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Freitagabend, Flutlicht, 16.000 Zuschauer im Sneeker Stadion, und alle dachten, sie würden ein spannendes Duell zweier formstarker Teams sehen. Am Ende wurde es ein Lehrstück in Sachen Effizienz und jugendlicher Unverfrorenheit: PVC Eindhoven zerlegte ONS Sneek in der ersten Halbzeit mit 4:1 - und das, obwohl die Gastgeber den Ball häufiger am Fuß hatten. Doch Ballbesitz ohne Biss bleibt eben nur Statistik. Schon nach 13 Minuten klingelte es zum ersten Mal. Der 20-jährige Bas Dost, der aussieht, als könne er noch im Studentenwohnheim wohnen, traf nach Vorarbeit von Ronny Arens trocken ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Dost später, "und gehofft, dass keiner merkt, wie nervös ich war." Niemand merkte es - außer vielleicht der Torwart. Doch Sneek schien kurz darauf aufzuwachen. In der 18. Minute donnerte Rechtsverteidiger Alfonso Costinha, der offenbar beschlossen hatte, selbst mal Stürmer zu spielen, den Ball nach Pass von Hans Conklin unhaltbar unter die Latte. 1:1 - das Stadion tobte, und Trainer (dessen Name man sich an diesem Abend lieber spart) riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. Die Euphorie hielt exakt zehn Minuten. Dann kam Eindhoven zurück - und wie! Erst der 18-jährige Karel Cure, der mit jugendlicher Leichtigkeit durch die Sneeker Abwehr tanzte (28.), dann Everhart Vanderzee (36.) und gleich darauf wieder Cure (37.). Drei Tore in neun Minuten - das Stadion fiel in eine Art Schockstarre. "Ich hab nur versucht, nicht im Weg zu stehen", murmelte Sneeks Verteidiger Hansen Tenbrook später selbstironisch, "aber anscheinend war das auch falsch." Mit 1:4 ging es in die Pause, und während die Sneeker Spieler schweigend in die Kabine trotteten, summten die PSV-Fans (Eindhoven nennt sich seit dieser Saison "PVC" - warum, weiß wohl niemand so genau) fröhlich auf den Rängen. Trainer Markus Frey von Eindhoven sagte später mit einem Grinsen: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben. Ich wusste nur nicht, dass sie’s so wörtlich nehmen." Die zweite Halbzeit wurde dann zum Verwaltungsakt. Eindhoven wechselte munter durch - Bas Dost durfte nach seiner Gala mit Teo Males tauschen, Jelle Landseer machte Platz für Vitor Tonel. ONS Sneek mühte sich, mehr Ballbesitz (53 Prozent), mehr Pässe, aber kaum Gefahr. Nur Lars Shuck hatte in der 85. Minute nochmal eine echte Möglichkeit, scheiterte aber an Torhüter Fotios Siontis, der ansonsten eher Zuschauer blieb. Eindhoven schoss insgesamt 14 Mal aufs Tor, Sneek nur 7 Mal - und das spiegelt das Spiel perfekt wider. Selbst die Zweikampfquote sprach knapp für die Gäste (53 zu 47 Prozent). "Wir wollten kompakt stehen und schnell umschalten", erklärte Frey, "aber ehrlich gesagt, nach dem vierten Tor wollte ich nur noch, dass keiner übermütig wird." Ein wenig übermütig wurde dann doch jemand: Linksverteidiger Vincent Lansing sah in der 82. Minute Gelb, weil er - sagen wir - zu enthusiastisch in einen Zweikampf ging. Sneeks Hansen Tenbrook hatte seine Verwarnung da schon in der 69. Minute abgeholt, vermutlich aus purer Frustration. Nach dem Spiel standen die Sneeker Spieler noch minutenlang ratlos auf dem Rasen. Torwart Carlos Zapatero, der viermal hinter sich greifen musste, sagte resigniert: "Manchmal fühlt es sich an, als würden die anderen mit einem Cheat-Code spielen." Sein Trainer versuchte es mit Galgenhumor: "Wir hatten mehr Ballbesitz - vielleicht sollten wir dafür Punkte bekommen." Für Eindhoven war es ein Statement-Sieg. Die Offensive jugendlich, schnell, gnadenlos - Cure, Dost, Vanderzee: Namen, die man sich merken sollte. In Sneek dagegen wird man sich wohl eher an das Ergebnis erinnern - und an den Moment, als Costinha kurzzeitig Hoffnung aufkeimen ließ, bevor der Sturm aus Eindhoven alle Lichter ausknipste. Einer der Fans auf der Tribüne brachte es nach dem Abpfiff auf den Punkt: "Wir haben Fußball gesehen - leider nur von einer Mannschaft." Und so endete dieser Abend nicht mit einem Krimi, sondern mit einer klaren Lektion: Wer in der 1. Liga bestehen will, braucht mehr als Ballbesitz - nämlich Tore. Vielleicht tröstet es Sneek, dass die Sonne morgen trotzdem wieder aufgeht. Nur eben über Eindhoven ein bisschen strahlender. 23.01.643997 09:15 |
Sprücheklopfer
Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
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