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Es war ein lauer Juniabend im Estádio da Luz do Sul, doch von "lauer Stimmung" konnte keine Rede sein: 50.745 Zuschauer verwandelten das weite Rund in ein brodelndes Fußballtheater. CF Porto Alegre besiegte CF Flamengo mit 2:1 - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber voller Dramatik, Hitzigkeit und einem Hauch brasilianischer Tragikomik steckte. Die Partie begann, wie man es von den Gästen aus Rio erwartet: offensiv, forsch, fast übermütig. Schon in der ersten Minute prüfte Emilio Helguera den Heimkeeper David Djalo, der mit der Lässigkeit eines erfahrenen Straßenfußballers nur grinste und murmelte: "Wenn ihr so weitermacht, sehen wir uns bald wieder." Flamengo feuerte in den ersten 20 Minuten gleich sechs Mal aufs Tor - meistens aus allen Lagen, selten mit Präzision. Trainer Dino Ma hatte seine Mannschaft auf Angriff über die Flügel eingestellt - Tamas Fekete links und Helguera rechts sollten überfallartig durchbrechen. "Wir wollten sie früh schocken", erklärte Ma nach dem Spiel, "aber Porto spielte, als hätten sie das Drehbuch schon gelesen." Und tatsächlich: In der 30. Minute schlug Porto mit chirurgischer Präzision zurück. Vicente Manu, der laufstarke linke Mittelfeldmotor, schickte einen Pass genau in den Lauf von Diamantis Dellas. Der Grieche blieb eiskalt, schob ins lange Eck - 1:0. Während die Fans tobten, riss Trainer Jürgen Mattes beide Arme in die Luft und brüllte in Richtung Bank: "So spielt man Konter, meine Herren!" Flamengo reagierte mit Wut. Frederic Marchand drosch kurz darauf zwei Mal knapp vorbei, und auch Aki Ukkonen scheiterte per Kopf. Doch zur Pause blieb es beim 1:0. "Ich hab ihnen gesagt: Wir müssen nur einmal treffen, dann kippt das Spiel", erzählte Dino Ma später mit einem Lächeln, das eher an Verzweiflung erinnerte. Und tatsächlich: In der 51. Minute fiel der Ausgleich. Fekete, der zuvor schon fünf Torschüsse angesammelt hatte, verwertete eine Flanke von Vitorino Gomes. Ein Treffer, wie aus dem Lehrbuch - und das Lehrbuch trug den Titel "Endlich belohnt". Doch die Freude der Cariocas währte nicht lange. Acht Minuten später war Porto wieder da - und wie! Innenverteidiger Agustin Ximenes stieg nach einer Ecke höher als alle anderen und köpfte den Ball in die Maschen. Wieder war Manu beteiligt, diesmal als Vorlagengeber. 2:1 - und der Innenverteidiger jubelte, als hätte er gerade den Pokal gewonnen. "Ich springe sonst nur beim Einlaufen so hoch", witzelte Ximenes nach dem Spiel. Flamengo drückte in der Schlussphase, schoss insgesamt 14 Mal aufs Tor - fast doppelt so oft wie Porto (10). Doch der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Djalo parierte, Ximenes blockte, und Mattes wechselte defensiv. In der 83. Minute brachte er Didier Desjardins für den erschöpften Morgan Sterling, was die Tribüne mit einem vielsagenden "Jetzt halten wir den Bus!" kommentierte. Taktisch blieb Porto über 90 Minuten "balanced", wie es im modernen Trainerdeutsch heißt, aber mit klarer Konterausrichtung. Flamengo hingegen presste in der Schlussphase wie wild, doch der letzte Pass fehlte. "Wir haben mit Herz gespielt, aber Porto hatte heute die besseren Nerven", gab Fekete zu, während er sich das Schweißband vom Arm zog. Beeindruckend war vor allem Portos Effizienz: 53 Prozent Ballbesitz, aber zwei Tore aus zehn Schüssen - das nennt man klinisch. Flamengo kämpfte, rannte, schoss - 14 Abschlüsse, aber nur ein Treffer. Nach dem Abpfiff wurde Coach Mattes gefragt, ob der Sieg glücklich war. Er grinste: "Glück? Nein. Wir haben einfach weniger daneben geschossen." Und so verließ Porto Alegre das eigene Stadion als Sieger eines Spiels, das mehr Nerven gekostet hatte, als es der Statistik nach tat. Flamengo konnte sich für den Aufwand nichts kaufen - außer vielleicht die Erkenntnis, dass auch 14 Schüsse keine Garantie für Punkte sind. Am Ende applaudierten selbst die Gästefans, als Djalo, der Torhüter-Veteran, mit einem Handkuss in die Kurve winkte. "Das war Fußball, wie ich ihn mag", rief ein Zuschauer mit heiserer Stimme, "mit Schweiß, Chaos und einem Torwart, der Zeit schindet wie ein Schauspieler." Fazit: Porto Alegre siegt 2:1 gegen Flamengo, dank kalter Effizienz, taktischer Disziplin und einer Prise südamerikanischer Ironie. Oder, wie Mattes es trocken formulierte: "Wir hatten keine Angst vor schönen Pässen - wir wollten nur das Ergebnis." Und während die Nacht über Porto Alegre hereinbrach, hallte noch lange ein Gesang durch die Straßen: kein Triumphgebrüll, sondern eher ein zufriedenes Summen - das Geräusch einer Stadt, die weiß, dass Fußball manchmal einfach eine Frage des richtigen Moments ist. 18.03.644003 20:33 |
Sprücheklopfer
Lauf mal, du bewegst dich ja wie ich.
Mario Basler als Jugendtrainer beim SC Olching im Training