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Es war ein lauer Maiabend in Sizilien, 39.204 Zuschauer im Stadio Comunale, das Bier kalt, die Sonne im Untergang - und dann dieses 1:2. Partinico Calcio hatte sich zum Auftakt der "1. Liga Italien" einiges vorgenommen, aber am Ende grinsten nur die Gäste aus Gela. Und das nicht einmal überheblich - eher mit der trockenen Miene einer Mannschaft, die wusste, dass sie heute einfach cleverer war. Dabei fing alles so verheißungsvoll an. In der 19. Minute brach das Stadion in Jubel aus, als Asier Verdasco - von Roberto Lattarico mustergültig bedient - den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte hämmerte. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er so viel Platz hat", meinte Trainer Alex Sch später verschmitzt, "aber Asier hat das Auge - und wohl auch die Wut auf die Sommerpause noch in den Beinen." Doch kaum hatte man sich die Kehle heiser geschrien, war der Jubel auch schon im Hals steckengeblieben. Eine Minute später, 20. Minute, Gawriil Tregubow - dieser bullige Rechtsaußen aus dem Lehrbuch alter sowjetischer Fußballschule - traf nach Vorarbeit von Innenverteidiger Tahsin Caliskan zum 1:1. Ein Verteidiger als Vorlagengeber, das sagt viel über Partinicos Abwehrorganisation an diesem Abend. "Wir waren wohl noch beim Jubeln", murmelte Verdasco später selbstkritisch. Und dann kam die 34. Minute - Javier Vazques, Gela, Linksaußen, 32 Jahre alt, kein Mann der großen Worte, aber einer, der weiß, wie man den Ball küsst. Ein trockener Schuss, halbhoch ins lange Eck - 1:2. Torwart Max Dunn hechtete, reckte, streckte - und sah den Ball trotzdem vorbeifliegen. "Ich hab die Flugbahn richtig, aber der Ball hat mich ignoriert", sagte Dunn nach dem Spiel mit einem Grinsen, das zwischen Galgenhumor und Verzweiflung schwankte. Danach war eigentlich noch genug Zeit, um das Ruder herumzureißen. Und Partinico probierte es, mit 55,8 Prozent Ballbesitz und immerhin sieben Torschüssen. Pedro Makukula prüfte Gelas Keeper Albert Valente mehrfach (7., 8., 22., 41. Minute), doch der 32-jährige Schlussmann war an diesem Abend ein lebendes Bollwerk. "Er hat heute Hände überall", stöhnte Makukula nach seinem dritten vergebenen Versuch. Tatsächlich wirkte Valente in der zweiten Halbzeit wie von einer höheren Macht gelenkt - oder einfach nur von gutem Torwarttraining. Gela dagegen spielte schnörkellos, fast altmodisch effektiv. 13 Schüsse aufs Tor, zwei Treffer - das ist die Art Statistik, die Trainer Michael Müller zum Lächeln bringt. "Wir wollten kein Ballbesitz-Festival feiern", sagte er nach dem Spiel. "Unsere Idee war: Jeder Schuss ein Statement. Und manche Statements sind halt Tore." Die Partie hatte auch ihre rustikalen Momente. Schon in der 3. Minute sah Julian Martins Gelb, später folgten seine Kollegen Javier Vazques (27.) und Mattias Lindström (67.). Dass Gela trotzdem mit elf Mann zu Ende spielte, war wohl auch Schiedsrichter Glück - oder schlicht gutes Schauspiel. In der 81. Minute musste Innenverteidiger Timo Schlotterbeck verletzt raus, was Gelas Defensive kurz ins Wanken brachte, aber Partinico fehlte die letzte Durchschlagskraft. Trainer Alex Sch gestikulierte an der Seitenlinie, als wolle er die Kugel persönlich ins Netz schreien. Aber es half nichts. "Wir waren besser, aber nicht klüger", fasste er bitter zusammen. "Und im Fußball gewinnt manchmal der Klügere. Leider." In der Nachspielzeit hatte Tiago Almeida noch zwei dicke Chancen (66. und 92.), die Dunn mit Mühe entschärfte - und so blieb das Ergebnis wenigstens knapp. Partinico drängte, Gela lauerte, das Publikum verzweifelte. Einer im Fanblock rief: "Wir haben den Ball, aber sie haben den Plan!" - und traf damit wohl den Kern des Abends. Am Ende blieb Partinico nur der Applaus der eigenen Anhänger für Einsatz und Leidenschaft. Die Statistik sprach zwar für sie - mehr Ballbesitz, mehr Passgenauigkeit, weniger Fouls -, doch Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. "Es war wie ein gutes italienisches Essen", sagte Gela-Kapitän Tregubow mit einem Augenzwinkern. "Ein bisschen scharf, ein bisschen bitter - aber am Ende schmeckt der Sieg einfach gut." Und so fährt Gela mit drei Punkten nach Hause, während Partinico Calcio sich die alte Fußballweisheit ins Notizbuch schreiben darf: Wer zu lange den Ball streichelt, verpasst irgendwann den Moment zum Zuschlagen. Vielleicht hilft’s ja nächste Woche. Oder wenigstens beim nächsten Espresso. 11.08.644000 17:18 |
Sprücheklopfer
Das sind Gefühle, wo man schwer beschreiben kann.
Jürgen Klinsmann