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Die Sonne war gerade hinter den Palmen von Kingston verschwunden, als im Constant-Spring-Stadion die Flutlichter angingen - und 35.571 Zuschauer sich auf eine laue Aprilnacht voller Emotionen einstellten. Sie bekamen, was sie wollten: Tempo, Drama, Gelbe Karten und ein Spiel, das die "Police Nationals" am Ende mit 2:1 für sich entschieden. Schon nach fünf Minuten machte der Gast klar, dass er nicht zum Inselurlaub gekommen war. Finlay Caroll, der Taktgeber im Mittelfeld, zog nach Vorarbeit von Claude Lamarliere trocken aus 20 Metern ab - und der Ball zappelte im Netz. Constant-Spring-Keeper Davide Pircher war noch in der Flugphase, als das Stadion schon für einen Moment verstummte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber er hat sich reingedreht wie ein Boomerang", stöhnte Pircher später. Trainer Max Wegner an der Seitenlinie raufte sich die Haare, rief "Bleibt ruhig, Jungs!" - und seine Mannschaft tat genau das. Die Heimelf, taktisch gewohnt offensiv und auf Konter eingestellt, arbeitete sich Schritt für Schritt zurück ins Spiel. Dario Poggi prüfte Nationals-Keeper Leon Featherstone gleich mehrfach, scheiterte aber an dessen Reflexen. In der 36. Minute wurde das Stadion dann zum Hexenkessel: Rechtsverteidiger August Ohlson marschierte die Linie entlang, flankte präzise in die Mitte - und Alexandre Saint-Pierre brachte per Volley den Ausgleich. Ein Tor, das so sauber war, dass sogar die gegnerischen Fans kurz klatschten. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Saint-Pierre nach dem Spiel, "aber manchmal ist Ehrlichkeit nicht die beste Taktik." Mit einem 1:1 ging es in die Pause. Die Statistiken zeigten leichte Vorteile für die Gäste (52 Prozent Ballbesitz), aber Constant Spring hatte mit 15 Torschüssen fast doppelt so viele Abschlüsse wie die Nationals. "Wir haben mehr gearbeitet, sie haben besser getroffen", brachte Wegner später die Misere auf den Punkt. Nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel offen. Die Polizei-Elf - unter dem stoisch wirkenden Walter Steger - spielte weiter forsch nach vorn. In der 66. Minute war es dann wieder der überragende Claude Lamarliere, der sich selbst belohnte: Nach feiner Vorarbeit von Henry Hunt wuchtete er den Ball ins rechte Eck. 2:1 für die Gäste - und diesmal blieb es still auf den Rängen. Constant Spring reagierte prompt. Wegner brachte in der 79. Minute gleich drei frische Spieler: Benett, Mayhew und Lorring. Eine Art "Alles oder nichts"-Wechsel, der das Spiel noch einmal anheizte. Doch je mehr sie rannten, desto souveräner verteidigten die Nationals. Besonders auffällig: der 18-jährige Innenverteidiger Robert Andrich, der gleich zwei brenzlige Szenen mit erstaunlicher Ruhe klärte. "Ich dachte kurz, der Junge ist ein Trainingsdummy - so ruhig blieb der", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne, "aber dann hat er Poggi zweimal abgelaufen!" In der Schlussphase wurde es hitzig. Bruno Corraface sah Gelb in der 70., Bernard Aubin zehn Minuten später ebenfalls - und bei jeder Schiedsrichterentscheidung schien die Tribüne kurz vor der Explosion. Selbst der Linienrichter bekam sein Fett weg, als er einmal die Fahne falsch herum hielt. In der Nachspielzeit, als Constant Spring alles nach vorne warf, hatte Poggi noch zwei Riesenchancen (92. und 94. Minute), scheiterte aber jeweils an Featherstone, der mit Katzenreflexen die Führung festhielt. "Ich hab einfach den Arm raus - und gehofft, dass der Ball ihn trifft", lachte der Keeper später. Nach dem Schlusspfiff ballte Walter Steger die Faust, nickte zufrieden und sagte trocken: "Wir waren heute keine Künstler, aber sehr effiziente Handwerker." Sein Gegenüber Wegner schüttelte den Kopf: "Wenn es für Fleiß Punkte gäbe, hätten wir heute gewonnen. Aber Fußball ist kein Schulfach." Unterm Strich war es ein schnelles, intensives Spiel - eines, das Constant Spring trotz kämpferischer Leistung knapp verlor. Die Gäste zeigten mehr Kaltschnäuzigkeit, die Hausherren mehr Herz. Und die Fans? Die gingen zwar enttäuscht nach Hause, aber nicht unzufrieden. Denn wer an einem Donnerstagabend 90 Minuten lang so viel Drama bekommt, der weiß: Die 1. Liga Jamaica ist kein Ort für schwache Nerven. Oder, wie ein älterer Fan beim Rausgehen sagte: "Wenn Constant Spring so weiterspielt, werden sie bald wieder blühen - der Frühling kommt ja bekanntlich immer zurück." 02.04.643997 18:52 |
Sprücheklopfer
Ich denke, dass man stolz sein kann auf die Leistung von Schalke 04, wegen der Leistung.
Andreas Möller