Tuttosport
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Pro Vercelli geht unter - Gela tanzt im Regen von Vercelli

Ein lauer Maiabend, 43.500 Zuschauer im altehrwürdigen Stadio Silvio Piola, und am Ende ein Ergebnis, das in den Geschichtsbüchern von Pro Vercelli wohl unter "bitte schnell vergessen" abgelegt wird: 0:4 gegen Gela. Vier Gegentore, keine eigenen Treffer, ein verletzter Innenverteidiger - und das alles am 15. Spieltag der 1. Liga Italien. Trainer Tominho Niruak stand nach dem Abpfiff mit leerem Blick an der Seitenlinie, während Gästecoach Michael Müller seinen Spielern fast väterlich auf die Schultern klopfte.

Schon nach neun Minuten war klar, wohin der Abend driftete. Vitorino Postiga zog aus der zweiten Reihe ab, der Ball küsste noch die Unterkante der Latte und landete hinter der Linie. "Ich hab einfach draufgehalten. Der Ball wollte es so", grinste der Portugiese nach dem Spiel. Der Jubelblock der mitgereisten Gela-Anhänger sang sich prompt heiser. Pro Vercelli dagegen wirkte schockgefroren.

Das 0:2 in der 32. Minute war dann fast eine Kopie, nur mit vertauschten Rollen: Marco Frechaut, der auffälligste Mann auf dem Platz, setzte sich über links durch, bekam den Ball von Niels Wegener und schlenzte ihn trocken ins lange Eck. "Wir wollten mutig bleiben, aber irgendwie fehlte uns der Mut", meinte Pro-Vercelli-Kapitän Nicolo di Catanzaro später mit bitterem Lächeln.

Zur Halbzeit herrschte auf den Rängen eine Stimmung zwischen Fassungslosigkeit und Galgenhumor. Ein älterer Fan hinter der Pressetribüne seufzte: "Wenn das so weitergeht, müssen wir bald wieder mit der Straßenbahn zur Serie B fahren."

Trainer Niruak reagierte nach einer Stunde mit gleich mehreren Wechseln: Jelic kam für Chiaravalle, Berlusconi ersetzte Curinga. Doch kaum hatte das Publikum wieder Hoffnung gefasst, kam die kalte Dusche. In der 66. Minute erhöhte Ignacio Barbosa auf 0:3 - nach wunderbarer Vorarbeit von Frechaut, der an diesem Abend einfach alles richtig machte.

"Das war Fußball zum Anfassen - für uns leider eher zum Wegschauen", knurrte Niruak später auf der Pressekonferenz. Seine Mannschaft brachte es auf sechs Schüsse aufs Tor, aber keiner davon roch wirklich nach Treffer. Gela hingegen feuerte aus allen Lagen - 17 Torschüsse, 62 Prozent Ballbesitz, und das Ganze mit einer fast schon beiläufigen Leichtigkeit.

Als David Martin in der 78. Minute nach feinem Zuspiel von Niels Wegener den vierten Treffer markierte, stand der Gästebereich Kopf. "Da wollte ich eigentlich flanken", witzelte Martin hinterher, "aber dann dachte ich, warum nicht mal aufs Tor?" Selbst Müller, sonst eher der stoische Taktiker, grinste breit: "Wenn du so einen Tag hast, läuft’s einfach. Da kann man den Jungs nur gratulieren."

Pro Vercelli hatte da längst seinen verletzten Innenverteidiger Filip Kisel verloren, der nach einem unglücklichen Zweikampf in der 54. Minute ausgewechselt werden musste. Ersatzmann Hanson Wendell machte seine Sache ordentlich, aber das Spiel war da schon gelaufen.

Ein kleiner Trost: Die Fans blieben bis zum Schluss, klatschten ihre Spieler sogar nach dem 0:4 noch in die Kabine. "Wir wissen, dass es weh tut", sagte di Catanzaro, "aber wir werden daraus lernen. Oder es zumindest versuchen."

Bei Gela war die Stimmung dagegen ausgelassen. In der Kabine soll laut Zeugen sogar kurz gesungen worden sein - angeblich von Torwart Pattrick Gabriel, der in der 76. Minute eingewechselt wurde, um seinem Kollegen Albert Valente etwas Ruhe zu gönnen. "Ich wollte auch mal Gras unter den Stollen haben", scherzte der 35-Jährige.

Das Taktikbrett verriet am Ende keine großen Überraschungen: Beide Teams spielten ausgewogen, aber Gela interpretierte "balanced" eben als "wir machen das Spiel", während Pro Vercelli es offenbar als "wir schauen zu" verstand.

Fazit: Ein einseitiger Abend, an dem Gela demonstrierte, dass Teamgeist und Spielfreude manchmal mehr wiegen als große Namen. Und Pro Vercelli? Die müssen wieder aufstehen - am besten schnell, bevor die nächste Welle kommt.

Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen meinte: "Immerhin wissen wir jetzt, wie man 90 Minuten lang höflich applaudiert, ohne zu jubeln."

Ein bitterer, aber ehrlicher Fußballabend in Vercelli - mit einem klaren Sieger und vielen Fragen für die Gastgeber.

19.11.643999 11:30
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Toni Polster
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