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Es gibt Fußballabende, an denen alles passt: der Rasen, die Sonne, der Espresso in der Kabine - und eben die Tore. Für Partinico Calcio war dieser Viertelfinal-Abend in der Europaliga einer jener seltenen Abende, an denen selbst der Stadionsprecher irgendwann das Zählen aufgab. 5:1 hieß es am Ende gegen einen FC Millwall, der zwar 57 Prozent Ballbesitz hatte, aber trotzdem aussah, als würde er einer italienischen Oper beiwohnen: viel Pathos, wenig Effekt. Dabei fing alles so verheißungsvoll für die Engländer an. In der 9. Minute zirkelte Daniel Darabont einen Schuss ins Netz, als wolle er beweisen, dass Präzision wichtiger ist als Power. "Ich dachte, das wird unser Abend", murmelte er später, sichtlich fassungslos. Doch es wurde der Abend von Partinico Calcio - und von einem Mann, den bis dahin kaum jemand auf dem Zettel hatte: Rechtsverteidiger Rui Baiao. Nur drei Minuten nach dem Rückstand stürmte Baiao nach vorn, als hätte er nie etwas von Defensivpflichten gehört, und jagte den Ball nach Vorarbeit von Joshua Ludwig zum 1:1 ins Tor. Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend - 43.500 Zuschauer sprangen auf, als hätte jemand die nationale Lotterie ausgerufen. Und Baiao war noch nicht fertig. In der 25. Minute wiederholte er das Kunststück, diesmal nach Zuspiel von Adriano Eusebio. 2:1 für Partinico, und FC Millwall wirkte konsterniert. Trainer Sonny Crocket raufte sich an der Seitenlinie die Haare und schrie: "Bleibt kompakt!" - was seine Mannschaft wohl als "Bleibt stehen!" interpretierte. Kurz vor dem Halbzeitpfiff dann der dritte Streich: Adriano Eusebio, der Mann mit der Stürmerseele und dem Charme eines Filmstars, köpfte nach einer Ecke von Innenverteidiger Nevio Heine zum 3:1 ein. Der Halbzeitstand schmeichelte Millwall noch. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn wir schon offensiv spielen, dann bitte richtig!", grinste Trainerin Meggi Ryana später. Ihre Mannschaft setzte das um - und wie. Während Millwall weiter den Ball quer schob, legte Partinico direkt nach Wiederanpfiff noch eine Schippe drauf. In der 73. Minute war es wieder Eusebio, diesmal nach Vorlage von Asier Verdasco: 4:1. Der Jubel war grenzenlos, die Südkurve sang, und Ryana klopfte Verdasco auf die Schulter. "Der Pass war so schön, ich hätte ihn selbst gern verwandelt", meinte sie lachend. Als dann in der 81. Minute der eingewechselte Antonio Capucho nach Vorarbeit von Joshua Ludwig das 5:1 erzielte, war das Stadion ein Tollhaus. Capucho rannte zur Eckfahne, hielt sich die Hand hinter das Ohr und grinste schelmisch in Richtung der gegnerischen Bank. "Ich wollte hören, ob sie noch Hoffnung haben", sagte er danach mit einem Augenzwinkern. Millwall blieb zwar bemüht - 14 Torschüsse sprechen für sich - doch der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Torwart Ellis Ireland bei Partinico hielt, was zu halten war, und wenn nicht, dann war immer noch jemand wie Nevio Heine da, der sich in jeden Schuss warf, als ginge es um seine Wohnungseinrichtung. Die Statistik liest sich fast grotesk: 42,9 Prozent Ballbesitz für Partinico, aber fünf Tore. Millwall dagegen mit ordentlicher Passquote und viel Kontrolle, aber ohne jede Durchschlagskraft. "Das ist eben Fußball", seufzte Crocket nach der Partie. "Manchmal gewinnt der, der den Ball weniger hat - aber mehr Herz." Auch Schiedsrichter Capello hatte seinen Moment, als er in der 75. Minute Jacob Stanton die Gelbe Karte zeigte. Der grinste nur und meinte: "Ich wollte doch nur freundlich grüßen." Drei Minuten später wurde er ausgewechselt - sicherheitshalber. Mit den Einwechslungen von Felipe Jorge, Antonio Capucho und dem jungen Predrag Vasiljevic brachte Ryana frische Energie, als andere längst auf Ergebnisverwaltung geschaltet hätten. Das Publikum honorierte es mit stehenden Ovationen. Nach dem Schlusspfiff tanzten die Spieler von Partinico vor der Kurve, während Millwall bedröppelt in die Kabine trottete. "Das Rückspiel wird schwer, aber wir geben nicht auf", versprach Crocket. Ryana konterte: "Wir auch nicht - wir mögen Tore einfach zu sehr." Fünf Tore, vier Torschützen, ein Statement. Partinico Calcio hat in diesem Viertelfinale nicht nur Millwall, sondern auch halb Europa wachgerüttelt. Und wer weiß - vielleicht war dies der Abend, an dem ein Außenseiter begann, Geschichte zu schreiben. Oder wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn das der Hinspielstand ist, will ich gar nicht wissen, was im Rückspiel passiert." 14.11.643996 22:37 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack