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Es war ein Pokalabend, wie ihn Drehbuchautoren lieben: Tore früh, Drama spät, und mittendrin ein Publikum von 32.000, das kollektiv zwischen Euphorie und Entsetzen schwankte. Am Ende jubelte der Gast - PVC Eindhoven gewann bei den Quick Boys mit 3:2 (1:2) und zog damit in die dritte Runde ein. Dabei hatte für die Hausherren alles nach einem Fußballmärchen ausgesehen. Gerade einmal drei Minuten waren gespielt, als Rafael Arredondo nach einem mustergültigen Pass von Wevers Raymer den Ball trocken in den Winkel drosch. Zwei Minuten später wiederholte sich das Schauspiel fast identisch: diesmal kam die Vorlage von Bram Buskirk, und erneut war Arredondo zur Stelle - 2:0 nach fünf Minuten! Das Stadion bebte, und ein älterer Herr auf der Tribüne rief angeblich: "Die holen heute zehn!" Doch wie so oft, wenn etwas zu gut läuft, kam die Realität pünktlich zum Viertelstundenschlag. Teo Males, der bullige Mittelstürmer der Gäste, wurde von Otto Pederson bedient, drehte sich einmal um die eigene Achse und traf trocken zum 2:1-Anschluss. "Da war kurz der Schlendrian drin", gestand Quick-Boys-Trainer Justin Ano später mit einem gequälten Lächeln. "Aber wer will’s den Jungs verdenken - zwei Tore Vorsprung nach fünf Minuten, da glaubt man fast selbst, man spielt auf der Playstation." PVC Eindhoven, anfangs mit einer klaren Flügelstrategie unterwegs, stellte nach der Pause um - Trainer Markus Frey hatte genug gesehen. "Wir mussten mehr durchs Zentrum kommen", erklärte er hinterher. "Die Quick Boys standen außen zu kompakt. Also habe ich gesagt: ab jetzt wird gebohrt, nicht geflankt." Und gebohrt wurde. Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, rollte Angriff auf Angriff auf das Tor von Matias Fernandes. In der 49. Minute dann der verdiente Ausgleich: Ronny Arens tankte sich auf rechts durch, legte in den Rückraum - und Nelio Sandoval vollendete wuchtig zum 2:2. Eindhoven hatte zu diesem Zeitpunkt bereits doppelt so viele Torschüsse wie die Gastgeber (14:7 am Ende), und man spürte: das Momentum war gekippt. Während die Quick Boys weiter auf Balance und kontrolliertes Spiel setzten, zog Eindhoven das Tempo an. Die Ballbesitzwerte (51 zu 49 Prozent für die Hausherren) täuschten über die Tatsache hinweg, dass die Gäste deutlich zielstrebiger agierten. Besonders Males, der schon in der ersten Hälfte getroffen hatte, witterte seine Chance. Dann kam die Nachspielzeit. 94. Minute, die meisten Zuschauer standen bereits, einige Quick-Boys-Fans pfiffen, weil Schiedsrichter De Vries immer noch nicht abpfiff. Und genau in diesem Moment nahm der eingewechselte Nicolaas Vanderveer im Mittelfeld Maß und steckte den Ball in die Schnittstelle. Males spritzte dazwischen, blieb eiskalt - 3:2. Eindhoven jubelte, die Quick Boys sanken zu Boden. "Ich dachte wirklich, der pfeift gleich ab", murmelte Arredondo nach dem Schlusspfiff, der trotz seiner zwei Tore leer ausging. "Aber so ist Fußball - manchmal bist du Held, manchmal Statist." Trainer Ano versuchte es mit Galgenhumor: "Wir haben gezeigt, dass wir früh treffen können. Nächstes Mal probieren wir’s einfach auch spät." Auf der Gegenseite grinste Markus Frey breit: "Ich wusste, dass meine Jungs das noch drehen. Die Quick Boys haben uns eingeladen, und wir sind höfliche Gäste - wir nehmen Geschenke an." Statistisch gesehen war der Sieg der Gäste verdient. Eindhoven gewann mehr Zweikämpfe (54 zu 46 Prozent), zeigte trotz leicht geringerem Ballbesitz das klarere Konzept. Quick Boys fehlte nach der furiosen Anfangsphase die Durchschlagskraft, Arredondo blieb ab der 20. Minute weitgehend abgemeldet. Im Stadion herrschte nach Abpfiff betretenes Schweigen, nur aus dem Gästeblock dröhnte es fröhlich: "Eindhoven, Eindhoven!" - wenn auch ohne musikalische Begleitung, versteht sich. Ein Pokalabend, der wieder einmal bewies, dass Fußball keine Mathematik ist. Zwei Tore Vorsprung sind kein Polster, wenn der Gegner Herz, Beine und eine Portion Sturheit mitbringt. Die Quick Boys verabschieden sich also aus dem Pokal - mit erhobenem Kopf, aber hängenden Schultern. Und irgendwo in Eindhoven wird heute Nacht wohl noch lange gefeiert werden. Oder, wie Males es trocken formulierte: "Ich habe einfach geschossen, weil keiner gepfiffen hat." 15.10.643999 21:52 |
Sprücheklopfer
Für mich gibt es nur 'entweder-oder'. Also entweder voll oder ganz!
Toni Polster