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Es gibt Fußballabende, da helfen auch 53 Prozent Ballbesitz nichts. Der 25. Spieltag der 1. Liga Chile sah in Sota Swager einen Gastgeber, der zwar den Ball, aber nie die Kontrolle hatte. UD Osorno, trainiert von niemand Geringerem als Jürgen Klopp, kam, sah und siegte - und zwar mit einer Effizienz, die man sonst nur von einem gut geölten Maschinenraum kennt. 0:3 hieß es am Ende, und das war fast noch schmeichelhaft für die Swager, die sich vor 12.500 Zuschauern im eigenen Stadion phasenweise wie Statisten vorkommen mussten. Dabei begann alles so hoffnungsvoll. Trainer der Heimelf (dessen Name man nach dieser Vorstellung besser verschweigt) ließ seine Mannschaft in balancierter Formation auflaufen - kontrollierter Ballbesitz, sicheres Passspiel, kein Pressing. Das sah in den ersten Minuten gar nicht so übel aus, bis Adriano de Gogorza in der 18. Minute beschloss, dem Geschehen eine Richtung zu geben. Ein trockener Abschluss ins rechte Eck, und schon stand es 0:1. Der 35-Jährige grinste später: "Ich dachte, der Torwart hat’s, aber dann hat er’s wohl nicht gehabt." Vier Minuten später folgte das, was man in der Fachsprache "Doppelschlag" nennt. Jacinto Bergantinos, der rechte Flügelwirbel Osornos, verwandelte nach Vorlage von Alessandro Petrizzi zum 0:2. Da waren gerade mal 22 Minuten gespielt, und man konnte Klopp schon an der Seitenlinie mit einem dieser typischen "Alles läuft nach Plan"-Lächeln sehen. Sota Swager? Reagierte. Mit einem Torschuss. Xavier Mocana probierte es in der 36. Minute, sein zweiter Versuch des Abends. Beide Male: kein Problem für Ignacio Antolin im Osorno-Tor, der sich mehr mit dem Zuschauen als mit dem Halten beschäftigte. Zwei Torschüsse in 90 Minuten - das ist kein Angriffsspiel, das ist ein höflicher Hinweis an den Gegner, dass man theoretisch auch schießen könnte. Kurz vor der Pause traf Bergantinos erneut, diesmal nach feiner Vorarbeit von Juanito Esclapez. 0:3, Halbzeit - und das Spiel im Grunde gegessen. Klopp sah zufrieden aus, aber man kennt ihn: Selbst beim 3:0 zupft er an der Kappe. "Ich mochte, wie wir mit dem Ball umgegangen sind. Nur bei den Gelben Karten war’s ein bisschen zu viel Liebe zum Körperkontakt", grinste er später in die Kameras. Seine Spieler hatten sich gleich vier Verwarnungen abgeholt - Longas (23.), Alves (33.), Baiao (62.) und Marquez (90.) - eine kleine Sammlung für die Teamvitrine. Die zweite Halbzeit verlief wie ein Trainingsspiel. UD Osorno hatte Spaß am Kombinieren, spielte flüssig, ohne das Tempo zu überziehen. 18 Torschüsse insgesamt - das ist fast schon unhöflich, wenn man bedenkt, dass der Gegner ganze zwei zustande brachte. Die Statistik zeigte ein paradoxes Bild: Mehr Ballbesitz für Sota Swager, aber weniger Zugriff. 41 Prozent gewonnene Zweikämpfe - oder, wie man im Volksmund sagt: "Wir waren stets bemüht." In der 50. Minute wechselte Klopp den Doppelstürmer: Valentin Henriksson kam für Adriano de Gogorza, ein Zeichen, dass Osorno auch mit neuem Personal weiter Druck machen wollte. Henriksson meldete sich prompt mit drei gefährlichen Abschlüssen (51., 53., 56.), scheiterte aber am guten Reflex von Keeper Daniel Delmas. In der 60. Minute durfte auch der junge Rui Marquez ran, und spätestens da war klar: Klopp gönnte seinen Altstars etwas Ruhe. Sota Swager hingegen blieb blass. Kein Pressing, kein Biss, keine Idee. Selbst die Fans auf den Rängen wirkten irgendwann apathisch - einer soll gerufen haben: "Wenigstens haben wir Ballbesitz!" Das Publikum lachte, dann gähnte es wieder. Mario Carvalho holte sich in der 92. Minute noch eine Gelbe ab, wohl um wenigstens einmal in der Statistik aufzutauchen. Nach Abpfiff sprach UD-Goalgetter Bergantinos mit einem verschmitzten Lächeln: "Ich hätte gern noch eins gemacht, aber Klopp meinte, er mag es nicht, wenn’s zu deutlich wird." Der Trainer stand daneben und lachte laut - typisch Klopp. Was bleibt? Ein souveräner Auswärtssieg, der UD Osorno weiter in die obere Tabellenhälfte spült. Ein Spiel, das zeigte, dass Offensivgeist und taktische Klarheit auch in Chile funktionieren. Und ein Heimteam, das nachdenken muss, ob 53 Prozent Ballbesitz ohne Durchschlagskraft wirklich eine Taktik oder nur eine Illusion sind. Vielleicht bringt der nächste Spieltag Erlösung. Vielleicht auch nur wieder Ballbesitz. Schlussfazit: Klopp kann’s eben auch in den Anden - und Sota Swager hat jetzt 90 Minuten Videomaterial darüber, wie man’s besser macht. 25.03.644000 19:29 |
Sprücheklopfer
Eines steht fest: Bis Weihnachten ist die Meisterschaft noch nicht entschieden.
Mario Basler