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Postiga schießt den Hamburger SC zum Auswärtssieg in Godesberg

Ein kalter Dienstagabend im Januar, Flutlicht, 17.958 Zuschauer und zwei Mannschaften, die Fußball spielen wollten - zumindest eine tat es. Am 13. Spieltag der 2. Liga Deutschland besiegte der Hamburger SC den FC Godesberg mit 2:0 (2:0). Mann des Abends: Leandro Postiga, der mit einem Doppelpack (24., 42.) die Partie praktisch im Alleingang entschied.

Dabei hatte Godesberg mehr Ballbesitz - stolze 56 Prozent - und auch phasenweise das Spiel in der Hand. Nur: Was nützt das, wenn der Ball nicht ins Tor will? "Wir haben uns den Ball schön hin- und hergeschoben, aber der wollte nicht rein - vielleicht war er schüchtern", knurrte Godesberg-Trainer Rafael Nadal nach dem Spiel, der trotz seines berühmten Namens weiterhin auf den ersten Heimsieg seit Wochen wartet.

Die Gäste aus Hamburg begannen forsch. Schon in der 2. Minute prüfte Eduardo Capucho den jungen Keeper Tamas Mandi, der glänzend parierte und erst einmal die Handschuhe warm klatschte. Doch das sollte nur der Auftakt eines Abends werden, an dem die Godesberger Verteidigung öfter hinterherlief als ihr lieb war.

In der 24. Minute dann der erste Stich: Tzipi Berkovic, eigentlich linker Verteidiger, schlug eine butterweiche Flanke mit dem schwächeren Fuß - und Postiga nahm den Ball direkt, trocken, präzise, unhaltbar. 0:1. Der Jubelblock der mitgereisten Hamburger (gefühlt jeder zweite davon mit Mütze und Bier in der Hand) vibrierte.

Während die Godesberger sich noch sortierten, legten die Hanseaten nach. Kurz vor der Pause, 42. Minute: Herman Carlsson setzte sich im Mittelfeld durch, steckte durch auf Postiga - und der Portugiese ließ sich nicht zweimal bitten. Wieder war Mandi chancenlos. 0:2, Halbzeit, und auf der Tribüne murmelte ein älterer Godesberg-Fan: "Das wird heut nix mehr, Junge." Leider sollte er recht behalten.

In der zweiten Hälfte versuchte Godesberg alles - oder zumindest so viel, wie man mit gepflegtem Kurzpassspiel und wenig Durchschlagskraft versuchen kann. Jacinto de Galvez, mit 19 Jahren der auffälligste Offensivspieler, rackerte, schoss (allein vier Mal aufs Tor) und verzweifelte. Die Latte, der Keeper oder der eigene Nerv - irgendetwas war immer im Weg.

Hamburg hingegen musste nach 48 Minuten in Unterzahl weitermachen: Der junge Ashton Stokes sah Rot, nachdem er beim Versuch, den Ball zu klären, eher das Schienbein von Carlsen traf. "War nicht mit Absicht, der Ball ist halt schneller als ich", erklärte Stokes später halb lachend, halb zerknirscht. Trainer Bernd Happel reagierte prompt, brachte Nico Klose zurück aufs Feld - jener hatte schon in der 10. Minute Gelb gesehen und durfte nun als Feuerwehrmann ran.

"Nach der Roten wussten wir: Jetzt sind’s noch 40 Minuten Zähne zusammenbeißen", sagte Happel. Und seine Mannschaft tat genau das. Die Hamburger standen tief, kämpften, konterten, und wenn’s brenzlig wurde, war Torwart Lionel Carvalho zur Stelle.

In der 58. Minute musste Happel dann erneut umstellen: Vladan Mladenovic verletzte sich am Oberschenkel, Wladimir Gorgon kam und erledigte seinen Job unauffällig - was in diesem Spiel ein Kompliment war.

Godesberg, angefeuert vom Publikum, schoss nun aus allen Lagen. 12 Torschüsse insgesamt, aber keiner fand den Weg ins Netz. Die Zeit verrann, die Nerven flatterten, und irgendwann wirkte es, als spielten sie für die Statistik, nicht fürs Ergebnis. "Wir hatten 56 Prozent Ballbesitz, das ist ja fast ein Sieg", witzelte Mirko Conte nach dem Spiel und zuckte mit den Schultern.

Hamburg hingegen nutzte seine Chancen effizienter - 15 Schüsse, zwei Treffer, dazu ein Mann weniger. Es war kein Feuerwerk, aber ein reifer, abgezockter Auftritt. Und Postiga? Der grinste nach Abpfiff, als hätte er gerade einen Spaziergang hinter sich: "Das erste Tor war schön, das zweite war besser - aber das Wichtigste ist, dass wir drei Punkte mitnehmen."

Trainer Happel ergänzte trocken: "Wir waren nicht die Schönsten heute, aber manchmal reicht’s, wenn man einfach hässlich gewinnt."

Während die Hamburger Spieler jubelnd in die Kabine verschwanden, blieb Rafael Nadal noch einen Moment auf dem Rasen stehen, die Hände in den Taschen, der Blick leer. Vielleicht dachte er daran, dass man Spiele nicht mit Ballbesitz, sondern mit Toren gewinnt.

Und so ging ein Abend zu Ende, der für Godesberg ein Lehrstück und für Hamburg ein Befreiungsschlag war.

Kleines Fazit des Reporters: Wer zwei Tore schießt, eines davon aus dem Nichts, und danach 40 Minuten in Unterzahl den Laden dicht hält, darf sich ruhig mal ein Fischbrötchen extra gönnen.

07.06.643987 00:54
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