Jornal do Brasil
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Porto Alegre dreht das Spiel und die Stimmung

40.000 Zuschauer im Estádio dos Pampas erlebten an diesem lauen Aprilabend ein Fußballspiel, das in seiner Dramaturgie fast schon an eine Soap erinnerte - nur mit weniger Dialogen, aber deutlich mehr Schweiß. CF Porto Alegre bezwang den CF Flamengo mit 2:1 (0:1) und drehte dabei nach einem frühen Schock die Partie mit viel Willen, Nervenstärke und einem Hauch von Chaos.

Dabei hatte alles so gar nicht nach einem Heimsieg ausgesehen. Schon in der 14. Minute klingelte es im Kasten von David Djalo, und zwar nach einem blitzsauberen Angriff über die linke Seite: Vitorino Gomes legte quer, und Fernando Coelho drosch die Kugel aus zwölf Metern unter die Latte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen - war er aber nicht", grinste Trainer Dino Ma später gequält. Das 0:1 wirkte wie ein kleiner Stromschlag für Porto Alegre, das sich in der Anfangsphase auf Konter eingestellt hatte, aber mit dem Gegenwind sichtlich haderte.

Doch dann kam die zweite Halbzeit - und mit ihr Vicente Morte, der Mann mit der Aura eines melancholischen Poeten und dem linken Fuß eines Presslufthammers. In der 48. Minute nahm er einen Pass von Innenverteidiger Agustin Ximenes auf, drehte sich einmal um die eigene Achse und jagte den Ball ins lange Eck. 1:1 - und das Stadion explodierte. "Ich wollte eigentlich flanken", behauptete Morte mit einem Augenzwinkern nach der Partie. Niemand glaubte ihm, aber alle feierten ihn.

Nur 16 Minuten später wurde die Partie endgültig auf den Kopf gestellt. Der rechte Verteidiger Didier Desjardins, sonst eher der Mann für den soliden Befreiungsschlag, tauchte plötzlich im Strafraum auf und verwandelte nach Zuspiel von Vicente Manu zum 2:1. Trainer Jürgen Mattes riss die Arme hoch, als hätte er gerade das Champions-League-Finale gewonnen. "Didier schießt sonst nur beim Abschlusstraining - und da meistens daneben", witzelte Mattes auf der Pressekonferenz.

Flamengo hingegen verlor in dieser Phase komplett den Faden. Die Offensivtaktik blieb zwar offensiv, wie die Statistik zeigt (48 % Ballbesitz, aber nur sechs Torschüsse), doch die Ideen versandeten irgendwo zwischen Mittelkreis und gegnerischem Strafraum. "Wir hatten alles im Griff - außer den Ball", kommentierte Kapitän Frederik Laursen trocken.

Porto Alegre hingegen spielte sich in einen Rausch aus Chancen und beinahe-Treffern: ganze 17 Torschüsse, die meisten davon vom unermüdlichen Uzi Eban, der sich in der 84. Minute sogar noch eine letzte Gelegenheit nahm, als andere schon die Uhr runterspielten. "Ich wollte das dritte Tor, damit ich heute Nacht schlafen kann", sagte Eban. "Jetzt kann ich’s trotzdem nicht."

Die gelben Karten passten ins Bild: Ximenes sah Gelb für ein rustikales Einsteigen (67.), Coelho und Gulbrandsen bei Flamengo taten es ihm gleich - wobei letzterer sich die Verwarnung nach einer Diskussion mit dem Schiedsrichter einfing, die angeblich mit den Worten begann: "Ich wollte nur wissen, ob er das ernst meint."

Die Trainer reagierten, wie Trainer eben reagieren: mit Wechseln, Gesten und Grimassen. Mattes brachte Van Cortlandt für den verwarnten Ximenes, später Baroti für Manu - ein Wechsel, der den Rhythmus stabilisierte. Dino Ma hingegen versuchte es mit jungen Kräften: Rakic, Chalana und Veloso kamen, aber das Spiel blieb, was es war - ein zäher Kampf gegen die Uhr.

In der Nachspielzeit hatte Laursen noch einmal die große Chance, doch Djalo, der bis dahin ein ruhiger Abendbegleiter war, fischte den Ball aus dem Winkel. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft", gab der Keeper ehrlich zu.

Am Ende jubelte Porto Alegre über drei Punkte, die mehr wert sind als nur Tabellenkosmetik. 55 Prozent Ballbesitz, mehr Einsatz, mehr Torschüsse - und vor allem mehr Herz. Flamengo dagegen bleibt das Rätsel, warum man mit so viel Offensivgeist am Ende leer ausgeht.

"Das war Fußball mit Nerven, nicht mit Schönheit", sagte Trainer Mattes beim Abgang - und grinste. "Aber Schönheit gewinnt selten 2:1."

Und so blieb den Fans nur, sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen und den Abend im Straßenlärm von Porto Alegre ausklingen zu lassen. Manche summten dabei vor sich hin - vielleicht keine Hymne, aber ein kleines Lied des Sieges.

11.10.643996 04:18
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