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Man hätte meinen können, Kingston sei an diesem Sonntagabend zum Polizeifest geworden: 44.130 Zuschauer drängten in das Stadion, als die Police Nationals den Fire-House FC empfingen. Das Duell "Ordnung gegen Flamme" versprach schon vom Namen her Dramatik - und das Publikum bekam sie, wenn auch mit einem Augenzwinkern. Am Ende hieß es 1:1, ein Ergebnis, das beiden Seiten irgendwie gerecht wurde, aber niemanden wirklich glücklich machte. Schon in der zweiten Minute setzte Klaas-Jan Huntelaar, der 20-jährige Mittelstürmer der Police Nationals, das erste Ausrufezeichen - ein satter Schuss, gehalten von Fire-House-Keeper Matthew Pilat. Trainer Walter Steger sprang dabei so abrupt von der Bank, dass sein Notizblock in hohem Bogen über die Coachingzone segelte. "Ich wusste gar nicht, dass Huntelaar schon wach war", witzelte er später. Die Polizei dominierte die erste Halbzeit mit 53 Prozent Ballbesitz und einer klaren Offensivausrichtung, während Fire-House FC eher auf Konter lauerte. Das Resultat: 13 Torschüsse auf Seiten der Hausherren, nur 6 bei den Gästen. Dennoch dauerte es bis zur 31. Minute, ehe der Ball tatsächlich im Netz zappelte - und das ausgerechnet nach einem Standard. Aus einem Gewühl im Strafraum heraus drosch Innenverteidiger Robert Andrich, gerade einmal 18 Jahre jung, das Leder humorlos in die Maschen. "Ich hab einfach mal draufgehalten. Wenn man trifft, war’s Absicht", grinste der Torschütze später. Bis zur Pause blieb die Partie im Griff der Gastgeber, die sich allerdings mehrfach an der vielbeinigen Fire-House-Abwehr die Zähne ausbissen. Gelbe Karten für Luis Minguez (21.) und Hjalmar Pettersson (30.) zeigten, dass die Feuerwehrleute durchaus wussten, wie man löscht - notfalls mit rustikalen Mitteln. Nach dem Seitenwechsel wurde es hitziger. Fire-House-Trainer Heinz Riffel, ein Mann mit der Mimik eines Schachgroßmeisters, brachte seine Elf auf Betriebstemperatur: "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen das Benzin jetzt mal anzünden." Und tatsächlich: In der 60. Minute schlug es ein. Benjamin Beauvilliers flankte präzise von rechts, und Lewis Dunn nickte in bester Mittelstürmermanier zum 1:1-Ausgleich ein. Das Spiel kippte kurzzeitig. Die Gäste witterten mehr, die Polizei verlor die Ordnung. Und dann kam die unschöne Szene in Minute 55: Henry Hunt von den Nationals ging nach einem Zweikampf zu Boden, musste verletzt raus. Für ihn kam Hermann Hanke - und brachte prompt wieder Struktur ins Spiel. Währenddessen hatte Fire-House bereits zuvor (49.) wechseln müssen: Der angeschlagene Luis Minguez wurde durch Luka Moeller ersetzt. "Ich hab’s im Rücken gespürt, als ob mir jemand den Feuerwehrschlauch reingedrückt hätte", scherzte Minguez mit zusammengebissenen Zähnen. Die Schlussphase? Ein wilder Mix aus Nervosität, Chancenwucher und - natürlich - etwas Drama. Fire-House-Innenverteidiger Pettersson sammelte in der 89. Minute nach wiederholtem Foulspiel die Ampelkarte ein. "Ich wollte nur den Ball treffen, ehrlich", beteuerte er später. Schiedsrichter und Gegenspieler sahen das freilich anders. In Unterzahl verteidigten die Gäste den Punkt mit allem, was sie hatten - und manchmal auch mit allem, was sie noch auf dem Platz fanden. Nationals drückten, Travassos prüfte Keeper Pilat in der 91. Minute, und Frey setzte in der 93. den letzten Ball über den Querbalken. Danach pfiff der Schiedsrichter ab, und die kollektive Erleichterung war auf beiden Seiten spürbar. Trainer Steger zeigte sich nachdenklich: "Wir hatten das Spiel unter Kontrolle, aber vielleicht waren wir zu brav. Wenn man 13 Mal schießt, darf da mehr rauskommen." Sein Gegenüber Riffel konterte mit einem verschmitzten Lächeln: "Wir haben mit Herz verteidigt. Und manchmal reicht das, um ein Feuer am Brennen zu halten." Fazit: Ein Remis, das in die Kategorie "gerecht, aber unbefriedigend" fällt. Die Police Nationals bleiben damit im oberen Tabellendrittel, während Fire-House FC zumindest Moral bewies. Und irgendwo in Kingston wird man sich noch lange an diesen Abend erinnern, an dem Polizei und Feuerwehr sich gegenseitig in Schach hielten - und am Ende niemand wirklich löschen wollte, was da auf dem Rasen brannte. 15.10.643999 17:02 |
Sprücheklopfer
Das ist Schnee von morgen.
Jens Jeremies