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Ein warmer Aprilabend, 59.000 Zuschauer im tobenden Seafarers Stadium - und ein Spiel, das mit einem Feuerwerk begann und mit einem Seufzen endete. Die Bristol Pirates verloren am 30. Spieltag der 1. Liga England mit 2:3 gegen die Manchester Devils, obwohl sie mehr schossen, mehr rannten und vermutlich auch mehr fluchten. Kaum hatte der Schiedsrichter um 20:30 Uhr angepfiffen, da explodierte das Stadion. In der 3. Minute jagte Everhart Derrick einen Pass von Innenverteidiger Roman Trojan (!) ins Netz. Ein Verteidiger als Assistgeber - das riecht nach Verzweiflung oder Genie. "Ich hab einfach gesehen, dass vorne keiner stand, also dachte ich: Warum nicht?", grinste Trojan später, während Derrick hinzufügte: "Ich war selbst überrascht, dass der Ball kam. Normalerweise schießt der den auf den Parkplatz." Doch wer sich zu früh freut, bekommt bei den Devils meist die Quittung. In Minute 17 gelang Asen Christow der Ausgleich - nach feiner Vorarbeit von Logan Nolan, der auf dem linken Flügel so leichtfüßig wirkte, als hätte er die Gravitation kurz ausgeschaltet. "Die Piraten haben uns eingeladen, also sind wir reingekommen", witzelte Christow nach dem Spiel. Und weil Einladungen selten ungenutzt bleiben, legte Manchester noch vor der Pause nach: Der rechte Verteidiger Jacinto Alvaro (!) traf in der 43. Minute zum 1:2. Vorlage: sein Pendant auf links, Vicente Peyroteo. Wer da bei den Pirates verteidigte, wusste vermutlich selbst keiner so genau. Trainer Phi Ung gestikulierte wild an der Seitenlinie und brüllte etwas, das entfernt wie "Position halten!" klang - allerdings in einer Lautstärke, die auch auf dem Fischmarkt Eindruck gemacht hätte. Mit 21 Torschüssen (zu 9) hatten die Pirates zu diesem Zeitpunkt eigentlich alles im Griff - außer das Ergebnis. Der Ball wollte einfach nicht mehr rein. "Wir hätten heute auch mit drei Bällen gleichzeitig spielen können, und keiner wäre im Tor gelandet", knurrte Kapitän Javier Costinha. Nach der Pause drängte Bristol weiter, und endlich, in der 54. Minute, fiel der verdiente Ausgleich: Reece Claude verwertete eine Vorlage von Jamie MacPherson, der sich als Innenverteidiger bis in den gegnerischen Strafraum geschlichen hatte - ein klarer Fall von "Wenn du willst, dass was passiert, mach’s selbst." 2:2, das Stadion bebte, und die Hoffnung flackerte wie eine Hafenlaterne im Wind. Aber die Devils wären nicht die Devils, wenn sie nicht noch ein bisschen Teufelswerk auf Lager hätten. In der 81. Minute schlug erneut Asen Christow zu, wieder nach Zuspiel von Logan Nolan. Dieselbe Kombination wie beim ersten Treffer, nur diesmal kälter, präziser, gnadenloser. 2:3 - und das mitten in einer Phase, in der Bristol gefühlt alle zehn Sekunden aufs Tor schoss. Trainer Ronnie Ekström grinste nach dem Abpfiff verschmitzt: "Wir hatten den Ball weniger, die Chancen weniger, aber die Tore mehr. Mathematik ist manchmal überbewertet." Sein Gegenüber Phi Ung hingegen rang um Fassung: "Wenn man 21 Schüsse hat und nur zwei reingehen, dann darf man sich nicht wundern. Wir haben alles gegeben - sogar den Ball hergeschenkt." In der Schlussphase wurde es noch wild. Aitor Deco holte sich in der 76. Minute eine Gelbe Karte ab, die so überflüssig war wie ein Regenschirm in der Wüste. Kurz darauf wechselte Ung gleich doppelt: Deco kam für Gürsoy, Salenko ersetzte Karaman. Später durfte auch Hans Danielsen für den müde wirkenden Derrick ran - und feuerte prompt dreimal aufs Tor. Ohne Erfolg, versteht sich. Die Statistik ist ein Lehrstück in Ironie: 45,8 Prozent Ballbesitz für Bristol, 54,2 für Manchester. Tacklingquote? 53 Prozent zu 47 - also leicht zugunsten der Pirates. Und doch stand am Ende das nackte 2:3. "Wir haben wie Piraten gekämpft, aber die Devils haben das Gold mitgenommen", sagte Costinha bitter. Neben ihm fluchte Derrick leise, während MacPherson versuchte, das Positive zu sehen: "Zumindest haben wir ihnen gezeigt, dass wir Fußball spielen können. Nur das Gewinnen müssen wir noch üben." Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus - und einem Schuss Galgenhumor. Einer hielt ein Schild hoch: "Mehr Tore, weniger Torschüsse!" Vielleicht der beste Rat für die kommenden Wochen. Denn die Pirates bleiben zwar charmant wie immer, aber in der Tabelle hilft Charme wenig. Die Devils dagegen - eiskalt, effizient, furchtlos - segeln weiter Richtung Meisterschaft. Und Bristol? Die müssen nun den Kurs neu setzen. Am besten in Richtung Tor. 31.12.643996 06:58 |
Sprücheklopfer
Wir sind nur Underducks.
Rainer Calmund