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Ein lauer Aprilabend in Sizilien, 27.000 Zuschauer im Stadio Renzo Barbera, und doch lag über der Partie zwischen Palermo Calcio und Como eine gewisse Schwere - als hätte jemand die Energie aus dem Flutlicht gesaugt. Am Ende gewann Como mit 1:0 und darf sich über drei Punkte freuen, die in der Tabelle mehr glänzen als das Spiel selbst. Das Tor des Abends fiel früh, in der zehnten Minute. Jörn Bendtsen, der zentrale Mittelfeldmann der Gäste, nahm sich ein Herz und traf nach Vorlage von Fabio Oliveira aus rund 18 Metern - flach, präzise, unhaltbar. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Bendtsen später, "aber manchmal hört der Ball einfach nicht auf mich." So einfach kann Fußball sein. Palermo war nach dem frühen Rückstand sichtlich um Fassung bemüht. Die Mannschaft von Trainer - der Name blieb an diesem Abend so blass wie die Offensive - hatte zwar 51 Prozent Ballbesitz, aber das war eine Statistik ohne Substanz. "Wir hatten den Ball, aber nicht die Idee", murmelte Rechtsaußen Alessio Lucido nach dem Schlusspfiff und schaute dabei, als hätte er gerade erst verstanden, dass Ballbesitz keine Punkte bringt. Como dagegen spielte schnörkellos und mit norditalienischer Pragmatik. 16 Torschüsse, also mehr als doppelt so viele wie Palermo (7), und das, obwohl Trainer Peter Hess seine Mannschaft vor dem Spiel noch gewarnt hatte: "In Palermo darfst du nicht zu viel wollen, sonst bekommst du den Ball und eine Ohrfeige dazu." Eine Ohrfeige bekam Como nicht - eher einen Applaus für die Effizienz. Ein kleiner Schreckmoment in der 31. Minute: Comos Flügelflitzer Ivan Jertec verletzte sich nach einem Zweikampf und musste vom Platz. Der erst 20-jährige Gianfranco Fuscaldo kam und machte seinen Job solide - zumindest so lange, bis er in der 71. Minute wieder einen Ball über das Stadiondach drosch. "Ich wollte zeigen, dass ich Kraft habe", meinte Fuscaldo später mit einem Augenzwinkern. Palermo versuchte es mit allem, was die Offensive hergab: Cesc Navarro prüfte früh den Keeper (2.), Giacomo Serra schoss zweimal knapp vorbei (18.), und in der 88. Minute hatte Matteo Cardinali noch einmal die große Gelegenheit - doch Comos Torwart Daniel Brady reagierte blitzschnell. "Ich hab einfach die Hände hochgerissen und gehofft, dass mich keiner anschießt", lachte der Keeper. Glück gehabt - oder gutes Torwartspiel, je nach Perspektive. Die Zuschauer reagierten zunehmend zappelig. Zwischen dem 60. und 80. Minute hörte man kaum noch Gesänge, dafür das Rascheln von Chipstüten. Palermo spielte, als wolle man das 0:1 in aller Ruhe konservieren, Como lauerte auf den entscheidenden Konter. Der blieb zwar aus, aber der Vorsprung hielt. Zwei Gelbe Karten zückte der Schiedsrichter: Julian Ruy sah in der 21. Minute Gelb für ein rustikales Einsteigen - vermutlich mehr aus Versehen als aus Bosheit -, und kurz vor Schluss erwischte es Filippo Cerutti, der sich mit einem taktischen Foul den Applaus seiner Bank verdiente. "Wir wollten das Ergebnis sichern, und manchmal braucht es da eben italienische Mittel", sagte Hess trocken. Taktisch blieb Palermo über 90 Minuten "balanciert", also weder Fisch noch Fleisch. Kein Pressing, kein Risiko, kein Ertrag. Como hingegen zeigte Einsatz, spielte ebenfalls ausgewogen, aber mit mehr Biss. Kein Wunder, dass die Zweikampfquote mit 53 Prozent zu Gunsten der Gäste ausfiel. Nach dem Schlusspfiff wirkte Palermo-Coach ratlos. "Wir haben alles gegeben", behauptete er, während hinter ihm der Mannschaftsbus rückwärts einparkte - symbolischer hätte die Szene kaum sein können. Für Como war es ein Arbeitssieg, für Palermo eine Erinnerung daran, dass Ballbesitz keine Währung ist, wenn man das Tor nicht trifft. Und während die Zuschauer langsam das Stadion verließen, summte einer leise: "Ein Tor reicht auch." Recht hat er. Ein zähes, aber ehrliches Fußballspiel, in dem Como den einen Moment nutzte, den Palermo nie fand. Ein 0:1, das so nüchtern war wie ein Espresso um Mitternacht - bitter, stark und irgendwie typisch italienisch. 12.01.643997 01:48 |
Sprücheklopfer
Der Jürgen Klinsmann und ich, wir sind ein gutes Trio. Ich meinte: ein Quartett.
Fritz Walter Junior