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Polonia stolpert - Pruszkow tanzt: 0:2 und viele ratlose Gesichter in Warschau

Es war ein kühler Aprilabend in Warschau, aber auf dem Rasen des Polonia-Stadions glühte es - allerdings vor allem auf Seiten der Gäste. SK Pruszkow kam mit wenig Ballbesitz, aber umso mehr Effizienz und entführte beim 0:2 (0:2) drei Punkte, die man getrost als verdient bezeichnen darf. 36.000 Zuschauer sahen ein Spiel, das sich für Polonia anfühlte wie ein Déjà-vu der verpassten Chancen.

Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass Polonia zwar den Ball, aber nicht das Glück haben würde. Daniel Jones prüfte in der 12. Minute Pruszkows Torhüter Pedro Sousa mit einem satten Schuss - doch der Portugiese im Kasten parierte, als hätte er die Szene schon im Training geahnt. Drei Minuten später versuchte es Freddie Leachman zentral, dann Stanislaw Wojciechowski von rechts - dreimal kein Tor, dreimal ein kollektives Seufzen auf den Tribünen. "Wir wollten früh ein Zeichen setzen", erklärte Polonias Trainer Mario Bonjek später, "aber offenbar war das Zeichen nur für den Gegner sichtbar."

Und genau dieser Gegner schlug zu, als Polonia gerade wieder Luft holte. In der 20. Minute zog Constantin Furtok nach Pass von Jerzy Zurawski von links in den Strafraum und vollendete trocken ins rechte Eck. 0:1, eiskalt, effizient, typisch Pruszkow. "Ich habe einfach draufgehalten", grinste Furtok nach dem Spiel. "Manchmal ist weniger Nachdenken mehr."

Während Polonia noch versuchte, Ordnung zu finden, kam der nächste Nackenschlag. In der 38. Minute kombinierte sich Jerzy Augustyn über die rechte Seite durch, flankte präzise, und Amadeus Kowalik köpfte aus kurzer Distanz zum 0:2 ein. Wieder stand die Heimabwehr da, als habe sie auf den nächsten Bus gewartet. "Das war einfach zu passiv", schimpfte Bonjek an der Seitenlinie - so laut, dass sogar die Ersatzspieler kurz zusammenzuckten.

Nach der Pause änderte sich das Bild kaum. Polonia dominierte mit 57 Prozent Ballbesitz, spielte gefällig durch die Mitte, kombinierte sauber, aber ohne Punch. Acht Torschüsse auf beiden Seiten - doch während Pruszkow seine Chancen in der ersten Hälfte genutzt hatte, blieben die Warschauer bis zum Schluss harmlos. Selbst als Kacper Bosacki in der Nachspielzeit noch einmal aus 20 Metern abzog, blieb Sousa unbeeindruckt und pflückte den Ball mit der Lässigkeit eines Sonntagsspaziergängers.

Ein Moment des Schreckens ereignete sich in der 58. Minute: Polonias Innenverteidiger Walter Heise blieb nach einem Zweikampf liegen, musste behandelt und schließlich durch Dennis Karwan ersetzt werden. Der wiederum holte sich in der Nachspielzeit eine Gelbe Karte - Symbolbild eines gebrauchten Abends.

Auch Pruszkow hatte seine kleinen Dramen. Rechtsverteidiger Adrian Kosowski kassierte in der 76. Minute Gelb, nachdem er Polonias Diego Guerrero etwas zu rustikal stoppte. Trainer Stefan Petruck nahm es mit Humor: "Adrian ist jung, er verwechselt manchmal den Gegner mit einem Trainingshütchen."

Taktisch spielte Pruszkow mit erfrischender Geradlinigkeit. Anfangs über die Flügel, später kompakt und abwartend - die Gäste verstanden es, das Spieltempo zu diktieren, ohne viel Ballbesitz zu benötigen. Polonia dagegen blieb bei seiner ausgewogenen, fast braven Marschroute. Kein Pressing, keine Überraschungen - nur gepflegter Frust.

Nach Abpfiff fasste Polonias Kapitän Freddie Leachman das Dilemma zusammen: "Wir hatten 57 Prozent Ballbesitz und null Tore. Vielleicht sollten wir anfangen, Ballbesitz in Punkte umzurechnen." Neben ihm nickte Torhüter Pol Ibano, der bei beiden Treffern machtlos gewesen war.

Auf der anderen Seite herrschte grenzenlose Freude. "Das war eine Mannschaftsleistung, wie sie im Lehrbuch steht", lobte Petruck seine Elf. Und als Constantin Furtok, der Torschütze zum 0:1, den Spielball scherzhaft in die Höhe hielt und rief: "Ich nehme ihn lieber mit, bevor Polonia ihn wieder will!", lachten sogar einige Heimfans mit - Galgenhumor, die letzte Bastion der Fußballleidenschaft.

Das Fazit? Polonia Warschau war bemüht, aber ideenlos, dominierte statistisch, verlor aber emotional. SK Pruszkow spielte schnörkellos, nutzte seine Chancen und zeigte, dass Effizienz manchmal schöner sein kann als Ballbesitz.

Vielleicht brachte es Trainer Bonjek am besten auf den Punkt, als er in der Pressekonferenz seufzte: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Am Ende zählt das Zweite." Ein Satz, der in Warschau wohl noch länger nachhallen wird - zumindest bis zum nächsten Heimspiel.

08.12.643996 02:02
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