Football Today
+++ Sportzeitung für England +++

Pirates kentern im eigenen Hafen - Barrow zieht ins Pokal-Halbfinale ein

Es war ein lauer Aprilabend in Bristol, das Stadion ausverkauft, 59 000 Fans in Blau und Weiß sangen sich warm - und am Ende jubelten nur die Gäste. Mit 0:1 mussten sich die Bristol Pirates im Pokal-Viertelfinale Barrow AFC geschlagen geben. Ein einziger Treffer, erzielt in der 66. Minute von Paulo Almeida, reichte, um die Pokalträume der Gastgeber zu versenken.

Dabei hatte es zunächst gar nicht so ausgesehen. Trainer Phi Ung hatte seine Elf mutig eingestellt - offensiv, aggressiv, mit vollem Einsatz. "Wir wollten den Druck von Anfang an hochhalten", erklärte er später mit stoischer Ruhe, "und dann kam halt dieser eine Konter…"

Barrow spielte, wie man es von einem Außenseiter im Pokal erwartet: tiefstehend, zäh, aber mit blitzschnellen Gegenstößen. Schon nach acht Minuten prüfte Almeida erstmals Keeper Servet Kaloglu, der mit einer Faustabwehr klärte. Dann rollte Angriff um Angriff, mal über die Flügel, mal durch die Mitte - allerdings ohne Ertrag. Auf der Gegenseite vergab Javier Costinha gleich drei Hochkaräter (14., 40., 41.). Nach dem dritten Versuch blieb er mit ausgebreiteten Armen stehen und soll, so berichten Lippenleser, gemurmelt haben: "Vielleicht ist das Tor heute kleiner?"

Die Partie war intensiv, manchmal überhart. Gleich vier Gelbe Karten sammelten die Pirates - ein Beleg für den "starken" Einsatz, den die Statistik später bestätigte. Alessandro Sosti sah früh Gelb (17.), Roman Trojan kurz darauf (31.), Taylan Karaman in der 37. Minute, und zum Schluss erwischte es auch noch Juri Gordijuk in der Nachspielzeit. Sosti durfte nach seinem Foul nicht einmal zehn Minuten später noch auf dem Platz stehen - Trainer Ung nahm ihn vorsorglich raus. "Er sah schon aus, als würde er den Schiedsrichter gleich duzen", flachste der Coach nachher.

Nach einer torlosen ersten Hälfte wurde das Spiel offener. Die Pirates hatten leicht mehr Ballbesitz (knapp 52 Prozent), Barrow dafür die gefährlicheren Aktionen. In der 66. Minute dann der Nadelstich: Nelio Djalo, gerade erst eingewechselt, schickte Almeida mit einem langen Pass auf die Reise. Der zog von links nach innen, ließ Trojan aussteigen und schlenzte den Ball unhaltbar ins rechte Eck - 0:1. "Ich hatte einfach Spaß", grinste Almeida später. "Manchmal fliegt so ein Ball, und du weißt schon beim Schuss, dass er reingeht."

Die Pirates warfen danach alles nach vorne. Costinha, Derrick und Claude feuerten aus allen Lagen (69., 73.), aber Barrow-Keeper George Beecroft hielt, was zu halten war - bis er in der 70. Minute nach einer Kollision verletzt vom Platz musste. Ersatzmann Finlay Densham kam, kaum warmgelaufen, und parierte gleich Costinhas Kopfball. "Das war Reflex und Glück", gab der junge Torwart zu. "Ich wusste gar nicht, dass der Ball schon kommt."

Barrow verteidigte in den letzten Minuten mit allem, was sich zwischen Ball und Tor werfen ließ. Die Pirates pressten, kämpften, rannten - laut Taktikdaten mit "vollem Einsatz" und "Pressing: YES". Doch auf der Anzeigetafel blieb die Null. Als Schiedsrichter Holland nach 94 Minuten abpfiff, sanken die Pirates erschöpft zu Boden, während Barrow jubelnd in Richtung ihrer 2000 mitgereisten Fans lief.

"Wir haben die Partie kontrolliert, wenn auch ohne Ball", kommentierte Barrow-Coach Ingo Königs mit einem verschmitzten Lächeln. "Manchmal ist weniger Ballbesitz einfach mehr Ballgefühl." Sein Gegenüber Ung nahm’s sportlich: "Wenn man zehn Torschüsse hat und keiner reingeht, hilft auch kein Matheunterricht mehr."

Statistisch war es eine enge Angelegenheit: 10 Torschüsse für Bristol, 13 für Barrow, Ballbesitz fast ausgeglichen, Zweikampfquote leicht zugunsten der Gäste (52 Prozent). Doch am Ende zählt im Pokal nur das Netz, das wackelt - und das tat es eben nur einmal.

In der Mixed Zone mischten sich Frust und Galgenhumor. Costinha lehnte an der Bande und meinte trocken: "Ich treffe lieber im Halbfinale - schade nur, dass wir da nicht spielen." Almeida dagegen wurde auf den Schultern seiner Mitspieler aus dem Stadion getragen.

So endet der Abend, wie Pokalnächte eben manchmal enden: mit einem glückseligen Außenseiter und einem Heimfavoriten, der sich fragt, wie man ein Spiel verlieren kann, das man eigentlich nie wirklich hergab. Die Antwort ist so alt wie der Fußball selbst: Weil Tore zählen - und nicht Ballbesitz.

Vielleicht, so munkelt man in Bristol, wird man künftig das Tor noch ein Stück breiter streichen. Schaden kann’s ja nicht.

13.11.643996 03:20
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Da muss jemand einen Fußball in die Sonne geschossen haben.
Mario Basler erklärt die Sonnenfinsternis
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager