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PVC Eindhoven dreht das Spiel - Haarlem hadert mit verpasster Chance

32.000 Zuschauer im altehrwürdigen Haarlem-Stadion sahen am Freitagabend ein Spiel, das sinnbildlich für die Launen des Fußballs stand: Der SC Haarlem führte zur Pause verdient mit 1:0, spielte gefällig, kontrollierte den Ball - und stand am Ende doch mit leeren Händen da. PVC Eindhoven, angeführt von Trainer Markus Frey, drehte die Partie nach dem Seitenwechsel und siegte mit 2:1.

Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Haarlem startete mit Mut und Präzision ins Spiel. Schon in der dritten Minute prüfte Robert Böttcher den gegnerischen Keeper mit einem satten Linksschuss, und als Mario Domingos kurz darauf aus der Distanz abzog, ahnte man: Hier geht heute was. Das Publikum summte zufrieden, Bierbecher klackerten, der Abend roch nach drei Punkten.

In der 35. Minute fiel dann das logische Tor: Domingos zog auf links zwei Verteidiger auf sich, passte flach in den Strafraum, und Javier Pauleta - der Name allein klingt schon nach Tor - traf aus zwölf Metern unhaltbar ins lange Eck. 1:0 für Haarlem, und das Stadion tobte. "Das war wie im Training", grinste Domingos später, "nur dass im Training nie jemand jubelt."

PVC Eindhoven wirkte in der ersten Halbzeit fahrig, bekam kaum Zugriff. Vielleicht lag es an der frühen Gelben Karte für den 17-jährigen Innenverteidiger Gerrit Coster, der nach einem rustikalen Einsteigen schon in der sechsten Minute verwarnt wurde. Trainer Frey brüllte von der Seitenlinie "Ruhe jetzt!", aber Coster hörte offenbar nur das Wort "jetzt" und grätschte wenig später erneut - diesmal ins Leere, immerhin.

Mit 52 Prozent Ballbesitz und elf Torschüssen bis zur Pause sah Haarlem wie der sichere Sieger aus. Doch Eindhoven hatte noch nicht fertig. Frey wechselte zur zweiten Halbzeit gleich dreimal: ein neuer Torwart, ein frischer Linksverteidiger, und im Zentrum übernahm Dedrick Dag für den blassen Coster. Nach dem Spiel erklärte Frey: "Wir mussten den Puls der Mannschaft verändern. Ich habe gesagt: ’Spielt, als wärt ihr sauer auf euch selbst.’ Und das haben sie getan."

Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, kippte das Spiel. In der 49. Minute tauchte der 19-jährige Louis Masse, eigentlich rechter Verteidiger, plötzlich im Strafraum auf. Nach einem schnellen Doppelpass über Jacques Diarra zog er einfach ab - und traf! 1:1. Haarlem-Torwart Dennis Mencel schüttelte ungläubig den Kopf. "Ich dachte, der Junge flankt. Das dachten wahrscheinlich alle."

Was folgte, war ein offener Schlagabtausch: Chancen hier wie dort, Jean Dumont prüfte Mencel mehrfach, Pauleta hatte auf der Gegenseite die erneute Führung auf dem Fuß. Doch Eindhoven blieb bissig, aggressiv, und suchte jetzt jeden Zweikampf. In der 76. Minute fiel dann der entscheidende Stich: Der erfahrene Nelio Viana spielte Dumont mit einem Steilpass frei, der Franzose blieb eiskalt und schob zum 2:1 ein.

Haarlem versuchte alles. Mario Domingos drosch in der 77. Minute noch einmal knapp vorbei, Michele Santoro setzte in der Nachspielzeit den Ball in die Wolken. "Wir hatten das Spiel im Griff - bis wir es nicht mehr hatten", knurrte Kapitän Albert Voores nach Schlusspfiff. Trainer Frey dagegen wirkte gelöst: "Manchmal ist Fußball wie ein Gedicht - du verstehst es erst am Ende."

Die Statistik erzählte eine fast ausgeglichene Geschichte: 11:12 Torschüsse, 52 zu 48 Prozent Ballbesitz, fast identische Zweikampfquoten. Doch die Effizienz sprach klar für Eindhoven. "Wir haben die Chancen genutzt, Haarlem nicht", sagte Doppeltorschütze Dumont, der beim Abgang vom Platz noch kurz dem Linienrichter zunickte - ob Dank oder Ironie, blieb unklar.

In der 89. Minute sah Haarlems Edvin Thuesen noch Gelb, als er Dumont am Konter hinderte - ein Symbol für den späten Frust der Gastgeber. Das Publikum pfiff kurz, klatschte dann aber doch: Man hatte ein intensives Spiel gesehen, mit Tempo, Emotion und einer Prise Drama.

Am Ende feierte Eindhoven ausgelassen den Auswärtssieg, während Haarlem in die Nacht hinausstarrte. "Wir müssen lernen, ein Spiel zuzumachen", seufzte Trainerassistent van der Meer, "nicht nur eins zu eröffnen."

Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Fan trocken: "So ist Fußball - 52 Prozent Ballbesitz, 0 Prozent Trost."

Ein Satz, der an diesem Abend wohl allen in Haarlem aus der Seele sprach.

12.12.643999 17:30
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