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Ein Montagabend, Flutlicht, 3.897 Zuschauer - und ein Spiel, das alles hatte, was den Fußball so liebenswert macht: Tore, Gelbe Karten, jugendlichen Übermut und einen Torwart, der nach Schlusspfiff erst mal das Netz streicheln musste, um sicherzugehen, dass es noch hängt. Am 28. Spieltag der Oberliga E unterlag der SC Petersberg den Gästen aus Kaiserslautern mit 2:3 (1:1) - ein Ergebnis, das die Heimfans mit einem Seufzen, die Gäste mit einem triumphalen Lächeln in die Nacht entließ. Von Anfang an war Feuer drin. Schon in der dritten Minute donnerte Helmut Heinz den Ball Richtung Gästetor - ein Weckruf, mehr als ein Torschuss. "Da war ich noch nicht ganz wach", gab Lauterns Keeper Vincent Aguas später lachend zu. Dann der erste Aufreger: Nach nur sieben Minuten sah der 17-jährige Ricardo Gama Gelb, weil er eher den Mann als den Ball traf. Trainer Kada Schmide kommentierte trocken: "Er wollte nur zeigen, dass er angekommen ist - leider im Schienbein des Gegners." Die Partie wogte hin und her, Petersberg hatte mehr Ballbesitz (55 Prozent) und suchte die Entscheidung über feines Kurzpassspiel. Kaiserslautern konterte jugendlich unbekümmert, mit langen Bällen und schnellen Flügeln. In der 23. Minute dann der Dämpfer für die Hausherren: Noe Ferreira, 19 Jahre jung und flink wie ein Espresso nach dem Training, traf nach Vorarbeit von Innenverteidiger Andres Garces zur 1:0-Führung für die Gäste. "Ich hab’s einfach probiert - und plötzlich war der Ball drin", grinste Ferreira, während Trainer Schmide ihm den Kopf tätschelte. Doch Petersberg schlug zurück. In Minute 36 kombinierten sich Georg Fritz und Angelo Pappalardo sehenswert durch die linke Seite, ehe Letzterer eiskalt zum 1:1 vollendete. "Das war Fußball mit Handbremse gelöst", jubelte Pappalardo, "endlich hat sich das Training mit den Hütchen ausgezahlt." Mit diesem Gleichstand ging es in die Pause - und die Fans wärmten sich mit Stadionwurst und Hoffnung. Nach dem Seitenwechsel kam Lautern mit frischem Elan, Petersberg dagegen schien kurz in der Kabine geblieben zu sein. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff köpfte - man höre und staune - Innenverteidiger Andres Garces nach einer Ecke von Daniel Jacurso die Gäste erneut in Front. 2:1 für Kaiserslautern, und die Petersberger Defensive sah dabei aus, als hätte jemand plötzlich den Pausentee mit Baldrian versetzt. Der Rest des zweiten Durchgangs war ein offener Schlagabtausch. Petersberg drückte, Lautern lauerte - und hatte das Glück des Tüchtigen. In der 73. Minute wieder Noe Ferreira, wieder präzise, diesmal nach Zuspiel von Vincent Adao. 3:1 für die jungen Lauterer, die sich gegenseitig abklatschten, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. Schmide wirkte auf der Bank entspannt: "Wenn man 19-Jährige aufs Feld schickt, weiß man nie, ob sie tanzen oder treffen - heute haben sie beides gemacht." Petersberg gab sich jedoch nicht geschlagen. Ari Sainio, der 21-jährige Taktgeber im Mittelfeld, verkürzte in der 88. Minute nach Vorlage von Pappalardo auf 2:3 - und plötzlich bebte das Stadion. Die Fans standen, die Minuten verrannen, und selbst der Stadionsprecher krächzte: "Da geht noch was!" Doch es ging nichts mehr. Zwei Nachspielminuten, ein verzweifelter Schuss von Sainio, der knapp über das Tor segelte - dann war Schluss. Statistisch gesehen hatte Petersberg mehr Ballbesitz, mehr Struktur, mehr Erfahrung - Kaiserslautern dagegen hatte jugendliche Unbekümmertheit und eine Effizienz, die man sonst nur aus Lehrbüchern kennt: 16 Schüsse aufs Tor, drei Treffer. Petersberg brachte es auf elf Abschlüsse, aber zu oft fehlte das letzte Quäntchen Entschlossenheit. "Wir haben schön gespielt, aber schön spielt keine Punkte ein", knurrte Heimkeeper Pattrick Frey nach dem Abpfiff. Während die Petersberger Spieler enttäuscht in die Kabine trotteten, feierten die Lauterer Youngsters ausgelassen auf dem Rasen. Einer von ihnen, der 17-jährige Dimas Eusebio, der kurz vor Schluss eingewechselt wurde, tanzte mit der Eckfahne. Schmide schüttelte nur den Kopf: "Na ja, lieber so als Trübsal blasen." So endet ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - nicht wegen der Perfektion, sondern wegen seiner Ehrlichkeit. Zwei Teams, die alles gaben, ein Publikum, das mitging, und ein Ergebnis, das für Diskussionen sorgen wird. Petersberg wird sich fragen, wie man trotz besserer Statistiken verliert. Kaiserslautern wird antworten: "Weil Tore zählen, nicht Prozentzahlen." Und irgendwo auf der Tribüne seufzte ein alter Fan: "Früher war der Ball auch rund - aber heute rollt er einfach schneller gegen uns." 17.12.643996 12:12 |
Sprücheklopfer
Bei solchen Anlössen kein Bier, das ist ja eine Katastrophe.
Rolf Rüssmann im Presseraum des Daimlerstadions, nachdem die Stuttgarter den Klassenerhalt geschafft hatten