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Ein lauer Juniabend, 36.610 Zuschauer und ein Osnabrücker Team, das offenbar beschlossen hatte, sämtliche aufgestauten Frühlingsgefühle in Tore umzuwandeln. Am 12. Spieltag der 1. Liga Deutschland wurde die SpVgg Unterhaching mit 8:0 aus dem Stadion geschossen - und das ist noch freundlich formuliert. Von Beginn an war klar: Hier treffen zwei Mannschaften mit sehr unterschiedlicher Tagesform aufeinander. Osnabrück, unter der Leitung von Trainer Carsten Baumann, spielte von der ersten Minute an offensiv, bissig, geradezu übermotiviert - und Unterhaching, gecoacht von Maria Meister, wirkte, als hätte man den Anpfiff mit einem sanften Weckerklingeln verwechselt. Bereits in der 14. Minute zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz. Benjamin Heuer traf nach Vorlage von Heinz Lemke, und das Publikum jubelte, als hätte man gerade den Klassenerhalt sicher. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Heuer nach dem Spiel. "Der Ball wollte wohl auch einfach rein." Dann folgte das, was man in Osnabrück künftig wohl "Dirk-Mai-Doppelpack" nennen wird. Der Innenverteidiger - ja, Innenverteidiger! - schoss in der 26. und 31. Minute zwei blitzsaubere Tore. Einmal nach einer Ecke, einmal nach einem feinen Pass von Horst Ebert. "Ich wollte eigentlich nur aufräumen hinten", sagte Mai lachend, "aber irgendwann lag der Ball halt so schön da - na ja, dann macht man das halt." Spätestens beim 4:0 kurz vor der Pause durch den jungen Finn Schöne (43.) war Unterhaching moralisch bereits auf der Heimfahrt. "Da war einfach zu viel Bewegung, zu viel Tempo", analysierte Trainerin Meister nüchtern. "Und manchmal auch zu viel Ball im eigenen Strafraum." Nach der Pause wurde es dann schlicht grotesk. Kaum hatte der Schiedsrichter die zweite Hälfte angepfiffen, erhöhte Liam Wahl (46.) auf 5:0 - Vorlage erneut Lemke, der an diesem Abend offenbar überall gleichzeitig war. Wahl legte in der 65. Minute noch einmal nach, und man hätte schwören können, dass selbst die Eckfahne applaudierte. Doch Osnabrück hatte noch nicht genug. In der 66. Minute kam der frisch eingewechselte Jannik Köhler und traf nach Pass von Gustav Greiner - 7:0. Und als sich die meisten Zuschauer schon überlegten, ob sie den Bus früher nehmen, machte eben jener Köhler in der 90. Minute den Deckel drauf - 8:0, Vorlage Finn Schöne. Die Statistik lieferte das passende Zahlenmaterial zum Spektakel: 21 Torschüsse für Osnabrück, nur ein einziger für Unterhaching - ein kümmerlicher Versuch von Julian Costa in der 80. Minute. Ballbesitz? Fast ausgeglichen (52 zu 48 Prozent), was nur beweist, dass man auch mit dem Ball in den eigenen Reihen ziemlich hilflos aussehen kann. Die Gäste kämpften zwar redlich, aber spätestens nach der Verletzung von Björn Mortensen in der Nachspielzeit und der Notauswechslung von Josef Kimmich war der Abend endgültig gelaufen. "Wir haben einfach keinen Zugriff bekommen", murmelte Kapitän Nael Morais, "und irgendwann war’s dann mehr ein Überlebenstraining." Osnabrück hingegen spielte, als sei das Tor ein Magnet. Trainer Baumann wirkte nach dem Spiel fast ein wenig verlegen: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben - dass sie das so wörtlich nehmen, überrascht mich dann doch." Eine kleine Randnotiz: In der 95. Minute sah Finn Schöne noch Gelb - offenbar wollte er wenigstens in einer Statistik nicht leer ausgehen. Am Ende blieb den Fans der SpVgg Unterhaching nur das Pfeifen im Walde. "So ein Spiel passiert vielleicht einmal im Jahrzehnt", versuchte Trainerin Meister zu trösten. "Blöd nur, dass es diesmal wir waren, die das Jahrzehnt eröffnet haben." Osnabrück indes feierte ausgelassen. Liam Wahl tanzte mit den Balljungen, Dirk Mai ließ sich von der Kurve feiern, und Finn Schöne grinste, als hätte er gerade das Lotto gewonnen. Ein 8:0, das in die Vereinschronik eingehen dürfte - und Unterhaching eine lange Rückfahrt mit vielen offenen Fragen bescherte. Zum Schluss blieb Reporterwitz Nummer eins auf der Tribüne: "Wenn das so weitergeht, müssen sie nächste Woche das Tornetz austauschen - aus Überlastungsgründen." Ein Abend, der Osnabrück zum Lächeln brachte - und Unterhaching wahrscheinlich noch im Schlaf verfolgen wird. 23.02.644003 15:45 |
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Der Deutsche hat nie Angst.
Berti Vogts