Heraldo de Mexico
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Pumas Nacional gewinnt ein 4:3-Spektakel gegen Cruz Azul

Was für ein Abend im Estadio Olímpico! 58.867 Zuschauer erlebten ein Spiel, das mehr Wendungen hatte als eine Telenovela zur Primetime. Am Ende jubelten die Pumas Nacional nach einem wilden 4:3 (3:2) gegen CD Cruz Azul - ein Ergebnis, das so knapp war, wie es das Spiel versprach.

Kaum hatte der Schiedsrichter die Partie des 33. Spieltags der 1. Liga Mexico angepfiffen, zappelte der Ball schon im Netz. In der 5. Minute traf Sergi Nani für Cruz Azul, eiskalt nach Vorarbeit von Giuseppe Trebisacce. Der Gästeblock tobte, während Pumas-Trainer Andy Nordlicht noch an seinem Kaugummi kaute. "Ich dachte, das wird wieder so ein Abend, an dem der Ball uns einfach nicht mag", gab Nordlicht später zu.

Doch seine Mannschaft hatte andere Pläne. Nur vier Minuten später glich Miguel Andrade aus - nach einem schönen Pass von Adamantios Manos. Andrade riss die Arme hoch, grinste breit und rief in Richtung der Bank: "Siehst du, Andy, der Ball mag uns doch!" Das Publikum lachte, Nordlicht klatschte - zumindest innerlich.

Das Spiel war da gerade mal neun Minuten alt und hatte schon zwei Tore gesehen. Und es sollte noch turbulenter werden. In der 12. Minute legte Silvestre Veloso für Cruz Azul nach. Wieder lagen die Gäste vorn. Aber wer glaubte, die Pumas ließen sich beeindrucken, kannte Miguel Morte nicht. Der linke Flügelstürmer hatte offenbar beschlossen, seine persönliche Show zu starten: Erst traf er in der 18. Minute nach einem langen Ball von Egil Fischer, dann legte er in der 26. noch einen drauf - diesmal nach Zuspiel von Rechtsverteidiger Ivica Dordevic.

Zur Pause stand es 3:2 für die Pumas - und die Zuschauer wussten nicht, ob sie atmen oder schon jubeln sollten. "Es war wie Pingpong mit Adrenalin", meinte ein Fan in der Halbzeitpause, während er sich eine Cola nachfüllte.

Cruz Azul hatte mehr Ballbesitz (53 Prozent) und deutlich mehr Torschüsse (15 zu 8), aber Pumas spielte mit einer Entschlossenheit, die an Straßenfußball erinnerte: wild, direkt, leidenschaftlich. Trainer Bronco Capone von Cruz Azul sah das naturgemäß anders: "Wir hatten das Spiel unter Kontrolle - zumindest immer so lange, bis wieder einer der Pumas auf die Idee kam, aufs Tor zu schießen."

Nach dem Seitenwechsel passierte zunächst wenig, bis Afanas Biljaletdinow in der 51. Minute mit einem satten Schuss zum 4:2 traf. Die Fans sangen, als wäre der Titel schon sicher. Doch Cruz Azul ist nicht das Team, das still untergeht. Nach mehreren gefährlichen Angriffen gelang Kayahan Üzülmez in der 65. Minute der Anschlusstreffer. Plötzlich war wieder alles offen.

Die letzten 20 Minuten waren ein Drahtseilakt. Pumas wechselte defensiver, brachte Ronald Scholz und später den 18-jährigen Julio Sousa. "Ich habe einfach gehofft, dass er nicht nervös wird", sagte Trainer Nordlicht nach dem Spiel. Sousa lachte: "Ich war so nervös, dass ich den ersten Einwurf rückwärts machen wollte."

Cruz Azul drückte, schoss aus allen Lagen, doch Torwart Nael de Freitas hielt, was zu halten war. Besonders in der 87. Minute, als Anatoli Babinow frei zum Schuss kam - aber de Freitas mit einem Reflex wie aus einem Actionfilm parierte. "Ich hab einfach die Hand hingehalten. Und gehofft, dass der Ball höflich genug ist, daran zu prallen", grinste der Keeper.

Am Ende blieb es beim 4:3 - ein Ergebnis, das so gerecht wie spektakulär war. Die Pumas hatten weniger Ballbesitz, aber mehr Herz. Und manchmal reicht das.

"Wir haben heute Fußball gelebt", meinte Doppeltorschütze Miguel Morte, der von den Fans gefeiert wurde, als hätte er das Stadion selbst gebaut. "Ich wusste, dass wir das drehen können, wir sind schließlich keine Mathematiker, wir zählen Tore, keine Prozentzahlen."

Cruz-Azul-Trainer Capone hingegen verschwand wortlos im Kabinengang, während Nordlicht noch auf dem Rasen Interviews gab. "Ein bisschen verrückt war das schon", sagte er, "aber ehrlich gesagt - genau deshalb lieben wir diesen Sport."

Und so ging ein Spiel zu Ende, das man in Lehrbüchern unter "Warum wir Fußball schauen" einordnen könnte. Pumas Nacional siegt 4:3, das Stadion bebt, und irgendwo in Mexiko erzählt ein Vater seinem Sohn: "Weißt du noch, damals, als Morte Cruz Azul allein narrte?" - und der Junge wird nicken, als hätte er es selbst gesehen.

Denn solche Spiele bleiben.

26.06.644000 08:13
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