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Es war ein lauer Aprilabend in Posen, 23.222 Fans hatten sich ins Stadion von Lesh Posen geschleppt, in der Hoffnung, ihr Team möge am 34. Spieltag der 1. Liga Polen zumindest so etwas wie Stolz zeigen. Doch was sie zu sehen bekamen, war eine Lehrstunde in Sachen Effizienz - erteilt von SK Pruszkow, die mit einem klaren 3:0-Sieg allen zeigten, dass jugendlicher Leichtsinn manchmal einfach besser Fußball spielt als reife Routine. Bereits nach zwei Minuten donnerte der 17-jährige Robert Lewandowski - ja, der Name ist kein Zufall - den Ball erstmals gefährlich aufs Tor. Noch flog Lesh-Keeper Matthias Eder heldenhaft durch die Luft, als wolle er wenigstens die Schwerkraft besiegen, wenn schon nicht die Offensive der Gäste. Achtzehn Minuten waren gespielt, als Amadeus Kowalik, der Routinier auf der rechten Seite, nach Vorlage von Jerzy Augustyn trocken zum 0:1 einschob. So trocken, dass man fast das Rasensprengen vermisste. "Wir wollten früh zeigen, dass wir’s ernst meinen", sagte Kowalik später mit einem Grinsen. "Und dass der junge Robert keine Angst hat, hab ich ihm schon in der Kabine angesehen - der hat mich fast gefoult beim Aufwärmen." Posen versuchte danach, Ordnung in sein Spiel zu bringen, kämpfte aber mehr mit der eigenen Nervosität als mit dem Gegner. Kamil Klose prüfte in der 8. Minute den Pruszkower Keeper Pedro Sousa, doch der fing den Ball so lässig, als wäre es ein Sonntags-Picknick. Trainer Tomasz Wojciechowski brüllte sich derweil an der Seitenlinie heiser. "Ich hab gesagt: offensiv! Nicht selbstmörderisch!", schimpfte er nach dem Spiel, als man ihn auf die vielen offenen Räume ansprach. Sein Gegenüber Stefan Petruck lächelte dazu nur milde: "Wir haben einfach Fußball gespielt. Manchmal reicht das." Pruszkow kombinierte flüssig, die Ballbesitzquote von 52 Prozent wirkte wie 70, so dominant zirkulierte der Ball durch ihre Reihen. Und wenn sie mal nicht kombinierten, dann schossen sie einfach - 17-mal insgesamt, fast sechsmal so oft wie der Gastgeber. Nach der Pause ging es Schlag auf Schlag. In der 49. Minute war es dann soweit: Der jugendliche Lewandowski nahm eine Flanke von Augustyn direkt ab und hämmerte sie zum 0:2 in die Maschen. Ein Moment, der das ganze Stadion kurz verstummen ließ - außer den 300 mitgereisten Fans aus Pruszkow, die ihren Nachwuchsstar feierten, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich hab gar nicht nachgedacht", sagte Lewandowski später, noch leicht verlegen. "Ich hab nur gesehen, dass der Ball kommt und gedacht: na gut, dann halt rein damit." Seine Unbekümmertheit war ansteckend - zwei Minuten später war es Christopher Preston, der nach Vorarbeit von Noe Costa das 0:3 erzielte. Ein Doppelschlag, der Lesh Posen endgültig den Stecker zog. Von da an war es nur noch Schadensbegrenzung. Jay Hoskins holte sich in der 65. Minute eine Gelbe Karte ab - vermutlich aus purer Langeweile mangels Ballkontakten - und Oleg Bandrowski tat es ihm in der 84. gleich. "Wenn wir schon nicht treffen, dann wenigstens auffallen", soll Bandrowski lachend gesagt haben, als er vom Platz trottete. Die letzten Minuten vergingen mit höflichem Ballgeschiebe der Gäste, die sich keine Blöße mehr gaben. Petruck wechselte munter durch, gönnte Kowalik, Furtok und den jungen Lewandowski eine Pause. Ersatzmann Domenik Szymkowiak durfte ebenso ran wie der flinke Tomasz Mieciel - und beide fügten sich nahtlos in das harmonische Kollektiv ein. "Das war ein Mannschaftssieg", betonte Petruck nach dem Abpfiff. "Drei Torschützen, drei Altersklassen, ein Ziel: Spaß am Spiel." Das konnte man sehen - und spüren. Für Lesh Posen hingegen bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keinen Schönheitspreis gewinnt und drei harmlose Schüsse aufs Tor kein Rezept gegen kaltschnäuzige Gäste sind. Trainer Wojciechowski kündigte an, "die Jungs im Training an ihre Grenzen zu bringen". Einer seiner Spieler murmelte daraufhin: "Welche Grenzen meint er? Die vom Trainingsgelände?" So endete der Abend nicht nur mit einer klaren Niederlage, sondern auch mit einem Gefühl von Ratlosigkeit. Während Pruszkow jubelnd in die Nacht fuhr, hingen die Köpfe der Posener Spieler tief. Und doch, irgendwo im Stadion, raunte ein älterer Fan: "Wenn der kleine Lewandowski so weitermacht, hören wir von dem noch." Vielleicht war das an diesem Abend die weiseste Prognose überhaupt. 25.02.643997 11:37 |
Sprücheklopfer
Die ran-Datenbank trägt eine Mitschuld daran, dass die Spieler oft das Risiko scheuen.
Erich Ribbeck