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Es war ein Sonntagabend, an dem die Flutlichtmasten des Stadions an der Bremer Brücke wohl selbst ein wenig ins Schwitzen kamen. 41.790 Zuschauer sahen, wie der VfL Osnabrück Ludwigshafen mit 6:3 vom Platz fegte - und das mit einer Mischung aus Spielfreude, Chaos und purem Offensivdrang, die selbst Trainer Carsten Baumann nach Abpfiff leicht fassungslos zurückließ: "Ich wollte eigentlich defensiver stehen. Aber dann dachte ich: Ach, lassen wir’s krachen." Schon die ersten Minuten deuteten an, dass Osnabrück an diesem 20. Spieltag der 1. Liga Deutschland keine Lust auf taktische Langeweile hatte. Liam Wahl prüfte Gäste-Keeper Alberto Corona bereits in der 5. Minute, Torsten Reiter legte nach - und die Fans sangen, als wäre das Spiel schon entschieden. Doch dann kam der erste Stich: In der 24. Minute schob Benjamin Heuer nach feinem Zuspiel von Marvin Kroll zum 1:0 ein. "Ich hab’ den Ball einfach mal mitgenommen, und plötzlich war das Tor da", grinste Heuer später, als wüsste er selbst nicht genau, wie ihm geschehen war. Wahl legte in der 36. Minute nach - diesmal nach einem mustergültigen Pass des rechten Verteidigers Andre Heller. Ludwigshafen wirkte konsterniert, und Trainer Frank Seil brüllte von der Seitenlinie: "Leute, das ist kein Trainingsspiel!" Doch kaum hatte er’s gesagt, traf Esteban Prieto (38.) nach Vorlage von Joel Fournier - der kurz darauf mit einem Schulterzucken erklärte: "Wir wollten zeigen, dass wir auch noch da sind. Hat kurz funktioniert." Nur drei Minuten später stellte wieder Heuer auf 3:1 - diesmal nach Vorarbeit von Patrik Voss. Damit ging es in die Kabinen, und im Presseraum fragte ein Kollege halblaut: "Hat jemand das Drehbuch für dieses Spiel gesehen?" In der Pause schien Seil seine Mannschaft zumindest kurz wachgerüttelt zu haben. Ludwigshafen kam mit Mut aus der Kabine, und in der 58. Minute zirkelte Abbas Bischara eine Hereingabe von Bradley Primes zum 3:2-Anschluss ins Netz. Doch Osnabrück reagierte wie ein wütender Boxer: Heuer (65.) mit seinem dritten Treffer nach Vorlage von Marco Richter, und nur eine Minute später Wahl mit seinem zweiten Tor - nach einer Ecke von Dirk Mai. 5:2, und die Bremer Brücke bebte. "Wir haben einfach weitergemacht. Irgendwann verliert man da den Überblick, ob’s das vierte oder fünfte Tor war", lachte Heuer, der mit drei Treffern und einem Dauergrinsen zum Mann des Abends wurde. Ludwigshafen zeigte immerhin Charakter. Der eingewechselte 19-jährige Maurizio Domanico durfte in der 80. Minute sein erstes Bundesligator feiern - nach Pass von Bischara. "Ich hatte einfach Bock, den Ball ins Tornetz zu schießen", sagte er trocken. Doch auch hier legte Osnabrück noch einen drauf: Wahl schnürte in der 87. Minute seinen Hattrick, nach Vorlage von Richter. 6:3 - der Rest war Jubel, Applaus und ein wenig Mitleid mit Ludwigshafen. Statistisch gesehen war das Spiel erstaunlich ausgeglichen: 50,8 Prozent Ballbesitz für Ludwigshafen, 49,2 für Osnabrück. Doch bei 19 zu 11 Torschüssen war klar, wer den Unterschied machte. Während Osnabrück mit jedem Angriff roch, als könne daraus ein Tor entstehen, schienen die Gäste zu oft an ihren eigenen Ambitionen zu scheitern. "Wir hatten unsere Momente, aber Osnabrück hatte einfach mehr Lust auf Spektakel", gab Seil später zu, während er seinen herausragenden, aber bedauernswerten Torwart Corona tröstete. Taktisch blieb Baumann seiner Linie treu: Offensiv, aggressiv, jederzeit bereit, aus allen Lagen zu schießen. "ANYTIME heißt bei uns wirklich anytime", grinste er, als er die Statistik sah. Ludwigshafen dagegen blieb zwar offensiv ausgerichtet, aber ohne Pressing und mit zu viel Raum zwischen den Linien - eine Einladung, die Heuer und Wahl dankbar annahmen. Als die Fans nach Abpfiff ihre Schals schwenkten, rief ein euphorischer Zuschauer: "Das war kein Fußballspiel - das war ein Konzert!" Und ganz ehrlich: Bei diesem Rhythmus aus Torjubel und Raunen hätte selbst Beethoven wohl mitgewippt. Baumann verabschiedete sich schließlich mit einem süffisanten Kommentar: "Wenn wir so weitermachen, müssen wir bald Eintritt fürs Toreschießen verlangen." Und auch wenn das wohl ein Scherz war - an diesem Abend zahlten die Zuschauer gern. Ein Spiel voller Tempo, Tore und Zitate - kurz: ein Sonntagskrimi in Lila-Weiß. 15.09.643996 22:12 |
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