// Startseite
| Sporski Journal |
| +++ Sportzeitung für Serbien +++ |
|
|
|
Belgrad, 19. April 2026 - An einem lauen Frühlingsabend, bei Flutlicht und vor 55.026 Zuschauern, die zwischen Hoffnung, Fluchen und Sonnenblumenkernen schwankten, unterlag Palilulac im heimischen Stadion dem Favoriten Patizan Belgrad knapp mit 0:1. Wer die nackten Zahlen liest - 11 zu 14 Torschüsse, 44 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber - könnte meinen, es sei ein ausgeglichenes Spiel gewesen. Wer aber auf der Tribüne saß, weiß: Es war ein Duell zwischen beherzter Improvisation und kalter Effizienz. Das goldene Tor erzielte Ranisav Zigic in der 44. Minute, nach einer butterweichen Vorlage von Igor Stepanov. Der Ball, flach und präzise, durch die halbe Abwehrlinie geschnitten wie ein heißes Messer durch Ajvar - und Zigic brauchte nur noch den Fuß hinzuhalten. "Ich habe einfach gehofft, dass er ankommt", grinste der Torschütze später, "und dass der Torwart gerade an was anderes denkt." Offenbar tat er das. Maxim Woltschkow im Tor von Palilulac streckte sich zwar heldenhaft, aber eben einen halben Meter zu spät. Bis dahin hatte Palilulac durchaus mutig begonnen. Schon Jamie Lansbury prüfte in der 7. Minute Patizans Keeper Ognjen Basta, der mit einer Flugeinlage Marke "Torwartschule für Fortgeschrittene" parierte. Evan Neil versuchte es kurz darauf mit einem Aufsetzer aus 20 Metern - und traf immerhin den Rasen perfekt. Trainer Peter Patrick kommentierte später trocken: "Der war wohl als Warnschuss gedacht." Patizan wiederum spielte das, was man in Belgrad wohl "kontrollierte Aggression" nennt - aggressiv, aber mit Stil. Gleich drei Gelbe Karten sammelten sie dennoch (Kujovic, Anicic, Stalenkow), was den eigenen Trainer Uwe Schumacher zu der ironischen Bemerkung verleitete: "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur schön spielen können, sondern auch Farbe bekennen." Palilulac kämpfte, biss, und versuchte mit zunehmender Verzweiflung, die Lücke zu finden. Nach der Pause brachte Patrick frische Kräfte: Mateja Rakic und Bosko Koroman kamen zur 50. Minute, später folgte Carlos Vidigal. Der Effekt blieb überschaubar - es war, als hätte man den Motor gewechselt, aber den Sprit vergessen. Die größte Chance zum Ausgleich hatte Sasa Babovic in der 78. Minute. Sein Schuss aus spitzem Winkel zischte nur Zentimeter am Pfosten vorbei, und man hörte förmlich, wie 55.000 Menschen gleichzeitig "Ohhh!" seufzten. Nur zwei Minuten später besaß Palilulac einen Mann weniger: Mateja Drulic, schon verwarnt, sah nach einem rustikalen Einsteigen gegen Stalenkow Gelb-Rot. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin", erklärte der Übeltäter später mit einem Schulterzucken - und verschwand in der Kabine. Von da an war es ein Spiel auf Zeit. Patizan schob den Ball, als hätten sie alle Zeit der Welt, während Palilulac mit zehn Mann rannte, als gäbe es kein Morgen. In der 84. Minute prüfte Krstajic noch einmal Woltschkow, in der 85. MacLaren - doch der alte Keeper hielt, als wollte er beweisen, dass wenigstens er noch Herr im eigenen Strafraum war. Nach dem Schlusspfiff schüttelten sich die Spieler die Hände, manche mit ehrlichem Respekt, andere mit jener Routine, die sagt: "Wir sehen uns nächste Saison wieder." Trainer Patrick wirkte gefasst, aber sichtlich enttäuscht. "Wenn du gegen Patizan verlierst, ist das keine Schande. Aber wenn du verlierst, obwohl du besser gekämpft hast, tut’s doppelt weh." Schumacher dagegen strahlte und fasste das Spiel auf seine Weise zusammen: "Ein 0:1 auswärts - das ist kein Sieg für die Ewigkeit, aber einer für die Tabelle." Statistisch gesehen hatte Patizan mit 55,7 Prozent Ballbesitz und minimal besserer Zweikampfquote (51,3 Prozent) knapp die Nase vorn. Doch die Zahlen täuschen: Palilulac war das emotionalere, leidenschaftlichere Team - nur eben nicht das erfolgreichere. Als die Flutlichter langsam erloschen, blieben auf den Rängen noch ein paar tapfere Fans, die in die kühle Nacht sangen. Einer rief Richtung Platz: "Kopf hoch, Jungs, wir haben’s gespürt!" - und vielleicht war genau das die ehrlichste Zusammenfassung des Abends. Denn manchmal verliert man 0:1 - und hat trotzdem das Gefühl, dass man etwas gewonnen hat: Stolz, Charakter, und die Gewissheit, dass Fußball mehr ist als nur ein Ergebnis auf der Anzeigetafel. 25.02.643997 20:25 |
Sprücheklopfer
Die Bremer lassen sich hier feiern, als wären sie Deutscher Meister geworden, dabei haben die sich hier einen Scheiß zusammengespielt.
Matthias Sammer nach einer 0:4-Niederlage des BVB in Bremen