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Das Flutlicht über Katwijk flackerte noch, als 35.750 Zuschauer kollektiv aufsprangen und jubelten, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen. In Wahrheit war es "nur" der späte Ausgleich zum 2:2, aber was für einer! Oscar Alves, der flinke Rechtsaußen der Quick Boys, hatte in der 92. Minute den Ball mit der Entschlossenheit eines Mannes, der kein zweites Mal gefragt werden will, ins Tor von Sparta Nijkerk gedrückt. Das Stadion bebte - und Sparta-Trainer Markus Kuzmich starrte ungläubig auf die Anzeigetafel, als hätte ihm jemand den letzten Keks weggenommen. Dabei hatte alles so vielversprechend für die Gäste begonnen. Sparta, in ihrer gewohnten offensiven 4-3-3-Variante, presste früh und schien den Quick Boys den Schneid abzukaufen. Schon in der 13. Minute erhitzte Claude Beaumanoir die Gemüter - weniger mit seinem Spiel, als mit einer rustikalen Grätsche, die ihm prompt Gelb einbrachte. Zwei Minuten später tat es ihm Iker Villar gleich, und man ahnte: Es würde kein Abend für Zartbesaitete. Nijkerk dominierte, schoss aus allen Lagen (13 Torschüsse insgesamt, fast dreimal so viele wie die Gastgeber), und schließlich fiel in der 42. Minute das verdiente 0:1. Villar, der zuvor schon zweimal knapp gescheitert war, verwandelte nach Vorarbeit von Egidius Van Vleck eiskalt. Trainer Kuzmich klatschte zufrieden, die Fans der Quick Boys dagegen murmelten etwas von "Abseits, ganz klar!". War’s keins - Schiedsrichter und Linienrichter waren sich einig. Zur Pause sah es also nach einem kontrollierten Auswärtssieg aus. Die Quick Boys, taktisch auf "ausgeglichen" eingestellt, wirkten harmlos wie ein Dackel an der Leine. Doch irgendetwas muss Trainer Justin Ano in der Kabine gesagt haben - vielleicht etwas in der Art von "Ihr dürft auch mal aufs Tor schießen". Denn kaum fünf Minuten nach Wiederanpfiff kam plötzlich Bewegung in die Sache. Knud Vollmer setzte sich auf der rechten Seite durch, flankte präzise, und Rafael Arredondo stieg am höchsten. Kopfball, Tor, 1:1 in der 55. Minute. "Der Ball war so perfekt, ich konnte gar nicht daneben treffen", grinste Arredondo später - und man glaubte es ihm fast. Aber wer dachte, jetzt kippt das Spiel, hatte die Rechnung ohne die abgezockten Gäste gemacht. Nur drei Minuten später schlug Sparta zurück: Joshua Patton, der Linksaußen mit der Dynamik eines Expresszuges, verwertete erneut eine Vorlage von Van Vleck zum 1:2 (58.). Quick Boys-Keeper Jamie Bail streckte sich vergeblich, der Ball zappelte im Netz. "Da dachte ich: Das war’s", gab Quick-Coach Ano ehrlich zu. "Aber Fußball ist eben das Spiel, bei dem man nie aufhören darf, zu hoffen - oder zu fluchen." Sparta Nijkerk schien danach die Kontrolle wiederzuerlangen. Zeeman Voores verpasste in der 71. Minute das mögliche 1:3, Villar traf später nur die Latte. Kuzmich gestikulierte wild, als wolle er das Tor herbeizaubern. Sein Team spielte offensiv, blieb aber ineffizient - eine Art Fußballtragödie in Orange und Schwarz. Und dann kam die Nachspielzeit. Während einige Zuschauer schon in Richtung Ausgang schlenderten, schlug Maarten Van Dousen einen langen Ball nach vorne. Alves, klein, wendig, und offenbar hellwach, startete durch, legte den Ball mit der Brust vor und drosch ihn unhaltbar unter die Latte. 2:2! "Ich hab einfach gehofft, dass er springt - und er sprang", sagte ein strahlender Alves später. Der Jubel war grenzenlos, der Schlusspfiff nur noch das i-Tüpfelchen auf einem wilden Abend. Die Statistik sprach zwar gegen die Quick Boys (4 Torschüsse zu 13, 45 Prozent gewonnene Zweikämpfe), aber am Ende zählte nur das Ergebnis - und das fühlte sich für die Hausherren wie ein Sieg an. Kuzmich war nach dem Spiel sichtlich bedient: "Wir haben es selbst hergeschenkt. Wenn du so viele Chancen liegen lässt, bekommst du irgendwann die Quittung." Ano dagegen gönnte sich ein verschmitztes Lächeln: "Ein Punkt gegen so einen Gegner - das ist wie ein Geschenk. Nur dass wir es uns selbst eingepackt haben." Fazit: Sparta Nijkerk war die bessere Mannschaft, aber Quick Boys hatte das größere Herz. Und manchmal, das weiß jeder, der diesen Sport liebt, gewinnt nicht der, der am meisten schießt - sondern der, der im richtigen Moment nicht aufgibt. Oder wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Das war nix für schwache Nerven, aber genau dafür kommen wir hierher." Dem ist nichts hinzuzufügen. 01.12.643999 02:32 |
Sprücheklopfer
Meine Jungs sitzen noch in der Kabine. Sie wollen alle hierbleiben und nächste Woche wieder hier spielen.
Klaus Toppmöller nach zwei kurz aufeinanderfolgenden Auswärtssiegen (Pokal- und Punktspiel) mit dem VfL Bochum beim 1.FC Kaiserslautern