent Mocana zum 4:1 - ein sehenswerter Schuss aus spitzem Winkel, der Kovacevic keine Chance ließ. Prieto war damit der auffälligste Mann auf Cakovecs Seite. Drei Torschüsse, ein Tor - der junge Spanier war einer der wenigen, die sich gegen die Niederlage stemmten. "Ich wollte wenigstens ein Lächeln auf die Gesichter unserer Fans zaubern", sagte er nach dem Spiel. "Es wurde dann halt ein sehr kleines Lächeln." Seine Kollegen sahen das ähnlich. Innenverteidiger Diego Cunha hatte sich schon in der 38. Minute eine Gelbe Karte abgeholt, wohl aus purer Verzweiflung über die schnellen Gegentore. Hajduk Osijek spielte derweil mit der Selbstverständlichkeit eines Teams, das genau weiß, was es kann. 55,9 Prozent Ballbesitz, 53,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und eine Präzision, die Cakovec nie fand. Besonders auffällig: Das Angriffstrio Vrucina, Chalana und Maric - jung, hungrig, technisch stark. Trainer Dee fasste es trocken zusammen: "Wenn die sich verstehen, sieht das manchmal aus wie PlayStation-Fußball. Nur dass man den Controller nicht ausschalten kann, wenn’s dem Gegner zu viel wird." Nach Abpfiff feierten die Fans ihre Mannschaft mit Sprechchören, während Rocky Pet seine Spieler zu einer kurzen Aussprache bat. "Ich habe ihnen gesagt, dass man auch aus solchen Abenden lernen kann", erklärte er später schmunzelnd. "Zum Beispiel, dass man Marino Vrucina besser nicht allein lässt." Osijek darf nach diesem Sieg weiter von den oberen Tabellenplätzen träumen, Cakovec hingegen muss sich fragen, ob die offensive Ausrichtung, die Trainer Pet trotz des Debakels beibehielt, wirklich der richtige Weg ist. Aber immerhin: Sie haben es versucht. Und wer weiß - vielleicht war die zweite Halbzeit ohne Gegentor ja der Anfang einer kleinen Stabilisierung. Zum Schluss noch eine Szene, die sinnbildlich für den Abend steht: In der 80. Minute zieht der 17-jährige Krizanac ab, der Ball zischt knapp vorbei - und Vrucina klopft ihm auf die Schulter. "Nächste Woche machst du ihn rein", ruft er lachend. Wenn das kein Mannschaftsgeist ist, was dann? So bleibt Osijek nach 90 Minuten ein verdienter 4:1-Sieger, mit zwei Doppeltorschützen und einem Publikum, das vom ersten Moment an auf den Sitzen stand. Cakovec dagegen wird die Busfahrt nach Hause wohl mit der Erkenntnis verbringen, dass im modernen Fußball schon die erste Minute entscheidend sein kann - manchmal leider im falschen Tor. 04.02.643997 04:49 |
Sprücheklopfer
Der Trainer hat gesagt, wir sollen uns am Gegner festbeißen. Das habe ich versucht zu beherzigen.
Oliver Kahn zum Wangenbiss gegen Heiko Herrlich