// Startseite
| Sportecho |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Ein lauer Aprilabend, 43 741 Zuschauer im Stadion an der Bremer Brücke - und ein Spiel, das selbst hartgesottene Statistikfreunde zu Emotionen zwang. Am 31. Spieltag der 1. Liga Deutschland trennten sich der VfL Osnabrück und der Bonner SC mit einem spektakulären 3:3 (2:0). Sechs Tore, eine rote Karte, Emotionen zwischen Jubel und Fluch - Fußball in seiner schönsten Unvernunft. Osnabrück begann, als hätte Trainer Carsten Baumann seinen Spielern Espresso intravenös verabreicht. Schon in der 3. Minute klingelte es: Torsten Reiter verwertete einen feinen Steckpass von Helmut Göbel - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten, der Ball wollte wohl rein", grinste Reiter später, während sein Trikot noch dampfte. Nur sechs Minuten später drehte Göbel den Spieß um: Nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Andre Heller zog der Mittelfeldmotor selbst ab - 2:0. Der Bonner SC wirkte in dieser Phase wie ein Tourist ohne Stadtplan: viel Bewegung, wenig Orientierung. Osnabrück hatte zwar nur 46 Prozent Ballbesitz, aber dafür jede Menge Effizienz und Biss. Bonn, das laut Coach Lukas Teuber "eigentlich über die Flügel kommen wollte", kam kaum über die Mittellinie hinaus. Detlev Hafner und Antonio Gutierrez, die beiden Flügelraketen, zündeten zwar öfter, aber nur selten in Richtung Tor. 2:0 zur Pause - die Sache schien entschieden. Doch wer den Fußball kennt, weiß: Scheintod ist nicht tot. Nach der Pause kam Bonn wie ausgewechselt zurück. In der 47. Minute nutzte Gutierrez eine Unachtsamkeit in der Osnabrücker Defensive - 2:1. Julien Bonnaire hatte den Angriff fein eingeleitet. Die 43 000 im Stadion schauten irritiert, als hätte jemand den falschen Film eingelegt. Nur vier Minuten später stellte Gustav Greiner mit einem trockenen Rechtsschuss aus 18 Metern den alten Abstand wieder her - 3:1. "Da dachte ich, das war’s", gab Baumann später zu. "Fehler. Großer Fehler." Denn Bonn, inzwischen mit blankem Mut und leichtem Wahnsinn ausgestattet, startete die große Aufholjagd. Innenverteidiger Daniele Simeri Crichi schraubte sich in der 68. Minute nach einer Ecke in die Luft und köpfte zum 3:2 ein. Vier Minuten später war erneut Gutierrez zur Stelle - 3:3! Sein zweiter Treffer, diesmal nach Vorarbeit eben jenes Simeri Crichi. "Ich hab ihm gesagt, er solle einfach die Bälle reinbringen, notfalls mit der Stirn", lachte der Torschütze später. Trainer Teuber kommentierte trocken: "Ich wusste, dass wir zurückkommen. Also, zumindest hab ich’s gehofft." Das Spiel wurde danach zunehmend hitzig. Osnabrücks junger Innenverteidiger Meik Hess sah Gelb bei seinem ersten Zweikampf - und legte mit robustem Einsatz nach. Auch Dirk Mai durfte sich die Verwarnung abholen. Auf Bonner Seite geriet Joao Varela in den Mittelpunkt: Zuerst Gelb in der 83. Minute, dann Rot drei Minuten später. "Er hat wohl gedacht, Rot steht ihm besser", murmelte ein Fan auf der Tribüne, während Varela kopfschüttelnd vom Platz stapfte. Die letzten Minuten glichen einem offenen Schlagabtausch. Osnabrück wollte den Sieg, Bonn wollte Geschichte schreiben. Liam Wahl verpasste in der 75. Minute aus spitzem Winkel, Patrick Herrmann prüfte in der Nachspielzeit Torwart Mirko Okonski. Auf der Gegenseite zwang Hafner in der 96. Minute Keeper Karl Wagner zu einer Glanztat. Der Ballbesitz - 54 Prozent für Bonn - spiegelte das Bild der zweiten Hälfte wider: Osnabrück verteidigte, Bonn drückte. Nach dem Abpfiff standen beide Trainer nebeneinander, als wüssten sie nicht, ob sie sich umarmen oder streiten sollen. "Das war kein Punktgewinn, das war eine Charakterprüfung", sagte Baumann. Teuber konterte: "Wir sind wie ein alter Diesel - wir brauchen halt 45 Minuten, um warm zu werden." Die Fans verabschiedeten beide Teams mit Applaus - und einem leicht ungläubigen Kopfschütteln. Ein Spiel, das man eigentlich zweimal ansehen müsste, um es zu glauben: Osnabrück mit der Blitzführung, Bonn mit der Wut im Bauch, sechs Tore, eine rote Karte, und ein Ergebnis, das niemandem wirklich schmeckt, aber allen im Gedächtnis bleibt. Und irgendwo in der Kabine von Osnabrück soll Helmut Göbel leise gesagt haben: "Wenn wir schon Drama spielen, dann wenigstens mit Stil." Man kann ihm schwer widersprechen. 11.01.643997 22:47 |
Sprücheklopfer
Der ist noch nicht hier. Der Flug nach Kapstadt war ein Nichtraucherflug. Da konnte er nicht.
Berti Vogts über die verspätete Ankunft von Mario Basler in Südafrika