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Osnabrück verzweifelt - TuS Hordel schießt sich ins Viertelfinale

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze - und manchmal auch seinen eigenen Humor. 53.100 Zuschauer in Osnabrück erlebten an diesem Aprilabend ein Spiel, das an Ironie kaum zu überbieten war: Der Favorit stürmte, kombinierte, schoss aus allen Lagen - und stand am Ende mit leeren Händen da. TuS Hordel dagegen nutzte seine Chancen mit der Effizienz eines Schweizer Uhrwerks und siegte im Achtelfinale des Pokals mit 2:1 nach Verlängerung.

Schon die Anfangsminuten ließen erahnen, was kommen sollte. Osnabrück spielte, als wolle man das Torverhältnis in einem Spiel aufpolieren. Torsten Reiter prüfte Hordel-Keeper Jacob Montgomery bereits in der vierten Minute, Patrik Voss legte nach, Liam Wahl und Benjamin Heuer reihten sich ein - doch das Netz zitterte nicht. Und dann, wie aus dem Nichts, kam die kalte Dusche: In der 16. Minute konterte Hordel eiskalt. Olav Anders spielte einen dieser Pässe, die man nur in Zeitlupe richtig würdigen kann, und Ernst Kunkel drosch den Ball unhaltbar unter die Latte. 0:1 - und das Stadion verstummte für einen Moment.

"Ich dachte, der Ball sei schon draußen", stöhnte Osnabrücks Keeper Karl Wagner später. "War er aber leider nicht."

Doch die Lila-Weißen ließen sich nicht hängen. Benjamin Heuer, quirlig wie ein Kaffeetrinker auf doppeltem Espresso, traf in der 29. Minute nach feiner Vorlage von Marco Richter zum Ausgleich. Das Stadion tobte, und Trainer Carsten Baumann brüllte von der Seitenlinie: "Jetzt sind wir da!". Da war man tatsächlich - aber nur in der Statistik. 26 Torschüsse sollten es am Ende sein, doch kein weiterer fand den Weg vorbei an Montgomery, der an diesem Abend offenbar magnetische Handschuhe trug.

Die zweite Hälfte wurde zur One-Man-Show des Pechs. Ralph Wirth, der 18-jährige Joker, kam für Liam Wahl und wirbelte unermüdlich. "Ich hab einfach draufgehalten, aber der Ball mochte mich heute nicht", grinste er nach dem Spiel. Patrik Voss zielte, Heuer zielte, Reiter zielte - und alle verfehlten knapp oder scheiterten am Hordeler Schlussmann.

TuS Hordel hingegen tat, was Underdogs tun: Sie lauerten, kämpften, konterten. Trainerin Ute Finkeldy stand meist mit verschränkten Armen am Spielfeldrand, sah aber innerlich wohl schon das Viertelfinale winken. "Wir wussten, dass sie kommen würden. Also haben wir einfach gewartet, bis sie müde sind", erklärte sie trocken.

Die Schlussphase der regulären Spielzeit war ein Abnutzungskrieg. Gelbe Karten für Hellers beherztes Grätschen und Runges Zeitspiel sorgten für die nötige Würze. Als es in die Verlängerung ging, wirkte Osnabrück leer - körperlich wie emotional.

Dann kam die 112. Minute. Hordel hatte einen dieser seltenen Entlastungsangriffe. Innenverteidiger Luke Kinsella, bis dahin eher mit Klärungsaktionen beschäftigt, schickte Fjodor Koroljuk steil. Der 31-Jährige blieb eiskalt und schob zum 2:1 ein. Der Gästeblock explodierte, 500 Hordel-Fans schrien sich heiser, während in Osnabrück nur noch das Rascheln der Papierbecher zu hören war.

"Ich hab einfach drauf vertraut, dass Fjodor den macht", sagte Kinsella später lachend. "Der Mann hat Nerven wie Beton."

In den verbleibenden Minuten versuchte Osnabrück alles. Reiter und der junge Wirth prüften Montgomery noch einmal, Marvin Kroll humpelte nach einer Kollision vom Platz, und Baumann brüllte verzweifelt: "Noch einmal alles nach vorn!" Doch es blieb beim 1:2.

Statistisch gesehen war das Ergebnis ein Witz: 57 Prozent Ballbesitz für Hordel, aber nur 10 Torschüsse. Osnabrück dagegen 26 Versuche, mehr Ecken, mehr Zweikämpfe gewonnen - nur eben ein Tor zu wenig. "Fußball ist manchmal grausam, aber nie langweilig", murmelte Baumann in der Pressekonferenz, während er seine Kaffeetasse umklammerte.

Und Finkeldy? Sie grinste nur: "Wir haben’s halt clever gemacht. Manchmal reicht das."

So endet ein Pokalabend, der wieder einmal bewies, dass Herz, Glück und ein Torwart in Topform mehr zählen als Ballbesitz und Statistik. Osnabrück muss sich an diesem bitteren Abend an die eigene Nase fassen - und TuS Hordel darf weiterträumen.

Ein Osnabrück-Fan, der beim Abpfiff in die Kamera winkte, brachte es auf den Punkt: "Lieber raus mit Krach als leise verschwinden." Ein Trost, wenn auch ein schwacher. Doch immerhin: Der Pokal bleibt spannend - und ein bisschen verrückt, so wie er sein soll.

18.09.643996 03:46
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