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Ein Spiel, das man seinen Enkeln erzählen wird - oder zumindest dem Nachbarn beim Frühschoppen: PVC Eindhoven und Selkirk Athletic lieferten sich im Rückspiel der Conference League Play-offs ein Spektakel, das mit einem 3:3 endete und die 43.500 Zuschauer im Philips-Stadion zwischen Euphorie, Verzweiflung und purer Ungläubigkeit pendeln ließ. Schon nach wenigen Minuten war klar: Hier wird kein Sicherheitsfußball gespielt. Die Gäste aus Schottland, von Trainer Jan Moese gewohnt taktisch diszipliniert eingestellt, begannen mit einer Mischung aus kontrolliertem Kurzpassspiel und britischem Kampfgeist. "Wir wollten Eindhoven den Ball geben - aber nicht die Kontrolle", grinste Moese nach dem Spiel, als hätte er gerade einen besonders gelungenen Schachzug gemacht. In der 27. Minute schlug Selkirk erstmals zu: Der junge Gabriel Duncan, gerade mal 20, schlenzte nach Vorlage von Ashton MacAlister den Ball mit der Frechheit eines Straßenfußballers ins Eck. Eindhoven wirkte überrumpelt. Die Fans noch beim Bierholen, die Abwehr noch beim Sortieren - 0:1. Doch PVC antwortete prompt: In der 34. Minute bewies Nelio Sandoval, dass er weiß, wo das Tor steht. Nach sehenswerter Vorarbeit von Diego Henriquez schob er den Ball überlegt ein. 1:1. Das Stadion tobte, die Fritten flogen. Die Freude hielt jedoch kaum fünf Minuten. Selkirk konterte eiskalt - diesmal war es Agemar Vega, der nach Vorarbeit von Alexander Moffat in der 39. Minute auf 2:1 stellte. "Wir haben kurz überlegt, ob wir ihn festketten sollen", witzelte PVC-Coach Markus Frey später über Vega. "Der war überall." Zur Pause stand es 1:2, und Eindhoven musste reagieren. Frey stellte die Formation um, ließ nun zentraler angreifen, mit mehr Risiko, mehr Mut, mehr… Chaos. Aber genau dieses Chaos brachte Leben ins Spiel. In der 57. Minute war es wieder Sandoval, der nach einer butterweichen Flanke von Ronny Arens per Seitfallzieher traf - ein Tor, das man in Zeitlupe genießen muss. "Ich hab gar nicht überlegt", sagte Sandoval hinterher. "Ich dachte nur: Wenn der Ball fällt, falle ich mit." Doch Selkirk ließ sich nicht beeindrucken. Nur zwei Minuten später, in der 59. Minute, schlug Mario Pace zu. Nach einem flinken Vorstoß über die rechte Seite war er zur Stelle, als Marc Piccard querlegte. 2:3. Die schottischen Fans sangen, Moese ballte die Faust. Eindhoven wirkte müde, ja fast resigniert. Die Gäste kamen auf 15 Torschüsse, während das Heimteam mit acht Abschlüssen kämpfte. Der Ballbesitz war zwar ausgeglichen (50,6 % zu 49,3 %), doch die Zweikampfquote sprach gegen die Hausherren. Selkirk gewann mehr als die Hälfte der Duelle - typisch schottisch eben. Und dann kam die 88. Minute. Wieder Sandoval. Wieder dieser unwiderstehliche Instinkt. Nach Zuspiel von Azmi Ramon jagte er den Ball aus spitzem Winkel in den Winkel - zum 3:3! Das Stadion explodierte, die Ersatzbank sprintete aufs Feld, und Trainer Frey schrie seine Freude in den Abendhimmel. "Ich wusste, Nelio hat noch einen drin", keuchte er nach dem Spiel, "der Kerl riecht Tore wie andere frisch gebackenes Brot." Selkirk versuchte es noch einmal, doch als Duncan in der 91. Minute seinen letzten Schuss abgab, war Vidar Thomassen schon auf den Knien, um das Unausweichliche zu verhindern. Schlusspfiff. 3:3. Eine Partie, die alles hatte: Tore, Drama, Verletzungen - Samuel MacLaren musste nach einem unglücklichen Zweikampf in der 38. Minute raus -, und sogar einen Torwartwechsel in der Nachspielzeit, weil Riley Cawdor sich nach einer Parade am Knie verletzte. "Ich bin stolz auf die Jungs", sagte Moese. "Wir haben gegen ein offensives Monster wie Eindhoven bestanden." Frey konterte mit einem Grinsen: "Bestanden? Vielleicht. Aber bestanden ist nicht gewonnen." So blieb es beim 3:3 - ein Ergebnis, das keiner so recht einordnen konnte. Eindhoven rettete sich mit spät entfachtem Feuer, Selkirk nahm den Punkt mit der Coolness eines Teams, das sich seiner Stärke bewusst ist. Am Ende verließen die Zuschauer das Stadion mit dem Gefühl, etwas Besonderes gesehen zu haben. Und irgendwo in der Kabine summte Sandoval leise vor sich hin - vielleicht kein Lied, aber ganz sicher die Melodie eines Hattricks, der Eindhoven am Leben hielt. Ein Spiel, das niemand vergessen wird. Und das nächste Mal? Da bringt man besser zwei Herzen mit - eins für die Statistik, eins fürs Drama. 27.01.644000 23:03 |
Sprücheklopfer
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Rainer Calmund