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Pivara Celarevo und Gela trennen sich nach turbulenter Partie 2:2

Wenn 79.500 Zuschauer in einem Stadion sitzen und nach 90 Minuten gleichzeitig seufzen, dann weiß man: Das war nichts für schwache Nerven. Beim 2:2 zwischen Pivara Celarevo und Gela in der Champions-League-Gruppenphase lieferten sich beide Teams eine Achterbahnfahrt, die irgendwo zwischen Genieblitz und Slapstick pendelte.

Es dauerte exakt 60 Sekunden, bis die Gastgeber die erste Rakete zündeten. Pascal Kohl, der sonst eher durch gepflegten Körpereinsatz als durch frühe Tore glänzt, zog nach Vorlage von Florian Masse aus halblinker Position ab - und traf. 1:0 nach einer Minute, und Trainer Andreas Go riss die Arme noch hoch, als die Stadionuhr kaum über die 60-Sekunden-Marke geklettert war. "Wir wollten früh Druck machen", grinste Go später. "Dass es dann so schnell ging, war... sagen wir: überraschend effizient."

Doch wer dachte, das würde ein gemütlicher Abend für Celarevo, irrte gewaltig. Nur elf Minuten später spielte Gelas linke Seite Katz und Maus mit der Abwehr. David Martin legte quer, Julian Martins zog trocken ab - Ausgleich. 1:1 nach 12 Minuten, und plötzlich sah man auf der Trainerbank von Gela wieder Leben. "Wir haben über die Flügel gearbeitet, wie wir es geplant hatten", erklärte Coach Michael Müller mit einem zufriedenen Lächeln. "Na gut, vielleicht war es auch ein bisschen Glück - aber das nehmen wir mit."

Die erste Halbzeit glich danach einem Schussfestival. Celarevo feuerte aus allen Lagen: Kohl, MacLean, Nilsson - jeder durfte mal. Ganze 16 Torschüsse am Ende, fast doppelt so viele wie Gela. Doch das Netz blieb still. Nur einmal wurde es laut, als Ranisav Kujovic nach einem rustikalen Einsteigen Gelb kassierte. "Ich hab den Ball gespielt", rief er dem Schiedsrichter zu - der allerdings anderer Meinung war.

Nach der Pause drehte Gela das Spiel. Ausgerechnet Innenverteidiger Tahsin Caliskan, sonst der Mann fürs Grobe, stand nach einer Ecke goldrichtig und köpfte zum 2:1 für die Gäste ein (50.). Auf der Trainerbank von Celarevo krachte eine Wasserflasche - Go war sichtlich bedient. "Ein Innenverteidiger-Tor - das ist wie ein Schneesturm im August", knurrte er später halb lachend, halb fluchend.

Doch Celarevo wäre nicht Celarevo, wenn sie sich einfach ergeben hätten. In der 70. Minute kam die Erlösung: Göran Nilsson, bis dahin oft im Abseits, nutzte eine unübersichtliche Szene nach einer Standardsituation und drückte den Ball über die Linie. 2:2! Assistgeber: ausgerechnet Goran Kezman, der sonst eher die Defensive zusammenhält.

Das Stadion bebte, und plötzlich roch alles nach Heimsieg. Celarevo drückte, presste, schoss - aber der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Pascal Kohl verzog in der 77. Minute um Zentimeter, Jamie MacLean wurde kurz darauf ausgewechselt, und der junge Nemanja Kezman versuchte, mit jugendlicher Wucht das Spiel noch zu drehen.

Gela hingegen verlegte sich aufs Kontern und verteidigte mit allem, was Beine hatte. Zwei gelbe Karten - für den bereits ausgewechselten Jeno Lisztes (71.) und David Martin (73.) - zeigten, dass die Gäste durchaus bereit waren, auch mal die rustikale Variante zu wählen. "Manchmal muss man einfach ein Zeichen setzen", meinte Trainer Müller mit einem Augenzwinkern.

In den letzten zehn Minuten war es ein offener Schlagabtausch. Celarevo mit mehr Ballbesitz (51 Prozent), mehr Torschüssen, mehr Mut - aber eben nicht mehr Toren. Gela hielt mit Herz und einem überragenden Torwart Patrick Gabriel dagegen. Als Schiedsrichter Simic endlich abpfiff, fielen beide Teams fast erleichtert in sich zusammen.

"Ich glaube, das war ein gerechtes Remis", sagte Celarevos Nilsson, noch mit einem Grashalm im Haar. "Aber wenn wir ehrlich sind - wir hätten das gewinnen müssen." Trainer Go nickte, fügte aber hinzu: "Wenn du 16 Mal aufs Tor schießt und nur zweimal triffst, brauchst du keine Statistik - du brauchst einen Knotenlöser."

Auf der anderen Seite lobte Müller die Moral seiner Mannschaft: "Wir haben gegen einen sehr aggressiven Gegner gespielt, aber die Jungs haben Charakter gezeigt. Und Caliskan? Der darf heute Abend das Essen aussuchen."

Ein 2:2 also, das keiner so richtig einordnen konnte. Für Celarevo fühlt es sich an wie zwei verlorene Punkte, für Gela wie ein kleiner Sieg. Und für die Zuschauer? Ein unterhaltsamer Abend, bei dem man sich fragt, ob es im Fußball wirklich gerecht zugeht. Aber wer will das schon wirklich wissen?

Am Ende zählte nur eins: Beide Teams leben noch in der Gruppe - und die Fans gingen mit einem Lächeln nach Hause. Na gut, mit einem leicht genervten Lächeln, aber immerhin.

22.04.643994 07:08
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So schnell wie ich heute gelaufen bin, konnte mich keine Kamera einfangen.
Mario Basler
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