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Wenn 36.900 Zuschauer an einem lauen Maiabend im Bredase Stadion Platz nehmen, dann hoffen sie auf Fußball, der sie vom Sitz reißt. Am 21. Spieltag der 1. Liga Niederlande bekamen sie genau das - allerdings mit einem Ende, das den Heimfans die Frikandellen im Hals stecken ließ. NEK Breda führte zweimal, spielte engagiert, schoss früh Tore - und stand am Ende trotzdem mit leeren Händen da. PVC Eindhoven entführte mit einem 3:2-Sieg alle Punkte und ein Stück Stolz aus der Stadt. Schon nach zehn Minuten bebte das Stadion: Geert Dirk, Bredas quirliger Linksaußen, verwertete einen kurzen Pass von Sander Van Zandt und traf aus spitzem Winkel. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Dirk später, "und gehofft, dass der Ball nicht im benachbarten Park landet." Tat er nicht - stattdessen zappelte er im Netz. Doch Eindhoven, offensiv eingestellt und mit einem Flügelspiel, das an einen Wirbelsturm erinnerte, brauchte nicht lange zur Antwort. In der 33. Minute war Jacques Diarra nach Vorlage von Nicolaas Vanderveer zur Stelle und glich aus. Ein sehenswerter Treffer, den selbst die Heimfans mit einem gemurmelten "na gut, schön gemacht" quittierten. Bis zur Halbzeit wogte das Spiel hin und her. Breda hatte zwar mit 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz, aber Eindhoven prüfte Torhüter Gotthard Houghtailing deutlich häufiger. 18 Torschüsse insgesamt, fast dreimal so viele wie die Gastgeber - das sprach eine deutliche Sprache. Nach dem Seitenwechsel ging’s dann richtig los. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da hatte Geert Dirk wieder seinen großen Auftritt. In der 48. Minute traf er nach feinem Zuspiel des jungen Geert Vanderwerken zum 2:1. Die Fans tobten, Trainer Christian Naumann ballte die Faust, und der Stadionsprecher überschlug sich fast beim Namen "Geert". Doch die Euphorie hielt keine Minute. Im direkten Gegenzug - es war die 49. Minute - glich Otto Pederson für Eindhoven aus. "Wir hatten den Jubel noch im Hals, da war der Ball schon wieder drin", seufzte Naumann später. Und als ob das nicht genug wäre, schlug Eindhoven nur neun Minuten später erneut zu. Bas Dost, der 21-jährige Mittelstürmer mit der Ruhe eines Uhrmachers, vollendete aus kurzer Distanz zum 3:2. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich Tore schießen kann - auch ohne, dass meine Mutter im Stadion ist", witzelte Dost nach dem Spiel. Trainer Markus Frey lachte nur: "Bas braucht keine Zuschauer, um zu treffen. Er trifft auch im Training, wenn keiner hinschaut." Danach war’s ein wilder Ritt. Breda rannte an, Eindhoven konterte. Geert Vanderwerken holte sich in der 82. Minute noch Gelb, nachdem er einen Zweikampf mit etwas zu viel jugendlichem Elan führte, während auf der anderen Seite Daniel Eliezer schon in der 67. Minute verwarnt worden war. Der Schiedsrichter hatte also gut zu tun, blieb aber konsequent und ließ sich vom aufgebrachten Publikum nicht einschüchtern - auch wenn er bei einem Einwurf in der 85. Minute von einem Becher Cola nur knapp verfehlt wurde. Statistisch gesehen war Breda gar nicht schlecht: mehr Ballbesitz, ordentliche Passquote, und immerhin sieben Abschlüsse aufs Tor. Aber Eindhoven war einfach zielstrebiger, druckvoller, wuchtiger. Besonders nach den Einwechslungen zur Halbzeit - Torhüter Cristobal Antonio kam für Harrison Corey, dazu frische Flügel mit Otto Pederson und Jacques Diarra - wirkte das Team wie neu aufgezogen. "Wir hatten uns zur Pause gesagt: Wenn wir hier schon nass werden, dann vom Schweiß, nicht vom Regen", erzählte Frey und grinste in die Kameras. Die Ansage zeigte Wirkung - Eindhoven presste, kämpfte, und ließ Breda kaum noch Raum. In der Schlussphase war’s dann ein offener Schlagabtausch. Breda suchte verzweifelt nach dem Ausgleich, Vanderwerken prüfte in der 83. Minute den neuen Keeper Antonio mit einem satten Schuss, aber der reagierte blendend. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", keuchte Vanderwerken später, "aber Antonio hat wohl Spiderman-Gene." So blieb es beim 2:3, einem Ergebnis, das sich in Breda noch eine Weile in die Wände der Kantine einbrennen dürfte. Trainer Naumann wirkte nach dem Abpfiff gefasst: "Wir haben gutes Pressing gespielt, aber wenn du aus sieben Chancen nur zwei Tore machst, dann reicht’s nicht." Eindhoven dagegen feierte ausgelassen. Diarra tanzte mit Pederson, Dost grinste in jede Kamera, und Frey hob am Ende mahnend den Finger: "Heute feiern wir - morgen trainieren wir. Vielleicht." Ein Spiel voller Tempo, Emotion und jugendlicher Unbekümmertheit - und eines, das zeigt, warum Fußball manchmal nichts für schwache Nerven ist. Breda trauert, Eindhoven jubelt. Und irgendwo zwischen den Tribünen seufzte ein Fan: "Ich hab für weniger Dramatik schon Kinokarten bezahlt." 08.02.644000 11:48 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum