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Ein lauer Frühlingsabend in Berlin, 23.744 Zuschauer, Flutlicht, Bratwurstdunst und die unverkennbare Mischung aus Hoffnung und Nervosität, die sich wie ein Nebel über das Stadion des FC Marzahn legt. Am Ende aber war es einer dieser Abende, an denen die Gäste aus dem Ruhrgebiet mit einem schlichten, aber effektiven "Danke für die Punkte" abreisten. TuS Hordel gewann beim FC Marzahn knapp, aber verdient, mit 1:0 - dank eines späten Treffers von Tim Pfeiffer in der 73. Minute. Dabei hatte es lange danach ausgesehen, als könne Marzahn zumindest ein Remis erzwingen. Trainer Frank Henning hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, aber das "offensiv" blieb über weite Strecken eher theoretischer Natur. Drei Torschüsse in 90 Minuten - das ist kein Wert, mit dem man in der 2. Liga Geschichte schreibt. "Wir wollten mutig spielen, aber Mut allein schießt keine Tore", sagte Henning nach der Partie und klopfte sich auf den Notizblock, als wolle er den Satz gleich für die nächste Pressekonferenz vormerken. Hordel hingegen zeigte, dass man auch mit rustikalem Konterfußball glänzen kann, wenn man ihn mit Präzision paart. Zehn Abschlüsse, davon viele durch Pfeiffer, Fink und Kunkel, ließen Marzahns Keeper Vicente Domingos mehrfach ins Schwitzen geraten. Der 27-jährige Stürmer Pfeiffer war der Unruheherd schlechthin. Schon in der 14. Minute prüfte er Domingos mit einem strammen Schuss, später folgten Versuche im Minutentakt - 23., 30., 46., 73. - bis einer endlich saß. Das Tor selbst war ein Musterbeispiel für die alte Fußballweisheit: Wenn du’s oft genug probierst, klappt’s irgendwann. Nach einem langen Ball von Linksverteidiger Kurt Herbst, der eher wie eine Befreiung aussah als wie ein geplanter Pass, setzte sich Pfeiffer im Strafraum robust durch, ließ Marzahn-Verteidiger Eric Bisson stehen und schob trocken rechts unten ein. Domingos streckte sich, aber der Ball grinste schon aus dem Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Herbst später mit einem Schmunzeln. Pfeiffer, neben ihm auf der Pressebank, lachte nur: "Dann flankt halt öfter so!" Bis dahin hatte Marzahn durchaus seine Momente - etwa als Peter Jacobsen, der junge Linksverteidiger, in der 40. Minute mit einem Distanzschuss beinahe die Führung erzielte. Doch kurz nach der Pause musste er verletzt raus, was die ohnehin wacklige Defensive weiter schwächte. "Peter hat sich am Oberschenkel gezerrt, das hat uns natürlich wehgetan", erklärte Henning. Ersatzmann Kian Lewis tat, was er konnte, aber gegen die anrollenden Hordeler Angriffe war das nur ein Tropfen auf den heißen Kunstrasen. TuS-Trainerin Ute Finkeldy, die an der Seitenlinie so ruhig blieb, als würde sie einen Sonntagsbraten beaufsichtigen, lobte ihr Team für "eine reife Leistung". Auf die Frage, ob das späte Pressing - laut Statistik in den letzten Minuten besonders aggressiv - Teil des Plans gewesen sei, grinste sie: "Sagen wir so: Ich hab ihnen gesagt, sie dürfen erst dann pressen, wenn die Marzahner müde aussehen. Und das hat nicht lange gedauert." Marzahn hatte zwar 46 Prozent Ballbesitz, aber das war so effektiv wie ein Regenschirm im Orkan. Die Bälle liefen, doch selten dahin, wo sie sollten. Besonders bitter: Nachwuchs-Stürmer Marco Jacob, 18 Jahre jung, hatte in der 70. Minute die große Chance zum Ausgleich, verzog aber knapp. "Ich hab den Ball zu schön treffen wollen", sagte er später zerknirscht - ein Satz, der in der Kabine für ein paar spöttische Lacher sorgte. Statistisch war Hordel klar überlegen: 10:3 Torschüsse, 55 Prozent Zweikampfquote, mehr Laufbereitschaft und das bessere Timing. Marzahn dagegen kämpfte mehr mit sich selbst als mit dem Gegner. Dass Trainer Henning am Ende noch von "positiven Ansätzen" sprach, wirkte fast rührend - oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne murmelte: "Positiv war heute höchstens, dass’s nicht geregnet hat." TuS Hordel klettert mit diesem Sieg in der Tabelle weiter nach oben, während Marzahn weiter im grauen Mittelfeld festsitzt - ein Ort, an dem man weder träumen noch zittern darf. Zum Schluss noch ein Satz von Finkeldy, der den Abend perfekt zusammenfasst: "Manchmal reicht ein Ball, ein Laufweg und ein kleines bisschen Glück. Heute hatten wir alles drei." Und Marzahn? Die müssen sich wohl noch ein paar Wochen gedulden, bis sie wissen, wie sich das Glück anfühlt, wenn es nicht nur auf der Gegenseite steht. 30.01.643994 04:36 |
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