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Ein lauer Frühlingsabend in Sizilien, 43.500 Zuschauer im Stadio Partinico, und alles roch nach einem dieser Spiele, die man später mit einem Seufzen und einem "Ach ja, das war was!" erinnert. Am 17. Spieltag der 1. Liga Italien lieferten sich Partinico Calcio und Gela ein 3:3-Spektakel, das alles bot: Verzweiflung, Wut, Hoffnung - und eine Prise Chaos. Die Partie begann, wie so viele Heimspiele Partinicos beginnen: mit viel Elan, aber wenig Zielwasser. Während die Gastgeber anfangs mehr den Ball streichelten, als ihn zu attackieren, war Gela von Anfang an auf den Punkt da. Bereits in der 21. Minute klingelte es im Kasten der Hausherren - Filipe Meira, der rechte Flügelflitzer aus Portugal, traf nach Vorlage von David Martin. "Ich hab einfach draufgehalten. Und als ich den Jubel hörte, wusste ich: diesmal war’s kein Einwurf", grinste Meira später. Partinico war geschockt. Und wenn man schon taumelt, dann richtig: In der 39. Minute legte Julien Matthieu für die Gäste nach. Der französische Routinier setzte sich nach Pass von Marco Frechaut durch und schob eiskalt zum 0:2 ein. Trainer Ryana Meggi wirkte an der Seitenlinie, als überlege sie kurz, ob sie nicht lieber eine andere Sportart trainieren sollte. "Wir waren in der ersten Halbzeit zu brav, fast höflich. Ich hatte Angst, meine Jungs entschuldigen sich gleich beim Gegner fürs Tackling", spottete sie später. Gela dominierte: 13 Torschüsse insgesamt, 53 Prozent Ballbesitz, und eine Abwehr, die bis zur Pause kaum etwas zuließ. Der Plan von Trainer Michael Müller - "ausgewogen, aber mit Biss" - ging auf. Zumindest bis die zweite Halbzeit begann - und Partinico plötzlich beschloss, Fußball zu spielen. In der 52. Minute zündete Amaury Xavier, der bullige Mittelstürmer, den Turbo. Nach klugem Zuspiel von George Desjardins donnerte er den Ball zum 1:2 ins Netz. Kaum hatte das Stadion den Torjubel verdaut, da schlug Niccolò Montanari in der 53. Minute schon wieder zu - diesmal nach einer butterweichen Flanke von Eric Pienaar. Zwei Tore in einer Minute - und Partinico war wieder da. "Ich weiß nicht, was Meggi uns in der Pause gesagt hat, aber ich hatte plötzlich Angst, nicht genug zu laufen", witzelte Montanari nach dem Spiel. Die Trainerin hatte offenbar den richtigen Nerv getroffen. Gela dagegen verlor für einen Moment die Ordnung - und Müller brüllte an der Seitenlinie so laut, dass selbst die Ultras kurz verstummten. Doch Gela wäre nicht Gela, wenn sie nicht kontern könnten. In der 77. Minute war es erneut Matthieu, der nach Vorlage von Martin das 3:2 erzielte. Der 32-Jährige jubelte mit ausgestreckten Armen - und sah dabei aus, als wolle er sagen: "So, Kinder, so macht man das!" Aber Partinico hatte das letzte Wort. In der 88. Minute, als viele schon mit einer Auswärtsniederlage rechneten, köpfte Adriano Eusebio nach Flanke von Roberto Lattarico zum 3:3-Endstand ein. Das Stadion bebte. Eusebio, später verletzt ausgewechselt, humpelte jubelnd an der Trainerbank vorbei. "Ich wollte eigentlich raus, aber dann kam der Ball - und naja, dann kann man ja schlecht Nein sagen", grinste er unter Schmerzen. Die letzten Minuten waren purer Wahnsinn. Gela drückte, Partinico konterte - und Schiedsrichter Bianchi tat sein Bestes, niemanden umzubringen. Eine gelbe Karte für Gelas Innenverteidiger Tahsin Caliskan (44.) und eine für Partinicos jungen Linksverteidiger Desjardins (81.) waren die einzigen farbigen Notizen in einem ansonsten erstaunlich fairen Spiel. "Das war ein 3:3, das sich wie ein 6:6 anfühlt", sagte Gela-Coach Müller nach Abpfiff. "Wir hatten die Chancen, sie hatten den Willen - am Ende hatten beide recht." Meggi Ryana konterte trocken: "Ich bin froh, dass wir in der zweiten Halbzeit gemerkt haben, dass man Tore auch selbst schießen darf." Die Statistik untermalt das Drama: 7 Torschüsse für Partinico, 13 für Gela, dazu fast ausgeglichener Ballbesitz - 46 zu 54 Prozent. Ein Spiel, das keiner so richtig verlieren wollte, und das genau deshalb so herrlich offen endete. Partinico Calcio bleibt damit das Enfant terrible der Liga - zu wild für die Tabelle, zu schön fürs Lehrbuch. Und Gela? Sie nehmen einen Punkt mit, der sich anfühlt wie zwei verlorene. Oder wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn das ein Aprilscherz war, dann war’s ein verdammt guter." 22.07.643996 05:45 |
Sprücheklopfer
Auch ein Franz Beckenbauer kann einmal den Spielern in den sogenannten Hintern treten.
Lothar Matthäus